Seefracht: Michelin testet aufblasbares Segelsystem

Das aufblasbare Flügelsegel Wisamo soll ab Ende 2022 auf einem Frachtschiff zwischen Großbritannien und Spanien zum Einsatz kommen.

Die Erprobung eines Flügel-Prototyps unter realen Bedingungen soll Ende des Jahres auf dem Containerschiff MN Pélican erfolgen. (Foto: Michelin)
Die Erprobung eines Flügel-Prototyps unter realen Bedingungen soll Ende des Jahres auf dem Containerschiff MN Pélican erfolgen. (Foto: Michelin)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Anna Barbara Brüggmann)

Einen Beitrag zu einer grüneren Schifffahrt möchte Michelin eigenen Angaben zufolge mit dem Flügelsegel Wisamo (Wing Sail Mobility) leisten, das auf dem Movin’On-Summit 2021 präsentiert wurde. Laut einer Pressemitteilung vom 19. Januar wurde nun ein Partnerschaftsvertrag mit der Compagnie Maritime Nantaise unterzeichnet, um das System auf einem Handelsschiff der französischen Reederei zu testen.

Zu diesem Zweck wird ein Flügel-Prototyp mit einer Fläche von 100 Quadratmetern auf dem Containerschiff MN Pélican angebracht. Die Tests sollen unter realen Bedingungen auf einer Route zwischen Großbritannien und Spanien erfolgen. Bei einem positiven Verlauf der Segelversuche sind weitere Tests mit größeren Flügelsegeln geplant – mit dem perspektivischen Ziel, das Segelsystem schließlich für die kommerzielle Schifffahrt nutzen zu können.

Die seit 2016 von Brittany Ferries gecharterte MN Pélican verkehrt zweimal wöchentlich zwischen Poole (Großbritannien) und Bilbao (Spanien). Das RoRo-Containerschiff soll im zweiten Halbjahr 2022 mit dem Wisamo-Segelsystem ausgestattet werden.

Dekarbonisierung des Schifffahrtsverkehrs vorantreiben

Parallel dazu testet Michelin einen weiteren Prototypen mit einer Segelfläche von ebenfalls 100 Quadratmetern auf dem Segelboot des Skippers Michel Desjoyeaux. Zwischen Juni und Dezember 2021 kam das Segel bereits auf dem Neuenburgersee in der Schweiz zum Einsatz. Von Februar 2022 an soll es für das Boot von Desjoyeaux den winterlichen Segelbedingungen auf dem Golf von Biskaya, standhalten.

Michelin zufolge möchte man gemäß der All Sustainable-Unternehmensstrategie die Dekarbonisierung des Seeschifffahrtsverkehrs weiter vorantreiben. Das aufblasbare Segel entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der F&E-Abteilung von Michelin und zwei Schweizer Entwicklern.

Es lässt sich laut Aussage der Entwickler automatisch aus- und wieder einfahren und soll sich nicht nur für den Einsatz auf Handelsschiffen, wie beispielsweise RoRo-Schiffen, Massengutfrachtern, Gastankern und anderen Tankschiffen, sondern auch auf Sportbooten eignen.

Genutzt wird der Wind als Antrieb, dies soll Kraftstoffverbrauch sowie CO2-Emissionen senken. Michelin spricht von der Verbesserung der Treibstoffeffizienz eines Schiffes um bis zu 20 Prozent.

Die Installation des Flügelsegelsystems kann bereits während der Konstruktionsphase als Teil der Erstausrüstung oder auch nachträglich erfolgen. Wisamo soll sich auf allen Seerouten und auch bei Gegenwind einsetzen lassen. Mittels einziehbarem Teleskopmast ist das Passieren von Brücken sowie auch die Einfahrt in Häfen möglich.

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