SCM: Studie zeigt Handlungsdruck bei Digitalisierung

Befragte aus dem Wirtschaftsfeld Logistik messen grundlegend der Digitalisierung einen hohen Stellenwert bei, nutzen konkrete Technologien jedoch verhältnismäßig selten.

Die generelle Skepsis gegenüber der Digitalisierung im Logistikumfeld ist laut einer Studie der BVL seit 2016 gesunken. (Foto: Sergey Nivens / AdobeStock)
Die generelle Skepsis gegenüber der Digitalisierung im Logistikumfeld ist laut einer Studie der BVL seit 2016 gesunken. (Foto: Sergey Nivens / AdobeStock)
Therese Meitinger

Die aktuelle Ausgabe der Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“ der Bundesvereinigung Logistik (BVL) nimmt die digitale Transformation, Data Analytics und Nachhaltigkeit in den Fokus. Das besagt eine Pressemitteilung vom 23. Juli. Laut BVL haben die Studie die BVL.digital GmbH und Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten vom Institut für Logistik und Unternehmensführung an der TU Hamburg erarbeitet. Rund 300 Logistiker seien dazu im Zeitraum zwischen dem 5. Februar und dem 11. März befragt worden – 16 Prozent davon aus dem Bereich Handel, der Rest zu gleichen Teilen aus Industrie und Logistikdienstleistung.

Die Studie, die auf ihre frühere Ausgabe von 2016 referenziert, thematisiert die nachhaltige und digitale Transformation in Logistik und Supply Chain Management, bei der sowohl die Wertschöpfung als auch das Geschäftsmodell angepasst werden. Dabei liegt ein zentraler Erfolgsfaktor nach Ansicht der Studienautoren in der ganzheitlichen Berücksichtigung der Dimensionen Mensch, Technik und Organisation.

„Die Studienergebnisse weisen unter anderem auf einen gewissen Handlungsdruck hin, beispielsweise bei der digitalen Transformation der Geschäftsmodelle – die Umsetzung ist nicht so weit vorangeschritten, wie wir erwartet hätten“, sagt Prof. Wolfgang Kersten.

Beinahe alle Logistiker verbinden der Befragung zufolge mit der Digitalisierung hohe Chancen, aber auch Risiken. Während die Chancen leicht höher beurteilt werden, werden die Risiken etwas geringer eingeschätzt als noch im Jahr 2016. Die Befragten versprechen sich demnach von der Digitalisierung sowohl Kostensenkungen als auch Erlössteigerungen und erwarten steigende Anforderungen an die Innovationsfähigkeit.

Die drei Top-Trends seien wie schon in 2016 Digitalisierung der Geschäftsprozesse, Transparenz in der Wertschöpfungskette und Kostendruck, so die BVL. Der Trend Nachhaltigkeit sei ebenfalls unter den Top-Ten, und fast die Hälfte der Unternehmen schätze ihre entsprechende Anpassungsfähigkeit als hoch ein.  

Ungenutzte Potenziale bei Zukunftstechnologien

Bei der Betrachtung des Status der Digitalisierung in den Unternehmen fällt in der Studie auf, dass der Stand der Umsetzung relativ niedrig ist, trotz der hohen Relevanz, welche die Befragten diesem Trend einräumen. Das gilt insbesondere für Assistenzsysteme wie beispielsweise Pick-by-Vision/AR, welches rund ein Fünftel der Befragten umgesetzt hat. Letzter beim Umsetzungsstand trotz mittlerer Relevanzbewertung sind die autonomen Lkw/Pkw. 

Bei den Zukunftstechnologien aus dem Bereich Datenanalyse besteht bei den Logistikern nach Ansicht der Studienautoren noch Nachholpotenzial. Beispielsweise wird Predictive Analytics zwar eine recht hohe Relevanz zugesprochen, der Umsetzungsstand bewegt sich dabei jedoch unter 50 Prozent.

Ein Fokus auf die Digitalisierung von Geschäftsmodellen lässt sich bei den Befragten derzeit nicht feststellen: 38 Prozent haben der Studie zufolge kein digitales Service-Angebot, jeweils mehr als die Hälfte haben keinen Geschäftszweig für digitale Dienstleistungen und Güter beziehungsweise kein digitales Geschäftsmodell. Im Vergleich zu 2016 ergeben sich kaum Unterschiede: 62 Prozent (2016: 58 Prozent) planen, ihr Angebot um digitale Services zu erweitern, 44 Prozent (2016: 39 Prozent) wollen ihr Geschäftsmodell um einen digitalen Geschäftszweig erweitern und 43 Prozent wollen ihr bestehendes Geschäftsmodell in ein digitales transformieren.

 

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