SCM-Recherche: Liefersicherheit wird zum Top-Entscheidungsfaktor

Die Coronakrise hat dem Beratungsunternehmen Inverto zufolge die Prioritäten bei der Wahl von Transportmitteln verschoben.

Einige Autohersteller verpflichten ihre Zulieferer, ihre Lagerkapazitäten zu vergrößern, um stets lieferfähig zu sein. (Foto: Nataliya Hora / Fotolia)
Einige Autohersteller verpflichten ihre Zulieferer, ihre Lagerkapazitäten zu vergrößern, um stets lieferfähig zu sein. (Foto: Nataliya Hora / Fotolia)
Therese Meitinger

Unternehmen wählen Transportmittel mittlerweile vor allem mit Blick auf Liefersicherheit aus, so das Ergebnis einer Recherche des Beratungsunternehmens Inverto. Vor der Coronakrise habe man sich noch vorrangig für Transportmittel entschieden, die möglichst geringe Kosten oder höchste Geschwindigkeit versprachen, heißt es in einer Pressemitteilung vom 28. April. Seit Beginn der Coronapandemie habe sich die Situation in der Logistik massiv verändert: Inverto nennt hier etwa die beschränkten Kapazitäten der Airlines, gestiegene Kosten, Containerknappheit und Leadtimes in der Seefracht sowie eine verringerte Zuverlässigkeit.

Unternehmen investieren Inverto zufolge aktuell viel, um die Liefersicherheit aufrechtzuerhalten. Vier Trends hat das Beratungsunternehmen ausgemacht: Regionalisierung der Lieferketten, Aufbau größerer Sicherheitslager, Flexibilisierung bei der Wahl der Transportmittel und Digitalisierung.

Regionale Lieferketten sollen stabilisieren

Viele Unternehmen haben laut dem Kölner Anbieter begonnen, ihre Lieferketten zu diversifizieren und suchen dabei gezielt nach Lieferanten aus der eigenen Region. Das Ziel sei weniger, die bisherigen Partner zu ersetzen, sondern die Abhängigkeit von einem Lieferanten oder einer Region zu verringern und auf diesem Weg die Stabilität zu erhöhen.

Sicherheit ist der Recherche zufolge auch das oberste Gebot bei den Lagerbeständen: Zahlreiche Unternehmen haben diese demnach ausgebaut – nicht immer aus eigenem Antrieb.

„In der Automobilindustrie sehen wir häufig, dass die Hersteller ihre Lieferanten dazu verpflichten, die Lager zu vergrößern, um jederzeit lieferfähig zu sein“, sagt Paul Zahn, Principal bei Inverto und Experte für den Automotive Sektor.

Henning Körner, Global Strategic Buyer Supply Chain Management der OIympus Corporation, erläutert:

„Früher haben wir im interkontinentalen Transport überwiegend auf Luftfracht gesetzt, um durch schnellstmögliche Lieferung wenig Kapital zu binden. Heute arbeiten wir mit einer Matrix, setzen alle Variablen ins Verhältnis und leiten daraus das passende Transportmittel ab.“

So wie der Hersteller medizintechnischer und wissenschaftlicher Produkte agierten nun viele Unternehmen, argumentiert Inverto. Höchste Priorität sei auch hier Zuverlässigkeit.

Um Lieferrisiken stets im Blick zu haben, haben laut der Recherche viele Unternehmen nach dem Corona-Schock des vergangenen Frühjahrs in das digitale Monitoring ihrer Lieferketten investiert. Bislang werden Softwarelösungen demnach jedoch nur punktuell eingesetzt. Die durchgängige Vernetzung der gesamten Supply Chain bis hin zum Kunden sieht das Beratungsunternehmen als die Hauptaufgabe der kommenden Jahre.

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