SCM-Umfrage: Nachhaltigkeit und Digitalisierung prägen resiliente Lieferketten

Für drei Viertel der Befragten im 18. Hermes-Barometer ist es überaus bedeutsam, dass Unternehmen ökologische Verantwortung übernehmen.

Um die Resilienz der Supply Chain langfristig zu erhöhen, sehen die Befragten vor allem den Aufbau stabiler Lieferantenbeziehungen als besonders geeignete Maßnahme an, so das 18. Hermes-Barometer. (Symbolbild: Kamonrat / Fotolia)
Um die Resilienz der Supply Chain langfristig zu erhöhen, sehen die Befragten vor allem den Aufbau stabiler Lieferantenbeziehungen als besonders geeignete Maßnahme an, so das 18. Hermes-Barometer. (Symbolbild: Kamonrat / Fotolia)
Therese Meitinger

Ökologische Verantwortung und der Einsatz digitaler Technologien zählen aktuell zu den zentralen Trends im Lieferkettenmanagement. Diese Ansicht vertreten etwa zwei Drittel von insgesamt 150 Logistikverantwortlichen deutscher Unternehmen in einer Befragung für das 18. Hermes-Barometer „Trends im Supply Chain Management“. Für mehr Resilienz der Lieferkette setzen die Befragten laut dem Logistikdienstleister zudem auf stabile Lieferantenbeziehungen sowie den Aufbau eines effizienten Risk Managements. Die Grundlage dafür sei eine detaillierte und transparente Datenübersicht – hier bestehe bei den Unternehmen jedoch noch Optimierungspotenzial, so Hermes.

Der überwiegende Teil der für das 18. Hermes-Barometer befragten Unternehmen sieht die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung aktuell als zentrale Trends im Supply Chain Management. Mit 78 Prozent stimmt der Großteil der Teilnehmer zu, dass digitale Technologien einen erheblichen Einfluss auf die Resilienz der Lieferkette haben und entscheidend dazu beitragen, künftige Krisen erfolgreich überwinden zu können. In mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 250 Beschäftigen teilen sogar 83 Prozent diese Einschätzung.

Für drei Viertel der Befragten ist es überaus bedeutsam, dass Unternehmen ökologische Verantwortung übernehmen. Diese Einschätzung wächst laut Hermes mit der Unternehmensgröße: Bei Unternehmen mit 250 bis 1.000 Beschäftigen bestätigen knapp neun von zehn Befragten (87 Prozent), dass die Einhaltung des Lieferkettengesetzes und anderer gesetzlicher Richtlinien sowie die Senkung der CO2-Emissionen in der Lieferkette derzeit im Fokus stehen.

„Nachhaltigkeit ist eines der Topthemen unserer Zeit. Die erfolgreiche Verringerung des CO2-Fußabdrucks und entsprechende Klimaschutzmaßnahmen erfordern ein Umdenken und die Modifizierung der bisherigen Arbeitsprozesse“, ordnet Moritz Gborglah, Division Manager und Experte für digitale Transformation bei Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany, die Umfrageergebnisse ein.

Kollaboration und Risk Management gewinnen an Bedeutung

Als weiteren Trend im Supply Chain Management bewerteten die Befragten die kollaborative Zusammenarbeit entlang der Lieferkette. Bei Unternehmen mit 250 bis 1.000 Beschäftigten haben bereits 75 Prozent und damit drei Viertel der Logistikverantwortlichen das Potenzial unternehmensübergreifender Vernetzung erkannt.

Doch je komplexer und globaler Lieferketten werden, desto vielfältigeren Risiken sind sie ausgesetzt. Ein effizientes Risk Management zur Identifikation, Behebung sowie Prävention von Störungen in der Lieferkette sehen mit 82 Prozent daher vor allem größere Unternehmen mit 250 bis 1.000 Beschäftigten als zweitstärksten Trend im Supply Chain Management an.

Um die Resilienz der Supply Chain langfristig zu erhöhen, sehen die Befragten vor allem den Aufbau stabiler Lieferantenbeziehungen als besonders geeignete Maßnahme an: Acht von zehn der Umfrageteilnehmer (81 Prozent) über alle Unternehmensgrößen hinweg halten die partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Lieferkette für sehr bedeutsam. „Unternehmen wissen zunehmend um die positive Wirkung kollaborativer Zusammenarbeit und setzen daher bewusst auf Kooperationen mit Partnern und Zulieferern“, bestätigt Moritz Gborglah. „So können sie möglichen Risiken proaktiv entgegenwirken und die Effizienz von Beschaffungsprozessen steigern.“

Transparenz oft noch unterbeleuchtet

Risk Management, Nachhaltigkeitskontrolle sowie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit profitieren von ausführlichen Erkenntnissen und Analysen der Prozessdaten über die gesamte Supply Chain – eine detaillierte Datenübersicht ist die Grundlage für fundierte Entscheidungen und optimierte Arbeitsprozesse. Doch nähern sich die Unternehmen diesem Thema bislang eher zögerlich: Lediglich etwa jeder zweite Befragte (54 Prozent) sieht Transparenz als bedeutendes Instrument zur Stärkung der Lieferkette an.

Auch bei der verstärkten Nutzung von Plattformlösungen zeigt das 18. Hermes-Barometer noch Entwicklungspotenzial: Kollaboration wird zwar als ein zentraler Trend im Supply Chain Management gesehen. Aber nur die Hälfte aller befragten Teilnehmer hält die Anwendung kollaborativer Lösungen für eine geeignete Maßnahme zur Erhöhung der Lieferkettenresilienz.

Digitalisierung als strategische Ausrichtung von Unternehmen

Ein digitalisiertes Daten- und Informationsmanagement entlang der Supply Chain sieht Hermes als die Grundlage für fundierte Entscheidungen und Risikoprävention. Unternehmen seien daher gut beraten, das Optimierungspotenzial von Datentransparenz und Datenanalyse weiter in den Fokus ihrer strategischen Ausrichtung zu rücken. „Gerade für die partnerschaftliche Zusammenarbeit zahlt sich der stete und transparente Datenaustausch innerhalb der Supply Chain aus. Durch die digitale Vernetzung sind Unternehmen imstande, Echtzeit-Informationen zusammenzuführen, Ressourcen besser zu managen und Prozesse zu optimieren“, sagt Moritz Gborglah.