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Seefracht: Wohin führt die Konzentration?

Fachforum mariLOG zeigt Probleme und Lösungsansätze in der Schifffahrt.
Das Interesse am Seefrachtsforum mariLOG auf der Messe transport logistic war groß. (Foto: László Dobos)
Das Interesse am Seefrachtsforum mariLOG auf der Messe transport logistic war groß. (Foto: László Dobos)
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László Dobos

Wohin geht die Reise in der Schifffahrt? Diese Frage stellten sich die Diskutanten des Fachforums mariLOG auf der Fachmesse transport logistic am 9.Mai 2017. Fusionen und Übernahmen sind an der Tagesordnung, statt zuvor vier Reederei-Allianzen gibt es seit April nur noch drei. Reedereien beteiligen sich an immer mehr Terminals. Und die ersten Containerschiffe mit einer Kapazität von 20.000 TEU nehmen ihre Dienste auf.

Konzentration hilft den Reedereien

Dies alles führe laut dem Seefrachtexperten Olaf Merk vom International Transport Forum, einem Thinktank des OECD, zu drei wichtigen Entwicklungen. Die Verhandlungsposition der Häfen gegenüber Reedereien werde sich verschlechtern. Es werde weniger Verbindungen geben. Und die Belastungsspitzen in Häfen würden stark anwachsen.

Die Infrastruktur im Hinterland kommt nicht mit

Keine schöne Aussicht für Verlader und Terminalbetreiber. Der Präsident des Terminalbetreiber-Verbands Feport, Gunther Bonz, machte im Forum darauf aufmerksam, dass sich Terminals zwar relativ schnell an die neuen Riesenschiffe anpassen können, nicht aber die Infrastruktur im Hinterland, die aus Straßen und Eisenbahnlinien besteht. Daher forderte er, die Reedereien in irgendeiner Form an deren Ausbau zu beteiligen.

Sollen auch Terminals fusionieren?

Seefrachtexperte Merk kam zu dem Schluss, dass die Machtposition der Reedereien gegenüber den Häfen und den Terminalbetreibern durch die vielen Fusionen und immer größere Allianzen stärker werde. Um dies auszubalancieren, sollten Häfen und Terminalbetreiber seiner Meinung nach enger zusammenarbeiten. Für Feport-Präsident Bonz klang das mehr als plausibel. Wäre da nicht das EU-Wettbewerbsrecht, das nach der Ansicht von Bonz Fusionen zwischen Reedereien ermöglicht, aber zwischen Terminalbetreibern sehr erschwert. Der Executive Director der Reederei MSC, Maurizio Aponte, machte im Gegenzug energisch klar, dass MSC Dienstleistungen stets als Unternehmen einkaufe und nicht im Verbund mit anderen Allianz-Reedereien. Somit gebe es gar nicht die starke Machtposition der Reedereien, wie von Merk beschrieben.

Unzufriedene Verlader

Auch Verlader sind mit den neuesten Entwicklungen unzufrieden. Weniger Verbindungen seien nun mal ein schlechteres Angebot, fasste der Generalsekretär des Verladerverbands Global Shippers‘ Forum, Chris Welsh, zusammen. MSC-Manager Aponte spielte den Ball zurück, und sagte, dass sie gar keine andere Wahl hätten, als auf große Schiffe zu setzen. Der Preisdruck sei enorm und größere Schiffe haben geringere Kosten pro Container. Deswegen werde sich auch am Trend zu großen Schiffen nichts ändern, „so lange die Kunden nicht beginnen, anders zu denken“.

Allheilmittel Digitalisierung?

Aus dieser verfahrenen Situation scheint jedoch die Digitalisierung einen Ausweg zu bieten. Wunsch der Reedereien ist es, sich zu differenzieren und somit den Wettbewerb nicht nur auf den Preis zu beschränken. Mit neuen digitalen Serviceangeboten, beispielsweise bei der Dokumentation, wäre das möglich, darin waren sich die Vertreter von Hapag-Lloyd und MSC im Forum einig. MSC-Manager Aponte erwähnte die Beteiligung seines Unternehmens am Start-up Traxens. Dies gefiel wiederum auch Welsh, der mehr Service für die Verlader forderte. Er hält den Seefrachtbereich „reif für eine Disruption“ und warnte zugleich die Reedereien davor, dass diese Disruption von außen kommen könnte. Genau das wollen sie verhindern. Der Chief Commercial Officer von Hapag-Lloyd, Thorsten Haeser, will dass die Reedereien die Digitalisierung vorantreiben. Er machte jedoch darauf aufmerksam, dass auch die Verlader in die Digitalisierung investieren müssen, sonst könne sie nicht funktionieren.

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