SCRM-Umfrage: Integriertes Risikomanagement ist selten

Laut der Logistik-Umfrage des BME und der Hochschule Fulda unterstreicht die Coronakrise die Notwendigkeit, Gefahren für Lieferketten frühzeitig zu erkennen.

Ändert sich im Zuge der Coronapandemie auch das Verhältnis von Unternehmen zum Risikomanagement? (Foto: Gajus / AdobeStock)
Ändert sich im Zuge der Coronapandemie auch das Verhältnis von Unternehmen zum Risikomanagement? (Foto: Gajus / AdobeStock)
Therese Meitinger

Das lückenlose Managen von Risiken entlang der gesamten Lieferkette ist bisher nur in wenigen Unternehmen fest verankert. Häufig gibt es dort keine eigene Organisationseinheit für „Supply Chain Risk Management“ (SCRM). Mit Risiken beschäftigt man sich eher nebenbei – oder anscheinend gar nicht. Zu diesen Ergebnissen gelangt die gemeinsame Online-Erhebung des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und der Hochschule Fulda, die am 9. November vorgestellt wurde. Angesprochen wurden nach BME-Angaben 214 Supply Chain Manager und Führungskräfte aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Die Fragestellung lautete demnach, welchen Stellenwert das SCRM in den Unternehmen des deutschsprachigen Raumes hat und welche Stärken, aber auch Schwächen bei dessen Implementierung sichtbar werden.

Aus aktuellem Anlass enthielt die Online-Erhebung den Autoren zufolge auch zwei Fragen zur gegenwärtigen Corona-Krise.

„Die Antworten haben uns schon etwas überrascht. So berücksichtigen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen das Ausbrechen einer Pandemie bisher nicht als Risikofaktor“, sagte Carsten Knauer, BME-Leiter Sektion Logistik/SCM, Referent Fachgruppen, bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse vor Journalisten in Eschborn.

Pandemien als unterschätztes Risiko

Das sei überraschend, zumal die Corona-Krise nicht als sogenannter schwarzer Schwan – also ein höchst unwahrscheinliches Ereignis – bezeichnet werden könne. Gleichzeitig hat in der Umfrage nur gut ein Viertel der befragten Unternehmen eine Pandemie als Risiko für das eigene Geschäft berücksichtigt. Ebenfalls nur ein geringer Teil von ihnen entwickelte den Autoren zufolge bisher Maßnahmenpläne zur Absicherung der eigenen Supply Chains. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es laut der Erhebung durchaus Firmen gibt, deren „Radar“ zur Krisenabwehr bereits sehr gut funktioniert.

„Die existenzielle Bedeutung des SCRM für die erfolgreiche Krisenbewältigung wird noch nicht von allen Firmen gleichermaßen erkannt. Sie sehen in Supply Chain Risk Management häufig nur eine Unterfunktion etablierter Bereiche wie Logistik, Einkauf oder Beschaffung“, unterstrich Carsten Knauer.

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lieferketten der von uns befragten Unternehmen sind zwar überschaubar. Trotzdem dürfte die Corona-Krise zu einem Überdenken des eigenen SCRM führen“, betonte Michael Huth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, an der Hochschule Fulda und neben Carsten Knauer (BME) einer der Autoren der Umfrage. So werde vielen Unternehmen klar, dass die Transparenz in ihren Supply Chains zu gering ist. Die fehlende Vorbereitung auf eine Pandemie und ihre Auswirkungen auf die eigenen Geschäftsabläufe könne aber dazu führen, dass die Bedeutung des SCRM weiter steigt.

Die BME-Logistikumfrage „Digitalisierung in Supply Chains“ wurde im Zeitraum 19. Mai bis 30. Juni 2020 durchgeführt. Die meisten Teilnehmer kamen aus den Bereichen Maschinenbau, Pharma- und Chemie sowie aus der Lager- und Transportbranche.

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