Seefracht: Lidl-Reederei Tailwind zieht positive erste Bilanz

Die im Juli 2022 gegründete Reederei setzt auf im Seeverkehr zwischen Europa und China sowie Bangladesh auf Routen mit wenigen Hafenanläufen.

Die „Panda 001“ von Tailwind Shipping Lines legt im Hafen von Koper/Slowenien an. (Bild: Tailwind Shipping Lines)
Die „Panda 001“ von Tailwind Shipping Lines legt im Hafen von Koper/Slowenien an. (Bild: Tailwind Shipping Lines)
Therese Meitinger

Tailwind Shipping Lines, ein Tochterunternehmen von Lidl International, feiert seinen ersten Geburtstag. Im Juli 2022 offiziell gegründet, zieht die Reederei mit Sitz in Hamburg nun eine erste Jahresbilanz: Für Tailwind fahren aktuell acht Containerschiffe auf zwei verschiedenen Liniendiensten zwischen Asien und Europa, wie eine Pressemitteilung vom 26. Juli berichtet. Demnach beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter, darunter erfahrene Führungskräfte aus verschiedenen deutschen Schifffahrtsunternehmen in der Zentrale.

„Für uns ist der erste Geburtstag ein Anlass, dankbar zurückzuschauen auf die Anfänge. Wir danken allen, die Tailwind mit so viel Einsatz zu einem erfolgreichen Start verholfen haben“, sagt Wolf Tiedemann, Geschäftsführer der Tailwind Shipping Lines GmbH & Co. KG. „Wir blicken zugleich optimistisch in die Zukunft. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Der Lebensmitteleinzelhändler Lidl hatte Firmenangaben zufolge die Reederei vor gut einem Jahr angesichts angespannter globaler Lieferketten in der Schifffahrt gegründet. Gestartet war Tailwind im Juli 2022 mit vier Schiffen und zunächst einem Liniendienst. Die Route des „Panda Express Service“ (kurz PAX-Service) zwischen China und Europa führt demnach von Taicang über Ningbo und Shenzhen (Da Chan Bay) nach Koper, Barcelona, Rotterdam und zurück. Erstanlauf eines Tailwind-Schiffes in Taicang war laut dem Anbieter der 16. Juli 2022. Das Datum gelte seitdem als Geburtstag der Reederei, so Tailwind.

Liniendienste im Zeichen von Panda und Tiger

Im Frühjahr 2023 kam mit dem „Tiger Express Service“ (TEX-Service) zwischen Bangladesh nach Europa ein weiterer Liniendienst hinzu. Beide Dienste zeichneten sich durch hohe Zuverlässigkeit sowie schnelle Transitzeiten zwischen Asien und Europa aus, so der Anbieter.

Transportierten die Frachtschiffe der Reederei im Jahr 2022 zunächst Non-Food-Ware von Lidl, fährt Tailwind nach Unternehmensangaben inzwischen auch immer mehr Ware für Drittkunden auf seinen Routen von Asien nach Europa und zurück. „Tailwind sieht sich nicht als Konkurrenz zu den etablierten großen Linienreedereien, sondern als Ergänzung“, erläutert Geschäftsführer Wolf Tiedemann.

Dabei setzt Tailwind nach Eigenangaben auf Routen mit wenigen Hafenanläufen. Dank kleinerer Frachtschiffe mit einer Kapazität von bis zu 5.000 TEU könne das Schifffahrtsunternehmen weniger beanspruchte Häfen in der Nähe großer Handelszentren anlaufen, die kurze Abfertigungszeiten ohne Verzögerungen ermöglichen, heißt es.

Die für Tailwind tätigen Agenten sollen vor Ort dafür sorgen, dass die Anläufe in den Häfen reibungslos funktionieren. Über ein eigenes digitales Buchungssystem können dem Unternehmen zufolge Kunden alle Schritte der Verschiffung live verfolgen. Das Schifffahrtsunternehmen hat für seine Kunden eigene, im Tailwind-Look gebrandete Container bauen lassen: insgesamt mehr als 21.000 neue 20-, 40- und 45-Fuß-Stahlboxen, dazu 300 40-Fuß-Reefercontainer. Die ersten eigenen Schiffe wurden demnach ebenfalls im Tailwind-Look neu lackiert und umbenannt in „Panda 001“ und „Panda 002“.

Im April 2023 hatte die Reederei ihren neuen Hauptsitz in Hamburg eröffnet, in dem nun alle Mitarbeiter des Standorts in einem Büro im Hamburger Nikolaiviertel mit Blick auf den Hafen arbeiten können. Im Juni hatte Tailwind nach Eigenangaben den Zertifizierungsprozess nach ISO 9001:2015 nach rund drei Monaten bestanden. Damit ist das Qualitätsmanagement in allen Unternehmensbereichen nach internationalem Standard zertifiziert, von Operations über Customer Care bis Equipment Disposition.

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