SCM: Welche digitalen Lösungen pushen die Lieferkette?

Die KLU hat in einer Studie analysiert, nach welchen Kriterien Unternehmen Technologien aussuchen und wie diese am besten in die Supply Chain implementiert werden können.

Welche Technologien zahlen positiv auf die Supply Chain ein? Das hat die KLU gemeinsam mit SAP in einer Studie abgefragt. (Gorodenkoff/stock.adobe.com)
Welche Technologien zahlen positiv auf die Supply Chain ein? Das hat die KLU gemeinsam mit SAP in einer Studie abgefragt. (Gorodenkoff/stock.adobe.com)
Sandra Lehmann

Welche digitalen Lösungen funktionieren wirklich im Supply Chain Management? Nach welchen Kriterien entscheiden sich führende Unternehmen aus der Automobil-, Maschinenbau-, Hightech- oder Konsumgüterindustrie für oder gegen digitale Technologien wie KI oder Blockchain? Die gemeinsame Studie „What Really Works in Digital Supply Chain? A joint research report by SAP and Kühne Logistics University on companies’ practical experience of implementing digital supply chain solutions between 2014 and 2023.” von KLU und SAP hat genau diese Fragen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Unternehmen gehen das Thema heute deutlich pragmatischer an als noch vor zehn Jahren. Nur Technologien, die relativ einfach zu implementieren sind und schnell einen effektiven Nutzen bringen, haben eine Chance. Die größten Probleme: unausgereifte Technologien, erhöhte Komplexität und Fachkräftemangel.

„Vergleicht man den aktuellen Stand mit den Prognosen aus dem Jahr 2014 zeigen unsere Ergebnisse, dass die Einführung digitaler Technologien im Supply Chain Management bei weitem nicht so schnell erfolgt wie ursprünglich von vielen Experten erwartet“, sagt Kai Hoberg, Professor für Supply Chain und Operations Strategy an der KLU.

Unausgereifte Technologien und ein Mangel an Fachkräften bremsten die Begeisterung, manche Unternehmen unterschätzten auch die Komplexität der Anwendungen. Hinzu komme häufig eine schlechte Datenqualität als Ausgangsbasis, von vornherein instabile IT-Systeme und fehlendes Change Management bei der Einführung.

„Es war sehr interessant, die Ergebnisse der Studien von 2014 und 2023 zu vergleichen", sagt Dr. Jörg Wilke, Leiter des SCM Business Consulting bei SAP. „Unsere Befragten erwarten, dass digitale Technologien wie KI, IoT, digitaler Zwilling und andere einen großen Einfluss auf das zukünftige Supply Chain Management haben werden. Aber der Weg zum Erfolg in Bezug auf den Technologiefokus und den Managementansatz hat sich angesichts der Erfahrungen, die Unternehmen während der ersten Welle von Implementierungsprojekten gemacht haben, stark verändert - weniger Hype, mehr Pragmatismus und ein klarer Business Case sind Schlüsselfaktoren.“

„Es ist interessant, die Ergebnisse unserer Studie mit dem aktuellen Hype um die generative KI und ihre wahrgenommenen Auswirkungen auf die Industrie zu vergleichen“, sagt Co-Autor Rod Franklin, Professor für Logistik an der KLU. „Ich denke, wir können davon ausgehen, dass der Wirbel um die generative KI abnehmen wird und sich die Unternehmen wieder darauf konzentrieren werden, die Technologie pragmatisch dort einzusetzen, wo sie wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen der KLU zufolge, dass neue Technologien sich schnell positiv bemerkbar machen müssen, und passgenau ein betriebliches Problem lösen sollten. „Technologien rein als Top-down-Initiative einzuführen hat dagegen kaum Aussicht auf Erfolg“, sagt Hoberg. Am häufigsten erfolgreich eingesetzt wurden Anwendungen unter Nutzung Künstlicher Intelligenz, robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) und Lösungen rund um das Internet of Things.

Probleme klar umreißen

Wie lassen sich neue digitale Tools erfolgreich implementieren? Im Idealfall stehe am Anfang ein klar definiertes Problem, das von der Basis entdeckt wird. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei eindeutig, und das Unternehmen verfüge über eine stabile IT-Infrastruktur.

„Wenn sich dann Management und Partner klar zur neuen Technologie bekennen und ein gutes Change Management die Einführung begleitet, sind die Erfolgsaussichten am besten“, sagt Hoberg.

Das größte Potenzial sehen die Studienteilnehmer dabei in folgenden Bereichen: Analysen für Planung und Betrieb, integrierte Planung mit digitalen Plattformen, Technologien, die das Kundenerlebnis verbessern und die Automatisierung digitaler Prozesse.

„Hier können digitale Werkzeuge schon heute ihr volles Potential entfalten und Unternehmen zum Beispiel agiler oder attraktiver für Kundinnen und Kunden machen“, erklärt Hoberg.

Bereits 2014 befragte SAP Supply Chain Manager zu ihren Erfahrungen und Erwartungen mit digitalen Technologien im Lieferkettenmanagement. Zehn Jahre später wurden, soweit möglich, dieselben oder Personen in ähnlichen Positionen erneut befragt.