Seefracht: Hafen Antwerpen gibt Container digital frei

Die neue Plattform „Certified-Pick-up“ soll das bisherige System per PIN-Codes ersetzen.

Der Hafen Antwerpen setzt bei der Seefracht künftig auf digitalisierte Prozesse. (Foto: Medienbüro am Reichstag)
Der Hafen Antwerpen setzt bei der Seefracht künftig auf digitalisierte Prozesse. (Foto: Medienbüro am Reichstag)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Am 1. Januar 2021 startet im Hafen Antwerpen „Certified-Pick-up“, eine digitale Lösung zur Containerfreigabe, so eine Mitteilung vom 22. September. Der Hafenbetreiber teilt mit, dass die neue Plattform das bisherige System per PIN-Codes ersetzen soll. Sie sorge für einen sicheren, transparenten und verbesserten Freigabeprozess der ankommenden Container, die den Hafen später per Bahn, Binnenschiff, Lkw oder Seeschiff wieder verlassen.

Um einen Container an einem Terminal im Hafen abzuholen, ist derzeit ein eindeutiger PIN-Code erforderlich. Dabei ist die Zeit, die zwischen der Übermittlung des PIN-Codes an die Reederei und der Eingabe dieses Codes durch den Fahrer am Terminal liegt, nicht unerheblich. Hinzu kommt, dass der PIN-Code von verschiedenen Akteuren eingesehen wird, was das Risiko eines Missbrauchs erhöht.

Um diesen Prozess sicherer und effizienter zu gestalten, geht nach Angaben des Hafenbetriebs am 1. Januar 2021 mit „Certified-Pick-up" (CPu) ein neues Verfahren für die Freigabe von Containern in Betrieb. CPu ist eine neutrale zentrale Datenplattform, die alle am Container-Importprozess beteiligten Akteure miteinander verbindet. 

Digitaler Schlüssel

Die Plattform empfängt und verarbeitet Containerinformationen laut dem Hafenbetrieb, um einen codierten digitalen Schlüssel zu generieren, mit dem der jeweilige Transporteur den Container abholen kann. Dieser digitale Schlüssel wird demnach erst dann erstellt, wenn der letztendliche Transporteur bekannt ist. Die Zeit zwischen der Erstellung des digitalen Schlüssels und der Abholung des Containers sei daher minimal, so die Antwerpener. 

Zudem lasse sich nachvollziehen, welche Akteure an der Abholung eines Containers beteiligt waren. Dies ermöglicht dem Hafen zufolge zuständigen Behörden wie Zoll und Polizei, im Rahmen ihrer rechtlichen Befugnisse auf die in „Certified-Pick-up“ ausgetauschten und generierten Daten zuzugreifen. Langfristig soll es möglich sein, den digitalen Schlüssel vollständig zu ersetzen, zum Beispiel durch ein identitätsbasiertes Sicherheitsverfahren mit Fingerabdrücken oder Augenscans. 

CPu vereinfache die administrativen Prozesse, ermögliche den Mitarbeitern ein sichereres Arbeiten und reduziere die Umschlagszeit von Importcontainern im Hafen, ist der Hafenbetreiber überzeugt. Auch Zoll und Polizei würden effizienter und effektiver arbeiten können. Hafenschöffin Annick De Ridder ist daher überzeugt:

„Mit dieser Initiative kommen wir als Hafen unserer sozialen Verantwortung nach. Ich schätze es sehr, dass die Hafengemeinschaft zur weiteren Sicherung der Logistikkette beiträgt. Mit dem digitalen Codesystem erschweren wir der Drogenmafia den Zugang zu den Containern an den Terminals erheblich. Ich möchte allen beteiligten Partnern dafür danken, dass sie dies möglich gemacht haben.“

Die Hafenbehörde und die Hafengemeinschaft führen nach Eigenangaben einen offenen und konstruktiven Dialog mit allen beteiligten Logistikakteuren, darunter Reedereien, Schiffsagenten, Terminals, Verlader, Spediteure, Logistiker, Straßentransportunternehmen, Binnenschifffahrts- und Eisenbahnbetreiber. Gemeinsam beraten sie darüber, wie CPu weiter gestaltet und schrittweise umgesetzt werden kann. 

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