SCM: Logistikflächen als Stabilitätsanker

Die Initiative Logistikimmobilien (Logix) betont die Rolle von Lagerflächen, um im Supply Chain Management die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten.

Logistikimmobilien spielen Logix zufolge eine essenzielle Rolle bei der Aufrechterhaltung der Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft. (Foto: alzay/AdobeStock)
Logistikimmobilien spielen Logix zufolge eine essenzielle Rolle bei der Aufrechterhaltung der Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft. (Foto: alzay/AdobeStock)
Matthias Pieringer

Die Nachwirkungen der Coronapandemie sowie die anhaltende Personalknappheit im Wirtschaftsbereich Logistik stellen die internationalen Waren- und Lieferketten vor große Herausforderungen – darauf hat die Initiative Logistikimmobilien (Logix) jetzt hingewiesen. Auch in Deutschland sind laut Logix viele Unternehmen branchenübergreifend vom Wandel der Lieferstrukturen und dem damit einhergehenden Mangel an Rohstoffen und Bauteilen betroffen. Vielerorts reagierten Unternehmen mit einem Ausbau der heimischen Produktions- oder Bevorratungsstrukturen. Solche „Local Sourcing“-Strategien seien vor allem im Bereich der Halbleiterindustrie gefragt, beträfen aber auch andere Branchen, um eine künftige Versorgungssicherheit auch in Krisenfällen gewährleisten zu können. 

„Die Disruptionen bei den Lieferketten sowie die Knappheit an Vorprodukten erfordern eine zusätzliche Lagerhaltung sowie eine höhere Anzahl an Zulieferern, am besten in der Nähe des eigenen Standortes und in geografisch unterschiedlichen Regionen“, so Rainer Koepke, Managing Director sowie Head of Industrial & Logistics Germany beim Immobiliendienstleister CBRE. „Zudem ist die heimische Produktion besser zu kontrollieren als in Schwellenländern mit zunehmenden Problemen wie Zöllen, Währungsschwankungen, Bürokratie sowie mangelnder Planungs- und Rechtssicherheit.“

Auswirkungen auf Logistikimmobilien-Wirtschaft

Eine solche Umstrukturierung der Supply Chains mit einer Abkehr vom bislang vorherrschenden „Just-in-time“-Prinzip habe spürbare Auswirkungen auf die Logistikimmobilien-Wirtschaft, wie Logix weiter mitteilte. Denn ein Ausbau der regionalen Bevorratung bedeute eine erhöhte Nachfrage nach Lager- und Logistikflächen, auf denen Güter und Produkte gelagert und verarbeitet werden.

„Durch die Frachtkostenexplosion, die höheren Risiken und die Angleichung der Lohnkosten lohnt sich eine weit entfernte Produktion immer weniger. Daraus ergeben sich Potenziale insbesondere für Logistikdienstleister, indem sie neben Lager- auch Montage- oder Produktionsschritte übernehmen und diese vor Ort in der Nähe der Kunden anbieten“, sagte Prof. Dr. Christian Kille von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt FHWS. Dies werde für einen Nachfrageschub nach Logistikdienstleistungen und -flächen sorgen.

„Die Situation der Logistik hat sich in den letzten zwei Jahren enorm verändert. Internationale Lieferketten, über Jahre aufgebaut und etabliert, haben auch durch die Coronapandemie an Stabilität verloren“, so Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe. Warenknappheit, Lieferengpässe und damit einhergehend Produktionsausfälle sind laut dem Logistikimmobilienberater die Folge. „Natürlich führt dies bei vielen Unternehmen zu einem Hinterfragen der Logistikstrategie. Gerade die internationalen Supply Chains stehen auf dem Prüfstand, doch unser Handel ist und bleibt nun mal global. Und so wird der Bedarf an sogenannten regionalen Pufferlagern zum Ausgleich von Lieferschwankungen weiter ansteigen."

Vorbehalte bei der Bevölkerung

Dennoch ringe die Logistikimmobilien-Wirtschaft mit einer Vielzahl von Herausforderungen, die einen raschen Flächenausbau bremsen, wie es weiter seitens Logix hieß. „Zum einen kämpfen Projektentwickler und Nutzer mit einem landesweiten akuten Grundstücksmangel, allem voran in den strategisch wichtigen Städten und Ballungszentren. Zudem stoßen Logistikimmobilien und Ansiedlungsvorhaben nach wie vor auf Vorbehalte in den Kommunen sowie bei der Bevölkerung.“

Um dieser Problematik zu begegnen, setzt sich die Initiative Logistikimmobilien (Logix) für eine Erhöhung des Stellenwertes sowie der Akzeptanz von Logistikimmobilien in Fachkreisen und in der breiten Öffentlichkeit ein. Neben der Vergabe des Logix Awards für die beste Logistikimmobilienentwicklung der vergangenen zwei Jahre engagiert sie sich in Form von Forschungs- und Publikationsarbeiten sowie mit einem proaktiven Dialog mit den Kommunen. 

Zentraler Bestandteil

„Logistikimmobilien sind zentraler Bestandteil einer funktionieren Wirtschaft und für die Versorgung der Bevölkerung. Die jüngsten Entwicklungen rund um die Coronakrise, den Brexit und die Arbeitskräfteknappheit haben diese Bedeutung noch einmal bestätigt. Um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, wird an einem Ausbau der Logistikflächen kein Weg vorbeiführen. Hier ist auch die Politik gefragt, den Ausbau der Logistikinfrastruktur zu unterstützen“, sagte Dr. Malte-Maria Münchow, Sprecher der Initiative Logistikimmobilien (Logix) sowie Leitung An- und Verkauf Spezialimmobilien, Deka Immobilien Investment GmbH.

2021 engagierte sich die Logix Initiative für die vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) herausgegebene Studie „Logistik in der Kommune“. Dafür hatte der DStGB gemeinsam mit Logix eine Umfrage unter Kommunen deutschlandweit zu ihrer Sicht auf Logistik durchgeführt. Mit ihren eigenen Veröffentlichungen stellt die Logix Initiative Grundlagenarbeiten rund um Logistikimmobilien zur Verfügung und greift aktuelle Themen wie den Klimawandel auf.

Alle Veröffentlichungen stehen kostenlos unter www.logix-award.de/forschung bzw. www.logix-award.de/download zur Verfügung. Am Abend des 11. Oktober verleiht Logix zum fünften Mal den Logix Award im Rahmen der Immobilienfachmesse EXPO REAL 2021 in München.