SCM: Lieferketten für die Zeit nach der Corona-Pandemie aufstellen

Der Beschaffungsplattform-Anbieter Ivalua benennt fünf Ansatzpunkte für die SCM-Stabilisierung in der Zeit nach der Corona-Krise.

Wie lässt sich die Krisensicherheit von Lieferketten erhöhen? (Foto: Ake1150 / Fotolia)
Wie lässt sich die Krisensicherheit von Lieferketten erhöhen? (Foto: Ake1150 / Fotolia)
Therese Meitinger

Mit der Frage, wie Unternehmen ihre Lieferketten nach der Corona-Krise aufstellen sollen, hat sich Ivalua beschäftigt. Viele Unternehmen hätten angesichts der Pandemie erkennen müssen, dass es erforderlich sei, im Notfall Lieferketten binnen kurzer Zeit komplett neu aufstellen zu können, argumentiert Jan-Hendrik Sohn, Regional Director DACH und CEE bei dem Beschaffungsplattform-Anbieter. Für die Zukunft sehe er dafür fünf wesentliche Ansatzpunkte: die Schaffung von Transparenz, ein besseres Lieferanten- und Krisenmanagement, eine Diversifizierung der Lieferanten und der daraus resultierende Agilitätsgewinn. Die wichtigste Grundlage dafür ist seiner Ansicht nach die Digitalisierung sämtlicher Source-to-Pay-Prozesse. Unternehmen könnten sich damit deutlich schneller an Krisen-Ereignisse und veränderte Marktbedingungen anpassen, so Sohn.

1.    Schaffung von Transparenz

Unternehmen sollten jederzeit wissen, mit welchen Lieferanten sie für welches Projekt zusammenarbeiten und diese mit einem Klick visualisieren können, argumentiert Ivalua. Dies gelte vor allem für Tier-2 und Tier-3-Lieferanten, denen nach unserer Ansicht viel zu wenig Beachtung geschenkt werde, so der Anbieter. Gerade in Krisenzeiten fällt dies Ivalua zufolge Unternehmen schnell auf die Füße: Der Wegfall von mehreren Partnern aus derselben Region sorgt demnach schnell für Lieferengpässe und bringt selbst große Unternehmen früher oder später in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

2.    Bessere Zusammenarbeit mit Lieferanten

Unternehmen sollten mit ihren Lieferanten bei der Planung von Bestellungen, Prognosen und der Inventarisierung enger und vor allem digitaler zusammenarbeiten, befindet Ivalua. Lieferanten können so Kundennachfragen dem Anbieter zufolge effizienter planen, eigene Produktbestände und Zulieferer besser verwalten – und Informationen über mögliche Lieferprobleme früher an ihre Auftraggeber übermitteln.

3.    Verbesserte Zusammenarbeit in der Lieferkette

Werden vorhandene Datenbestände sinnvoll genutzt, lässt sich nach Angaben von Ivalua die Transparenz in der gesamten Lieferkette herstellen, da alle Beteiligten vorhandene Daten zur Optimierung ihrer Geschäftsprozesse nutzen können. Unternehmen könnten beispielsweise ihre Lieferanten bewerten, Risiken besser einschätzen und bei Bedarf schneller neue Partner auswählen – und das über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg, argumentiert der Anbieter. Dies bringe nicht nur Vorteile in Krisenzeiten, sondern auch bei der Einführung neuer Produkte (Stichwort Elektroauto).

4.    Diversifizierung der Lieferanten

Krisen wie die Verbreitung des Corona-Virus zeigen die Gefahren einer übermäßigen Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten oder verschiedenen Partnern aus der derselben Region. Unternehmen müssen Ivalua zufolge ihre Lieferanten für bestimmte Waren und Dienstleistungen mit derselben Einstellung diversifizieren, wie ein Investor sein Portfolio, wenn er stabilere Erträge sicherstellen möchte. Hier herrscht nach den Erfahrungen des Plattform-Anbieters aufgrund fehlender Transparenz noch starker Nachholbedarf.

5.    Kontinuierliches Risiko-Monitoring

Unternehmen sollten eine Überwachung geschäftskritischer Risiken und deren Auswirkung auf die gesamte Lieferkette und auf das Endprodukt oder die Dienstleistung sicherstellen, erläutert Ivalua. Wenn die Punkte 1) und 2) gegeben seien, könnten rechtzeitig Ersatzlieferanten beauftragt und die eigene Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt werden. Existiere bereits ein Risikomanagement sollte dieses kontinuierlich an veränderte Bedingungen angepasst und um Daten aus externen Quellen ergänzt werden, so der Anbieter. Dazu gehören nach Firmenangaben beispielsweise Wetterdaten, Informationen von Rückversicherern oder aus Risikomanagement-Lösungen für Supply Chains.

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