SCRM: Den Risikofaktor Coronavirus beherrschen

Ein Drei-Stufen-Modell soll helfen, von der Corona-Krise betroffene Lieferketten zu stabilisieren.

Das Ausmaß der durch das Coronavirus ausgelösten Krise ist nicht absehbr. (Foto: Ilkercelik, Fotolia)
Das Ausmaß der durch das Coronavirus ausgelösten Krise ist nicht absehbr. (Foto: Ilkercelik, Fotolia)
Therese Meitinger

Das Coronavirus zieht immer weitere Kreise. Neben der stetig steigenden Zahl an Infektionen zeigen sich zunehmend auch Auswirkungen auf die Geschäftsfelder Logistik und Supply Chain Management. So wurde etwa am 17. Februar bekannt, dass die Intermodal Asia 2020 – eine in Shanghai angesiedelte Fachmesse der Transport- und Containerindustrie – aus Sicherheitsgründen verschoben wurde. Statt im März findet sie nun im Juli statt.

Bereits in der vorigen Woche hatte die Deutsche Post den Paketverkehr nach China, Hongkong und Macao eingestellt. Als Grund nannte sie durch das Coronavirus ausgelöste Beeinträchtigungen beim Transport, der Verzollung und der Zustellung. In der besonders betroffenen Provinz Hubei ist nach Angaben von DHL der Abhol-, Zustell- und Lagerverwaltungsbetrieb des Unternehmens ausgesetzt, da kommerzielle Flüge nach Wuhan nicht mehr erlaubt und die Ausfallstraßen aus der Stadt abgeriegelt seien.

Wie sich das Virus langfristig auf zunehmend verzweigte internationale Lieferketten auswirken wird, ist schwer abzusehen. Es könnte Monate dauern, bis logistische Knotenpunkte und Versorgungswege wieder voll zur Verfügung stehen.

„Logistik- und Einkaufsverantwortliche sollten deshalb nicht abwarten, sondern proaktiv auf die Krise reagieren, um jetzt die Auswirkungen auf ihre Lieferkette identifizieren und abschwächen zu können“, sagt Heiko Schwarz, Mitgründer des Münchner IT-Unternehmens Riskmethods. Der auf SCRM spezialisierte Softwareanbieter empfiehlt ein dreistufiges Vorgehen.

Lieferketten in drei Stufen absichern

Kurzfristige Maßnahmen: Unternehmen sollten sich laut Riskmethods schnell Transparenz auf allen Ebenen der Lieferkette bis zu den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen verschaffen: Welche Lieferanten sind betroffen? Welche Materialien oder Teile? Welche Produkte benötigen diese Teile? Welche Kunden sind betroffen? „Dank künstlicher Intelligenz muss das nicht Wochen dauern“, sagt Schwarz. Die Plug-and-Play-Technologie von Riskmethods ermögliche etwa, das Liefernetzwerk schon in 24 Stunden zu überprüfen, Störungen rund um die Uhr zu melden und ihre Auswirkungen zu bewerten.

Mittelfristige Maßnahmen. Um den Geschäftsbetrieb zu sichern, sollten Riskmethods zufolge kritische Bezugsquellen und Versorgungswege nach Möglichkeit so diversifiziert werden, dass zwischen verschiedenen Handlungsoptionen gewählt werden kann, um Lieferengpässe zu vermeiden. Wo das aufgrund von ökonomischem Druck nicht möglich sei, gäbe es eine Vielzahl von alternativen Risikomanagement-Strategien bis hin zur Absicherung des Finanzrisikos durch eine Spezialversicherung, so das Unternehmen. Auch hier könne Technologie helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung zu koordinieren.

Langfristige Maßnahmen. Unternehmen sollten Risikolagen wie die aktuelle zum Anlass nehmen, um über ein verbessertes Risikomanagement nachzudenken, das präventive Szenario- und Maßnahmenplanung mit Fokus auf strategisch konzentrierte Lieferanten einschließt. Heiko Schwarz: „Risiken wird es immer geben, seien sie durch Pandemien, Naturkatastrophen oder wirtschaftliche Krisen verursacht. Wichtig ist, vorbereitet zu sein, wenn der Krisenfall eintritt. Je mehr Automation, desto mehr Zeit zum proaktiven Handeln.“         

Printer Friendly, PDF & Email