Seefracht: Wie sich die Attacken der Huthi-Miliz auf den weltweiten Handel auswirken

Eine Analyse von FourKites beschreibt, welche Effekte aus der Situation am Roten Meer aktuell und künftig auf die Seefracht zu erwarten sind, und gibt Tipps, wie Unternehmen sich wappnen können.  

Containerschiffe am Suezkanal: Im Zuge der Attacken der Huthi-Milizionäre am Roten Meer haben sich zuletzt mehrere Großreedereien dazu entschlossen, den Kanal nicht mehr zu befahren. (Symbolbild: Hladchenko Victor / AdobeStock)
Containerschiffe am Suezkanal: Im Zuge der Attacken der Huthi-Milizionäre am Roten Meer haben sich zuletzt mehrere Großreedereien dazu entschlossen, den Kanal nicht mehr zu befahren. (Symbolbild: Hladchenko Victor / AdobeStock)
Therese Meitinger

Die jüngsten Angriffe im Roten Meer, die die Huthi-Terroristen auf Frachtschiffe verübt haben, haben Wellen in der globalen Schifffahrtsindustrie ausgelöst, mit Auswirkungen auf den internationalen Handel, die Wirtschaft und Verbraucher weltweit. Der US-amerikanische Visibility-Anbieter FourKites hat eine Übersicht über die Situation und mögliche Auswirkungen auf den globalen Schiffsverkehr in der ersten Hälfte des Jahres 2024 erstellt. In der am 15. Januar veröffentlichten Pressemitteilung gibt Mike DeAngelis, Head of International Solutions bei FourKites, seine Einschätzung.   

Die aktuelle Situation

Die Huthi-Milizionäre im Jemen haben in den letzten Wochen immer wieder Schiffe im Roten Meer angegriffen und damit den Seehandel sowie den Verkehr durch den Suezkanal erheblich beeinträchtigt. Dies hat mehrere Schifffahrtsunternehmen veranlasst, Schiffe auf viel längere Reisen um das südliche Ende Afrikas umzuleiten.

Beispielsweise hatte Maersk, eines der weltweit größten Schifffahrtsunternehmen, zunächst geplant, die Routen im Roten Meer unter dem Schutz einer von den USA geführten Seestreitkraft wieder zu befahren. Nach einer weiteren Reihe von Angriffen hat Maersk jedoch den Betrieb im Roten Meer auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und schickt Schiffe bis auf Weiteres um das Kap der Guten Hoffnung.

Zusätzlich haben gewichtige Reedereien wie Ocean Network Express (ONE), Orient Overseas Container Line (OOCL), Wallenius Wilhelmsen und Yang Ming die Befahrung des Roten Meers ausgesetzt oder sich für die Umleitung von Schiffen entschieden. Die damit verbundene Umfahrung Afrikas verlängert die Reisezeiten um eine bis zwei Wochen.

Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft

Diese Schifffahrtsstörungen haben nach Angaben von FourKites weltweite wirtschaftliche Auswirkungen gehabt. Goldman Sachs schätzt beispielsweise, dass rund 30 Prozent des weltweiten Containerhandels betroffen waren, wobei im Dezember 2023 bereits 70 bis 80 Prozent der Schiffe umgeleitet wurden.

Als Folgen nennt FourKites steigende Frachtraten, Verzögerungen bei der Rückkehr der Schiffe nach Asien zur erneuten Beladung vor dem chinesischen Neujahrsfest und steigende Ölpreise aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich Problemen in der Energieversorgungskette. Obwohl sie nicht so extrem ausfielen wie die Probleme in der Lieferkette während der Pandemie, seien die Probleme dennoch deutlich spürbar, so die Pressemitteilung.

Auch die Versandpreise an der US-Westküste sind demnach deutlich gestiegen, was teilweise einer weiteren Krise geschuldet ist, die den Verkehr durch den Panamakanal einschränkt. Die kürzere Passage von Asien an die Westküste scheint nun kosteneffektiver für Fracht zu sein

Zusätzliche Komplikationen: Chinesisches Neujahr und der Panamakanal

Die Krise am Roten Meer trifft laut FourKites ein, während China seinen saisonalen Exportanstieg erlebt, bevor die Fabriken für die einwöchigen Feiertage des chinesischen Neujahrs am 10. Februar schließen. Mit weniger verfügbaren Schiffen wird demnach dieser Ansturm die Kapazitäten belasten. Auch die Rückführung leerer Container nach China wurde gestört.

Einzelhändler, die für Frühjahrssonderaktionen planen, versenden ihre Waren früh genug, um Verzögerungen aufgrund des chinesischen Neujahrs zu vermeiden. Wenn die Störung im Roten Meer weitere zwei bis drei Wochen anhält, wird es im April und Mai Produktknappheiten geben, außer bei den hochpreisigen Einzelhändlern, die sich Luftfracht leisten können, so die Prognose des Plattformanbieters.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Panamakanal bereits durch Beschränkungen aufgrund niedriger Wasserstände eingeschränkt ist, was zu weniger Schiffsdurchfahrten pro Tag führt. Bei Unsicherheit, was die Suez- und Panama-Kanäle angeht, könnte nach Einschätzung von FourKites mehr Fracht von Asien an die Ostküste der USA über die Westküstenhäfen und die Schiene oder den Lkw umgeleitet werden. Obwohl teurer, biete dies Zuverlässigkeit im Zeitplan, heißt es.

Was Unternehmen tun können

Während der weitere Verlauf unvorhersehbar bleibt, können mehrere Schlüsselstrategien Unternehmen helfen, ihre Lieferketten zu schützen, Verzögerungen zu reduzieren und trotz Marktunruhen besser auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

Mike DeAngelis, Head of International Solutions bei FourKites, empfiehlt einige praktische Schritte, die Versender in den kommenden Monaten unternehmen können:

  • Langfristige Verträge sorgfältig planen: Angesichts schwankender Frachtraten und unsicherer Transitzeiten sollten langfristige Versandverträge mit Vorsicht behandelt werden. Unternehmen sollten sich für Verträge entscheiden, die eine gewisse Flexibilität oder Klauseln für den Notfall bieten.
  • Kunden informieren und Erwartungen verwalten: Unternehmen sollten transparent mit ihren Kunden über mögliche Verzögerungen und Störungen kommunizieren. Das Verwalten von Erwartungen kann dazu beitragen, das Kundenvertrauen und die Kundenloyalität in schwierigen Zeiten aufrechtzuerhalten.
  • Eng mit Logistikpartnern zusammenarbeiten: Unternehmen sollten engen Kontakt zu ihren Logistikdienstleistern halten. Deren Fachwissen und Ressourcen können beim Navigieren durch diese Herausforderungen und bei der Suche nach den effizientesten Versandlösungen von unschätzbarem Wert sein.
  • Multimodale Transportoptionen erkunden: Unternehmen sollten die Kombination verschiedener Transportarten (Seefracht, Luftfracht, Schiene, Straße) erwägen, um ihre Versandrouten zu optimieren. Dieser Ansatz kann mehr Flexibilität bieten und möglicherweise die Transitzeiten reduzieren.
  • Predictive Analytics nutzen: Unternehmen sollten Tracking- und predictive Analytics-Tools implementieren, um Echtzeit-Einblicke in ihre Sendungen zu erhalten. Diese Technologie kann helfen, Verzögerungen vorherzusehen und Sendungen effizienter umzuleiten.

Während das Jahr 2024 voranschreitet, könnte die Schiffsstörung, die aufgrund der Rotmeer-Krise entstanden ist, durch andere Bedrohungen wie Arbeitsunruhen, extreme Wetterereignisse oder sich ändernde geopolitische Spannungen verschärft werden. Die Turbulenzen in der Lieferkette werden voraussichtlich anhalten und erfordern Wachsamkeit und proaktive Planung, um zusätzlichen Erschütterungen standzuhalten, so die Prognose von FourKites.