SCM und Logistik: Welche Kompetenzen Führungskräfte jetzt benötigen

Vor dem Hintergrund regelmäßig auftretender Lieferkettenstörungen und der Digitalisierung gibt es einen Paradigmenwechsel beim Führungsverständnis: Manager in der Logistik müssen schneller Entscheidungen treffen und zu Entwicklungspartnern ihrer Mitarbeiter werden, zeigt die Titelgeschichte in LOGISTIK HEUTE 3/2024.

Wie sich das Führungsverständnis vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen ändern muss, verdeutlicht die Titelgeschichte in Ausgabe 3/2024 von LOGISTIK HEUTE. (Bild: Halfpoint/stock.adobe.com)
Wie sich das Führungsverständnis vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen ändern muss, verdeutlicht die Titelgeschichte in Ausgabe 3/2024 von LOGISTIK HEUTE. (Bild: Halfpoint/stock.adobe.com)
Gunnar Knüpffer

Wie sich das Führungsverständnis in der Logistik vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen verändern muss, zeigt die Titelgeschichte in der Ausgabe 3/2024 von LOGISTIK HEUTE. „Führungskräfte in der Logistik müssen nun lernen, in höherer Frequenz und schneller Entscheidungen zu treffen bei größerer Unsicherheit“, sagt Stephan Meyer, geschäftsführender Gesellschafter des Logivisor Institute. Da die Störungen in den internationalen Lieferketten andauerten, würden pyramidale Organisationsformen, bei denen der Höherstehende sagt, was der ihm Untergebene tun muss, nicht mehr funktionieren.

„Dies führt nur dazu, dass die Logistikmanager viel zu langsam Entscheidungen treffen“, sagt Meyer.

Sie müssten einfach mehr Entscheidungsraum erlangen, um künftig schneller entscheiden zu können.

Durch die digitale Transformation ist es möglich, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben verstärkt eigenverantwortlich organisieren. Daraus resultiert laut Professor Dr. Werner Sauter von der Swiss Connect Academy Deutschland, dass eine andere Form der Führung benötigt wird: kein direktiver Führungsstil mehr, wie es ihn früher in vielen Unternehmen gab, sondern die Führungskraft vereinbart mit den Mitarbeitern Ziele und diese agieren dann innerhalb dieser Zielvereinbarungen weitestgehend selbstorganisiert. Die Aufgabe des Managers besteht laut Professor Sauter nun darin, dieses selbstorganisierte Arbeiten und Lernen möglich zu machen, die Rahmenbedingungen zu sichern, vielleicht auch Ratschläge zu geben, diese Prozesse beratend zu begleiten und Türen zu öffnen. Dies sei ein Paradigmenwechsel für die Rolle der Führungskräfte.

Dabei sollten die Führungskräfte nach Ansicht von Fachleuten auf die individuellen Anforderungen ihrer Mitarbeiter eingehen, die sich je nach Lebensphase unterscheiden.

Dass es einen Trend zur Gleichverteilung der Elternzeit zwischen Mann und Frau gibt, hat Lothar Grimm, Head of Logistic Center bei Weidmüller am Standort Detmold festgestellt: „Ich hatte im vergangenen Jahr in meinem Bereich Lastkraftwagenfahrer, die auch Elternzeit genommen haben.“

Bei den Arbeitszeitmodellen müsse es nun ein Umdenken geben, fordert Meyer. Dieses werde jedoch nur durch praktische Erfahrung und ein Vorleben in verschiedenen Betrieben möglich werden.

Vor dem Hintergrund zunehmender Cyber-Attacken auf Unternehmen ist es laut Michael Brandl, Executive Vice President EMEA Software im Geschäftsfeld Supply Chain, zudem wichtig, dass Führungskräfte sich mit dem Thema IT-Security beschäftigen und in diesem Bereich Kompetenz aufbauen. Denn gibt es Lücken im IT-System, können Kriminelle das Unternehmen attackieren und bei einem erfolgreichen Angriff über einen längeren Zeitraum den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen. In diesem Bereich sollten sich die Manager laut Brandl fragen, ob sie die IT selbst betreiben wollen oder sie diese über die Cloud an einen kompetenten Dienstleister auslagern sollten.

Die vollständige Titelgeschichte mit der Headline „Was Führungskräfte jetzt können müssen“ ist in der Ausgabe 3/2024 von LOGISTIK HEUTE zu finden, die am 22. März erschienen ist.

Zeit des Wandels

Die deutsche Industrie baut ihre Lieferketten auch nach der Coronapandemie weiter um – mit dem Ziel, das Risiko von Ausfällen zu verringern. Wie das Ifo-Institut kürzlich meldete, setzen die Unternehmen dabei vor allem auf Diversifizierung. Sie stellen ihre Supply Chains breiter auf und gewinnen neue Lieferanten.

Zu den Erfahrungen aus den gestörten Lieferketten kommen ein beschleunigter Wandel durch die Digitalisierung und neue Nachhaltigkeitsanforderungen hinzu. All dies sorgt auch für einen Paradigmenwechsel beim Führungsverständnis.