SCRM: Die größten Supply-Chain-Risiken und worauf Unternehmen jetzt achten sollten

Timo Alstadt, Senior Director bei der Visibility-Plattform Project44, gibt im Folgenden seine Einschätzung zu aktuellen Risiken entlang der Lieferkette und gibt Tipps, wie Unternehmen diese im Griff behalten können.

Wie lassen sich Lieferkettenrisiken monitoren und mitigieren? (Symbolbild: Ilkercelik / Fotolia)
Wie lassen sich Lieferkettenrisiken monitoren und mitigieren? (Symbolbild: Ilkercelik / Fotolia)
Therese Meitinger

„Die Überwachung der Lieferkette eines Unternehmens kann eine entmutigende Aufgabe sein. Zwar beinhalten moderne mehrstufige Logistiknetze Hunderte von Lieferanten auf mehreren Kontinenten und sorgen für maximale Vertriebseffizienz, wenn alles reibungslos läuft. Allerdings laufen Lieferketten selten normal – und genau daher kann das globalisierte Modell die Aufrechterhaltung von Transparenz, Resilienz und Reputation extrem verkomplizieren, wenn es unweigerlich zu Unterbrechungen kommt.“

„Ein Blick in die Schlagzeilen genügt, um zu sehen, dass teils spektakuläre Unterbrechungen der Lieferketten zunehmen – von der Havarie des Containerschiffs Ever Given im Suezkanal bis hin zu Angriffen auf Handelsschiffe durch Huthi-Rebellen im Jemen. Das zeigt deutlich, dass die Logistiksysteme von Unternehmen mehr Unterstützung brauchen als je zuvor. Die Lösung liegt in intelligenter Lieferkettentechnologie, denn sie bietet die ansonsten nicht mögliche Übersicht, um die Auswirkungen solcher Störungen abzumildern.“

Navigieren durch extreme Wetterereignisse

„Wettervorhersagen helfen nicht nur zu entscheiden, ob es notwendig ist, einen Regenschirm mitzunehmen – sie spielen auch eine wichtige Rolle im weltweiten Handel. Und da der Klimawandel immer mehr extreme Wetterereignisse auslöst, sind Unternehmen heute auf Daten über Wetterbedingungen angewiesen, um sicherzustellen, dass ihre Lieferketten weiterhin reibungslos funktionieren. Doch der Zugang zu solchen Informationen ist nur ein erster Schritt. Ereignisse wie zum Beispiel Verzögerungen auf wichtigen Handelsrouten sind nur dann abzuwenden, wenn sich Schiffe schnell umplanen lassen.“

„Beispiel Panamakanal: Die wichtige Seehandelsroute, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, ist entscheidend für 40 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs. Allerdings hat der Kanal mit anhaltenden Dürreperioden zu kämpfen, die seine Kapazität um bis zu 30 Prozent verringert haben. Das Ergebnis sind langwierige Handelsunterbrechungen und -einschränkungen. Als unmittelbare Ursache lässt sich zwar das natürlich auftretende Warmwetterphänomen El Niño ausmachen. Wissenschaftler gehen jedoch inzwischen davon aus, dass der globale Klimawandel für die anhaltende Trockenheit und die noch höheren Temperaturen in der Region Panama verantwortlich ist.“

„Ähnlich störende Wetterereignisse finden überall auf der Welt statt. Unternehmen benötigen daher intelligente, schnelle Lieferkettenplattformen, die ihnen helfen, ihre Routen entsprechend anzupassen und sicherzustellen, dass der Handel so nahtlos wie möglich verläuft. Wenn beispielsweise eine Stadt zu einer Peak-Time wie dem Weihnachtsgeschäft von schweren Unwettern heimgesucht wird, sind Unternehmen dank der Transparenz von intelligenten Lösungen in der Lage, schneller Entscheidungen über die Umleitung zu treffen, wenn sie über vorhergesagte Ankunftszeiten in Echtzeit verfügen. In diesem Fall können sie ihre Kunden so schnell wie möglich benachrichtigen – ein entscheidender Beitrag, um Supportanfragen zu reduzieren und die Kundenzufriedenheit insgesamt zu erhöhen.“

Unverzügliche Reaktion auf unvorhergesehene Herausforderungen

„Leider gibt es auch Fälle, in denen Unterbrechungen der Lieferkette partout nicht vorhersehbar sind. Ein anschauliches Beispiel dafür sind die jüngsten Schlagzeilen über die Angriffe der Huthi-Rebellen im Jemen auf Containerschiffe an der Meerenge, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Die Cyberangriffe auf australische Hochseehäfen im November 2023 sind ein weiteres Beispiel für unvorhersehbare Ereignisse, denen Organisationen ausgesetzt sind.“

„Krisen wie diese unterstreichen die Bedeutung von Transparenz, Agilität, Flexibilität und Resilienz, die alle durch fortschrittliche Lieferkettentechnologie unterstützt werden. Eine einfache Standortverfolgung von Schiffen reicht nicht mehr aus. Heute müssen Akteure entlang der Supply Chain in der Lage sein, sich ein Bild davon zu machen, welche Sendungen und Aufträge auf welchen Schiffen von Störungen betroffen sind. Das bildet die Basis, um eine sichere Alternativroute zu planen, eine aktualisierte voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) zu ermitteln und an Kunden zu übermitteln.“

„Der Konflikt im Roten Meer liefert ein Beispiel für die Transparenz und Agilität, von der Anwender smarter Supply-Chain-Technologien profitieren: Unternehmen, die eine Hochgeschwindigkeitsplattform nutzen, erhalten nicht nur Echtzeiteinblicke in die betroffenen Schiffe. Sie können auch ihr Bestandsmanagement und ihre nachgelagerte Planung anpassen, um Fehlbestände zu vermeiden. Indem sie die Sendungen so umleiten, dass die Schiffe nicht in Gefahr geraten, setzen sie eine selbstentwickelte Strategie für die effektivsten neuen Schifffahrtslinien um und verbessern dadurch die betriebliche Effizienz. Ein weiterer Effekt sind Kostenminimierung durch die Vermeidung von Strafen und Gebühren, die aufgrund von Störungen anfallen. Vielleicht am wichtigsten: Anwender steigern die Kundenzufriedenheit durch transparente, proaktive Kommunikation über Verzögerungen und die erforderliche Anpassung

Schneller Entscheidungen treffen

„Auch wenn die Medien viel über Störungen der Lieferkette berichten, ist das keine Garantie dafür, dass die Kunden Verständnis für verspätete Lieferungen aufbringen. Vielmehr können regelmäßige Lieferverzögerungen dem Ruf einer Marke schaden. Intelligente Software für die Lieferkette bietet einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, die sich von der Konkurrenz abheben wollen und dafür auch bei Störungen ein außergewöhnliches Kundenerlebnis bieten. Dabei geht es nicht nur um pünktliche Lieferungen, sondern auch um die Vermeidung zusätzlicher Kosten, die in der Regel an die Kunden weitergegeben werden – ein bedeutender Faktor im derzeitigen Wirtschaftsklima.“

„Extreme Klimaereignisse, unerwartete geopolitische Entwicklungen und schnelle technologische Veränderungen stellen Unternehmen vor die Tatsache, dass sie möglicherweise niemals reibungslos funktionierende logistische Abläufe erreichen werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz ebnet ihnen jedoch der Einsatz moderner, intelligenter Tools den Weg hin zu einer reibungslosen, unkomplizierten Lieferkette – und zu durchweg zufriedenen Kunden.“