Seefracht: Fälschungen kommen oft per Container

56 Prozent des Gesamtwerts der weltweit beschlagnahmten gefälschten Waren werden laut EUIPO und OECD in Containern versandt.

Kriminelle machen sich zunutze, dass die Kontrolle von Containern aufwendig ist, so die Studie. (Foto: Kalyakan / Adobe Stock)
Kriminelle machen sich zunutze, dass die Kontrolle von Containern aufwendig ist, so die Studie. (Foto: Kalyakan / Adobe Stock)
Therese Meitinger

Eine am 22. Februar vorgestellte Studie des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert das Ausmaß, in dem der Containertransport auf dem Seeweg für den Handel von gefälschten Waren missbraucht wird. Aus der Studie geht laut einer Pressemitteilung hervor, dass der Seeweg nach wie vor ein wichtiger Kanal für den Versand gefälschter Waren ist, wobei die meisten der aus Containern beschlagnahmten gefälschten Waren aus China stammen.

Über 80 Prozent aller international gehandelten Waren werden demnach auf dem Seeweg befördert. Containerschiffe steigerten die Effizienz und senkten die Kosten des internationalen Handels, könnten aber auch für den Transport gefälschter Waren missbraucht werden, so die beiden Organisationen. Beschlagnahmungen von in Containern versandten gefälschten Waren machen der Studie zufolge zwar einen relativ geringen Anteil an der Gesamtzahl von Beschlagnahmungen aus, dafür aber 56 Prozent des Gesamtwerts der beschlagnahmten Fälschungen.

Weniger als zwei Prozent der Container werden kontrolliert

Die meisten gefälschten Waren, die in Containern über dem Seeweg transportiert werden, stammen aus China, mit einem Anteil von 79 Prozent des Gesamtwerts der weltweit beschlagnahmten Container, die gefälschte Waren enthalten. Im Jahr 2016 belief sich laut der Erhebung der globale Handel mit gefälschten Waren auf 460 Milliarden Euro, das heißt rund 3,3 Prozent des weltweiten Handels. Auf gefälschte Waren entfielen 6,8 Prozent der Wareneinfuhren in die EU aus Drittländern, was einem Wert von 121 Milliarden Euro entsprach.

Die Studie von EUIPO und OECD befasst sich mit folgenden Fragen:

  • Welche Arten gefälschter Produkte werden in Containerschiffen transportiert?
  • Wo werden diese Fälschungen hergestellt?
  • Welche sind die geografischen Zielmärkte?
  • Welche Einfuhrhäfen werden am häufigsten für Container mit gefälschten Waren genutzt?
  • Wie werden Waren in Containerschiffen transportiert, ohne dass sie abgefangen werden können?

Auf dem Seeweg werden der Studie zufolge alle Arten gefälschter Waren versandt, von hochwertigen elektronischen Geräten über Lederwaren, Bekleidung, Kosmetik, Spielzeug und Spiele bis hin zu pharmazeutischen Erzeugnissen und Geräten.

Zu den im Bericht genannten Problemen gehört, dass gefälschte Waren für Zollbeamte oberste Priorität haben müssten und letztere hierfür über Such- und Kontrolltechniken und Instrumente verfügen müssten, die sich besser für die Erkennung von Fälschungen eignen. Im Laufe der Jahre habe der internationale Handel erheblich zugenommen, so EUIPO und OECD. Ein unvermeidlicher Nebeneffekt sei die Zunahme des Handels mit gefälschten Waren gewesen.

Der Anstieg des Gesamthandelsvolumens sowie die zunehmende Kapazität der größten Schiffe stellen der Studie zufolge eine zusätzliche Belastung für den Zoll dar. Durch Röntgen- oder Gammastrahlen-Scans von Containern können demnach bestimmte Arten illegaler Sendungen wie Betäubungsmittel, Waffen oder Wildtiere wirksam entdeckt werden. Bei gefälschten Waren seien diese Scans jedoch nicht wirksam, und die einzige Möglichkeit, sie zu erkennen, seien physische Kontrollen, so der Bericht.

Weniger als zwei Prozent der Container werden nach Angaben der Organisationen physisch kontrolliert, was kriminellen Netzen erhebliche Möglichkeiten bietet, diesen kritischen Lieferkettenkanal zu missbrauchen.

 

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