Seefracht: Kühne+Nagel-Chef sieht Wiederbelebung des Marktes

(dpa-AFX) Die Frachtraten haben sich laut Konzernchef Stefan Paul in den vergangenen Wochen fast verdreifacht.

Auf dem Containermarkt trifft Knappheit auf eine punktuelle Belebung der Nachfrage. (Symbolbild: Hanohiki / AdobeStock)
Auf dem Containermarkt trifft Knappheit auf eine punktuelle Belebung der Nachfrage. (Symbolbild: Hanohiki / AdobeStock)
Therese Meitinger

Beim Logistikkonzern Kühne+Nagel stehen die Zeichen auf Aufschwung: Vor allem in der Seefracht geht es nach einem langen Abschwung wieder aufwärts, wie Konzernchef Stefan Paul am 25. Juni im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP sagte, über das die dpa berichtete. Man könne in der Seefracht von einer „eigentlichen Wiederbelebung des Marktes" sprechen, so der Firmenchef. So hätten sich die Frachtraten, also die Preise für Containertransporte, in den letzten Wochen fast verdreifacht.

Ein Grund dafür sei, dass leere Container knapp geworden seien. Dies sei eine Folge der faktischen Schließung der Suez-Route wegen der Angriffe der Huthi-Rebellen. Weil die Schiffe deswegen ums Kap fahren müssen und somit länger unterwegs sind, wurde laut Paul 15 Prozent der verfügbaren Containerschiff-Kapazität weltweit absorbiert.

Gleichzeitig hätten einige Kunden wegen der Unsicherheit begonnen, Transporte für das Weihnachtsgeschäft vorzuziehen. „Knappheit trifft also auf eine punktuelle Belebung der Nachfrage“, so der Manager.

Komplexität sprunghaft zugenommen

Oder anders ausgedrückt: Die Komplexität auf den Weltmeeren habe in den letzten Wochen „sprunghaft zugenommen“, so Paul weiter. Und von Komplexität profitiert das Unternehmen bekanntlich. Denn sie führt zu einem höheren Bedarf an Logistik-Dienstleistungen. Zuletzt hatte Kühne+Nagel während der Pandemie wegen der damals äußerst schwierigen Verhältnissen einen eigentlichen Boom erlebt.

Neben der Seefracht, die zuletzt gut ein Drittel zum Umsatzes beisteuerte, gibt es laut dem Kühne+Nagel-Chef auch in der Luftfracht einen Trend zu höheren Volumina. „Wir sprechen hier von einem hohen einstelligen Wachstum.“ Dies sei ein deutliches Anzeichen für eine Trendwende. Und auch im Landverkehr sei man aktuell „ganz leicht über dem Vorjahr“.

Keine Sorgen machen dem Firmenchef die aktuellen De-Globalisierungstendenzen:

„Ich sehe die aktuellen protektionistischen Bewegungen nicht als Booster für uns, aber als tendenziell positiv für unser Geschäft - weil unsere Kunden einen höheren Beratungsbedarf benötigen“, so Paul.

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Mit Strategieprogramm auf Kurs

Mit dem Strategieprogramm „Roadmap 2026“ sieht sich der Konzern derweil auf Kurs. Der Einstieg in neue Märkte, etwa das Halbleitersegment, sei gelungen. Fortschritte gebe es auch bei der Anpassung des Geschäftsmixes. So sei margenschwaches Geschäft – zum Beispiel der Transport von Altpapier – abgestoßen worden. Dafür sei höhermargiges KMU-Geschäft hinzugekommen.

Dies soll dazu führen, dass die Konversionsrate wieder auf 25 bis 30 Prozent steigt, nachdem sie im letzten Quartal bei 18 Prozent gelegen hatte. Laut Paul handelt es sich um ein ambitioniertes Ziel. „Aber wir halten daran fest.“

Ob die Rate, welche das Verhältnis von operativem Gewinn (Ebit) zum sogenannten Rohertrag beschreibt und für das Management eine wichtige Kenngröße ist, schon im laufenden zweiten Quartal auf über 20 Prozent steigen wird, ließ Paul offen. Nur so viel: „Was ich sagen kann: Die aktuellen Entwicklungen sind der Konversionsrate nicht abträglich.“