SCRM: Wie sich die Flutkatastrophe in Norditalien auf Lieferketten auswirkt

Rund 500 Straßen wurden in der Region Emilia-Romagna im Zuge der Überschwemmungen zerstört – mit deutlichen Auswirkungen auf den Straßengüterverkehr.

Hochwasser kann an vielen Stellen der Lieferkette Konsequenzen haben. (Symbolbild: Rico Löb / AdobeStock)
Hochwasser kann an vielen Stellen der Lieferkette Konsequenzen haben. (Symbolbild: Rico Löb / AdobeStock)
Therese Meitinger

Die norditalienische Region Emilia-Romagna kämpft mit den Auswirkungen einer verheerenden Flutkatastrophe, die in den letzten Tagen mehrere Todesopfer forderte. In nur 36 Stunden verursachte am 16. und 17. Mai extremer Starkregen, der an manchen Stellen das Äquivalent eines halben Jahres umfasste, großflächige Überschwemmungen und Erdrutsche. Dabei wurden rund 500 Straßen zerstört. Der Plattformanbieter Project44 hat nun auf Basis eigener Daten mögliche Auswirkungen auf die internationalen Lieferketten untersucht und berichtete darüber in einer Pressemitteilung vom 22. Mai.

Die Überschwemmungen wirken sich demnach direkt auf die „Truckload on-time performance“ aus, eine Metrik, die den Prozentsatz von Wagenladungen angibt, die ihr Ziel zum ursprünglich geplanten Zustellzeitpunkt erreichen. Die Daten von Project44 weisen für die Region einen 30-prozentigen Rückgang der „on time performance“ zwischen dem 16. und 17. Mai aus. Angesichts des Ausmaßes des Schadens an der Infrastruktur sei es unsicher, ob der Wert auf ein Normalmaß zurückkehren könne, was die Situation weiter verkompliziere.

Gefahrenzulagen für Lkw-Fahrer

Der Bericht sieht darüber hinaus mögliche Auswirkungen für internationale Lieferketten, die unterschiedliche Branchen betreffen könnten. So ist die Region für Feinkost, Luxusmode und die Fertigung von Autoteilen bekannt. Die Flutkatastrophe könnte sich sowohl auf die Produktion als auch den Transport dieser Güter auswirken. Für italienische Produkte könnten sich Engpässe ergeben, so die Analyse. Ähnliches gilt für Rohmaterialen aus der Region.

Auch kostenseitig könnten sich die Überschwemmungen an verschiedenen Stellen der Lieferkette auswirken: Dies betrifft etwa Gefahrenzulagen für Lkw-Fahrer, die in der Flutregion eingesetzt werden. Auch die Notwendigkeit, alternative Zulieferer zu finden, kann höhere Kosten nach sich ziehen – ebenso wie die Beschleunigung von Transportprozessen. Dies alles dürfte sich letztendlich in den Endverbraucherpreisen niederschlagen.

Nach der Auflösung von Verzögerungen könnte es zu einer Häufung von Ladungen kommen, die zugleich auf den internationalen Markt gelangen. Daraus können sich weitere operative Verzögerungen ergeben – vor allem bei Abfertigung in den Häfen und im Straßengüterverkehr.