SCM: Wie B2B-Unternehmen Lieferkettenproblemen begegnen

Nahezu jedes der befragten Großhandels- und Herstellerunternehmen hatte zuletzt mit Beeinträchtigungen entlang der Lieferketten zu kämpfen: Das neue „B2BEST Barometer“ von ECC Köln und Creditreform zeigt, auf welche Maßnahmen die Firmen setzen, um gegenzusteuern.

Im Rahmen des „B2BEST Barometers“ beleuchten das ECC KÖLN und Creditreform quartalsweise die Stimmung im Großhandel und B2B-Vertrieb sowie Trendthemen der Branche. Hierfür wurden im ersten Quartal 2022 insgesamt 126 Großhändler und Hersteller aus Deutschland online befragt. In der vorliegenden Befragung wurde auch das Thema „Lieferketten im B2B“ fokussiert. (Foto: Production Perig/AdobeStock)
Im Rahmen des „B2BEST Barometers“ beleuchten das ECC KÖLN und Creditreform quartalsweise die Stimmung im Großhandel und B2B-Vertrieb sowie Trendthemen der Branche. Hierfür wurden im ersten Quartal 2022 insgesamt 126 Großhändler und Hersteller aus Deutschland online befragt. In der vorliegenden Befragung wurde auch das Thema „Lieferketten im B2B“ fokussiert. (Foto: Production Perig/AdobeStock)
Matthias Pieringer

Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten von Beeinträchtigungen in ihren Lieferketten betroffen und jedes zweite Unternehmen ist es im März 2022 noch immer. Diese Zahlen hat das ECC Köln in Zusammenarbeit mit Creditreform für das neue „B2BEST Barometer“ ermittelt. Hierfür wurden im ersten Quartal 2022 insgesamt 126 Großhändler und Hersteller aus Deutschland online befragt.

Fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) und 66 Prozent der Kunden waren und sind der Studie zufolge von Lieferverzögerungen betroffen. Höhere Frachtkosten (für 38 Prozent der Unternehmen) und steigende Einkaufspreise (für 33 Prozent der Unternehmen) machen sich zudem in Preiserhöhungen im Verkauf für B2B-Kunden bemerkbar (47 Prozent)

„Die vergangenen Monate der Pandemie als auch die aktuellen geopolitischen Spannungen haben gezeigt, dass preisoptimierte Beschaffungswege in Krisenzeiten anfälliger für Störungen sind, da sich Zulieferer oftmals außerhalb der EU befinden“, ordnet Christian Kramer, Branchenmanager Groß- und Außenhandel bei Creditreform, die Ergebnisse des B2BEST Barometers ein. „In Zukunft wird die Relevanz nach einer widerstandsfähigen und nachhaltig ausgerichteten Beschaffungspolitik immer größer und zahlt damit auf eine transparentere Lieferkette ein.“

Kleinere Firmen weniger aktiv

80 Prozent der befragten Unternehmen planen der Studie zufolge Maßnahmen gegen Beeinträchtigungen in ihren Lieferketten oder haben diese bereits getroffen, wobei kleinere Unternehmen weniger aktiv gegen die Probleme vorgehen. Insbesondere das Thema Diversifizierung spielt für 78 Prozent der befragten Großhändler und Hersteller eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine resiliente Lieferkette aufzubauen.

Für das Supply Chain Management heißt das zum Beispiel: Auf neue oder zusätzliche Lieferanten setzen (41 Prozent bereits ergriffen/38 Prozent konkret geplant) sowie die Lieferanten in mehrere Länder verteilen (38 Prozent bereits ergriffen/48 Prozent konkret geplant). Aber auch die Erhöhung der Lagerhaltung sowie größere Bestellmengen sind Maßnahmen, die für Krisenzeiten vorsorgen sollen.

Mehrheit rechnet mit Verbesserung der Lage

Die große Mehrheit der Großhändler und Hersteller (80 Prozent) ist laut der Studie dadurch aktuell positiv gestimmt, dass sich die Lieferkettenproblematik für das eigene Unternehmen innerhalb des nächsten Jahres verbessern wird. Gleichzeitig finden jedoch drei Viertel der Befragten, dass ihr Unternehmen (mehr) Maßnahmen ergreifen muss, um künftige Lieferunterbrechungen zu vermeiden.

„Der positive Blick der Großhandelsunternehmen wird durch den Krieg in der Ukraine getrübt“, so Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln (das ECC Köln ist eine Tochtermarke des IFH Köln). Hudetz: „Erneut wird die gesamte Handelsbranche vor eine enorme Herausforderung gestellt, denn Lieferverzögerungen und Preiserhöhungen sind schon jetzt deutlich spürbar. Wir müssen uns jetzt fragen, wie man diesen Problemen entgegentreten kann. In unseren Augen sind größtmögliche Transparenz hin zur Kundschaft und kundenorientierte Lösungen die Gebote der Stunde, um möglichen Unzufriedenheiten frühzeitig zu begegnen.“

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