SCRM-Studie: Konzerne setzen auf Lagerhaltung für stabile Lieferketten

70 Prozent der befragten Großunternehmen in einer Studie von IFS haben zudem ihr Lieferantenportfolio diversifiziert.  

Unternehmen nehmen zunehmend zusätzliche Kosten für eine ausgeprägtere Lagerhaltung in Kauf. (Symbolbild: Kadmy / Fotolia)
Unternehmen nehmen zunehmend zusätzliche Kosten für eine ausgeprägtere Lagerhaltung in Kauf. (Symbolbild: Kadmy / Fotolia)
Therese Meitinger

Angesichts der Störungen in ihrer Lieferkette setzen 66 Prozent der großen Unternehmen weltweit auf größere Lagerbestände als vor der Pandemie, wobei fast jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) „deutlich mehr“ Lagerbestände hält. Das ist ein Ergebnis einer neuen, vom IT-Anbieter IFS in Auftrag gegebenen Studie, die am 10. November veröffentlicht wurde. Laut einer Pressemitteilung wurden dafür mehr als 1.450 Geschäftsführer in Großunternehmen in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, den USA, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt.

Die Studie wirft einen kritischen Blick auf den Einfluss der Lieferkettenstörung auf Unternehmen. So geben sieben von zehn Teilnehmern an, dass sie die Zahl ihrer Rohstoff-, Material- und Vorprodukt-Zulieferer als Reaktion auf die jüngsten Probleme in der Lieferkette erhöht haben. Die Rohstoffe, Komponenten und Endprodukte, die sie von ihren Zulieferern beziehen, werden dadurch wahrscheinlich teurer, vor allem angesichts der zunehmenden Inflation. Dementsprechend haben 53 Prozent der Unternehmen in Erwägung gezogen, den Anteil der von ihnen selbst hergestellten Komponenten zu erhöhen. Diese und ähnliche Maßnahmen, die große Unternehmen jetzt zur Risikominderung ergreifen, führen jedoch zu zusätzlichen Kosten, mehr Komplexität und weniger Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Hinzukomme, dass die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft für viele Unternehmen weltweit zu einem Muss werde, was den Druck in diesem Bereich noch erhöhe, so die Studienautoren.

Deutsche Unternehmen erwarten anhaltende Störungen

89 Prozent der deutschen Studienteilnehmer nehmen eine Beeinflussung ihrer Betriebsprozesse durch Probleme und Störung in der Lieferkette und Fachkräftemangel wahr. 20 Prozent nehmen diese Beeinflussung sogar als sehr signifikant wahr und nur elf Prozent stellen der Studie zufolge keine Einwirkung fest. Hier geben 28 Prozent der Befragten den Mangel an Rohstoffen und Bauteilen als schwerwiegendstes Problem an, sieben Prozent haben damit zu kämpfen ihre Geschäftstätigkeit an den sich schnell wandelnden Markt anzupassen, 15 Prozent beklagen Qualifikationsdefizite. Erhöhte regulatorische Belastungen wie den Brexit gaben 14 Prozent der deutschen Befragten an.

18 Prozent der Deutschen erwarten, dass die aktuellen Unterbrechungen der Geschäftstätigkeiten bis Mitte 2022 anhalten, 40 Prozent prognostizieren Besserung bis Ende 2022, 21 Prozent schätzen die Unregelmäßigkeiten werden bis Mitte 2023 andauern und zwölf Prozent gehen sogar davon aus, dass ein reibungsloser Betrieb erst wieder Ende 2023 einsetzen wird. Ein kleiner Prozentsatz von vier Prozent vermutet, dass die Störungen sich bis 2024 hinziehen. Fast drei Viertel (72 Prozent) orientieren sich in dieser Hinsicht verstärkt in Richtung einheimischer Zulieferer.

Als größte Priorität, die es durch Investitionen in Technologie in 2022 zu lösen gilt, sehen die befragten Unternehmen in Deutschland das Supply Chain Management an erster Stelle (46 Prozent). Als zweitgrößte Herausforderung wird die Kundenbetreuung angeführt (34 Prozent) sowie das Nachhaltigkeitsmanagement (29 Prozent). 33 Prozent sehen den Fokus auf der Verwaltung von Dienstleistungen, 29 Prozent auf Vertriebs- und Geschäftsentwicklung, 27 Prozent auf finanziellen Prognosen. 33 Prozent vermuten das Talent Management als einen der relevantesten Punkte und 23 Prozent geben den Investitionen in die Technik im Back Office höchste Priorität.

Wie der Report deutlich macht, haben viele große Unternehmen ihre Lieferketten neu aufgesetzt und teilweise auf innovative Art neugestaltet – und damit ihr Risiko für Ausfälle gemindert. Zum Maßnahmenkatalog gehört ein gezieltes Onshoring für mehr Versorgungssicherheit, ebenso wie die Erhöhung der unmittelbar verfügbaren Lagerbestände zur Sicherstellung der Nachfragebefriedigung und nicht zuletzt die Auswahl zusätzlicher Lieferanten. So wollen sie von Beginn an vermeiden, dass sie ihre Kunden enttäuschen müssen.

Dazu Maggie Slowic, Global Industry Director for Manufacturing bei IFS:

„Große Unternehmen werden aufgrund der Maßnahmen, die sie ergreifen, um Störungen abzufedern, höhere Kosten und andere negative finanzielle Auswirkungen zu tragen haben. Die Auslagerung der Lieferkette führt häufig dazu, dass in teurere Rohstoffe oder Produktkomponenten investiert werden muss, insbesondere wenn die Inflation ansteigt, während die Vorratshaltung erhebliche Summen bindet, die ansonsten für das Unternehmen 'arbeiten' könnten.“

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