SCRM-Studie: Einkauf und SCM sind zu wenig divers

Nur 15 Prozent der in einer BME-Studie befragten Unternehmen kommen im Supply Chain Management auf über 40 Prozent Frauenanteil.

Laut einer Studie von BME und Oliver Wyman entgehen Unternehmen durch zu homogene Teams Chancen beim Risikomanagement. (Foto: Ilkecelik / Fotolia)
Laut einer Studie von BME und Oliver Wyman entgehen Unternehmen durch zu homogene Teams Chancen beim Risikomanagement. (Foto: Ilkecelik / Fotolia)
Therese Meitinger

Im Einkauf und im Lieferketten-Management vernachlässigen viele Unternehmen das Thema Diversity. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und der Strategieberatung Oliver Wyman. Doch damit verpassten die Unternehmen eine Chance auf ein besseres Risikomanagement und mehr Wertschöpfung, so die Studienautoren in einer Pressemitteilung vom 26. Januar. Befragt wurden im Oktober und November 2021 demnach 120 Führungskräfte von Unternehmen unterschiedlicher Brachen im deutschsprachigen Raum.

Angesichts wachsender Beschaffungsengpässe und Lieferkettenstörungen verschieben sich auch die Anforderungen an Einkauf und Supply Chain Management, argumentieren die Studienautoren.

„Wo lange Zeit das Kostensparen wichtigstes Ziel war, geht es nun zunehmend um Risikomanagement – und dabei auch um kreative Lösungen. Zudem wird von den Verantwortlichen ein höherer Wertschöpfungsbeitrag erwartet“, sagt BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah.

Ein zentraler Ansatzpunkt, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, sei die Vergrößerung der Vielfalt unter den Beschäftigten in Einkauf und SCM, so ein Ergebnis der Studie. Die Erhebung untersucht laut BME die persönlichen Erfahrungen sowie Maßnahmen der Unternehmen in Bezug auf Diversität – also Vielfalt mit Blick auf den kulturellen, religiösen oder ethnischen Hintergrund oder die sexuelle Identität von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In der Studie messen jedoch 42 Prozent der Befragten Diversity nur eine geringe oder vergleichswese geringe Bedeutung bei. Zudem haben lediglich 30 Prozent ihre Anstrengungen für mehr Diversity in den vergangenen drei Jahren erhöht.

Supply Chain Management bleibt Männerdomäne

Fragt man allgemein nach der Einstellung zu Diversity-Themen, zeigt sich eine breite Mehrheit positiv. So stimmen 97 Prozent der befragten Frauen und 87 Prozent der Männer der Aussage zu, dass Menschen in ihrer Organisation ganz unabhängig von ihrem kulturellen, religiösen, ethnischen oder sozialen Hintergrund grundsätzlich Wertschätzung erfahren. Im Alltag ergibt sich dem Studienangaben zufolge jedoch ein anderes Bild: Elf Prozent der Frauen verneinen die Aussage, dass Kolleginnen und Kollegen sich unabhängig von ihrem Geschlecht, sozialen Hintergrund oder ihrer Identität respektieren. Zudem berichten 37 Prozent der Frauen, dass sie bereits Belästigung oder Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt haben.

„Es offenbaren sich teils deutliche Unterschiede zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, sagt Madalina Gavrila, Leiterin der Studie von Seiten Oliver Wyman. „In vielen Unternehmen besteht erheblicher Aufklärungs- und Handlungsbedarf.“

Besonders im Supply Chain Management sind Frauen der Erhebung zufolge stark unterrepräsentiert. Nur 15 Prozent der Unternehmen kommen hier auf über 40 Prozent Frauenanteil. Das Management ist in beiden Bereichen stark männlich dominiert. Laut Studie zeichnet sich allerdings ein Umsteuern ab – hin zu stärker divers besetzten Führungsteams.

„Das sogenannte Sponsorship from the Top, also die gezielte Förderung von Diversität durch das Management, erlebt zumindest einen leicht wachsenden Zuspruch“, sagt BME-Vorstandsvorsitzende Ullah. „Dies ist ein guter Weg, um mehr Diversität zu erreichen.“

Bislang ist dieses Werkzeug laut Studie allerdings erst bei 22 Prozent der Unternehmen im Einkauf und bei 29 Prozent im Lieferkettenmanagement etabliert.

Die Befragten erwarten in den kommenden drei Jahren mehr Diversity-Initiativen für die Gebiete Firmenkultur, Rekrutierung, Karriere-Entwicklung sowie Training und Weiterbildung.

Noch dominieren den Studienautoren zufolge äußere Faktoren als Motivation, die Diversitätsthemen zu fördern. 81 Prozent der befragten Manager geben an, dass rechtliche Vorgaben ihre Diversity-Strategie antreiben. Nur 65 Prozent sehen die Vielfalt im Unternehmen durch die Aussicht auf eine höhere wirtschaftliche Leistung beflügelt.