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SCM: Den Geldstrom besser im Griff haben

Supply Chain Finance kann Vorteile bringen – unter Voraussetzungen.
Sönke Jungclaus von der Freudenberg Group erklärte, warum Finanzierungsmodelle für Supply Chains auch scheitern können. (Foto: Andre Baschlakow/LOGISTIK HEUTE)
Sönke Jungclaus von der Freudenberg Group erklärte, warum Finanzierungsmodelle für Supply Chains auch scheitern können. (Foto: Andre Baschlakow/LOGISTIK HEUTE)
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Sandra Lehmann

Wie finanziert ein Unternehmen seine Supply Chain so, dass das Kapital optimal genutzt wird? Diese Frage stellte Andrea Walbert, Geschäftsführerin der PMI Institute Management GmbH, ihren Gästen während des Fachforums „Supply Chain Finance – weshalb werden viele Milliarden Euro nicht besser genutzt?“, das am 7. Oktober auf der Fachkonferenz EXCHAiNGE 2016 in Frankfurt am Main stattfand.

Alle ins Boot holen

Zunächst sollten Unternehmen sich darüber klar werden, wer was in der eigenen Supply Chain bezahlt und wie Zulieferer bei der Abwicklung von Zahlungen besser unterstützt werden können, empfahl Guido Rossbach, Director Supply Chain Europe bei GKN Land Systems, dem Publikum. Sein Unternehmen, ein Hersteller von Antriebstechnologien, habe deshalb 2015 ein hausinternes Programm aufgebaut, dass GKN Land Systems, die entsprechenden Lieferanten und Kreditinstitute miteinbezieht. Hier können Zulieferer ihre Rechnungen über eine digitale Anwendung einreichen und werden direkt über die kooperierende Bank ausgezahlt. Möglich seien auch Zahlungen im Voraus, um eigene Lieferkettenkosten zu decken. So sollen lange Wartezeiten und finanzielle Engpässe vermieden werden. Ein System, das laut Rossbach heute sehr gut für alle Beteiligten funktioniert, aber eine lange Anlaufphase hatte. „Wir hatten es anfangs schwer andere von unserem Konzept zu überzeugen. Deshalb hat die Umsetzung sich lange hingezogen. Heute haben wir 24 Zulieferer mit im Boot und insbesondere zu unseren wichtigen Lieferanten einen viel engeren Draht.“

Erfolg ist kein Muss

Dass ein Finanzierungsmodell für die eigene Supply Chain allerdings kein Selbstläufer ist und auch nicht zwingend erfolgreich sein muss, erläuterte Sönke Junclaus, Director Global Purchasing & SCM Freudenberg Performance Material, dem EXCHAiNGE-Teilnehmern. Sein Unternehmen wollte im Zuge einer Lieferkettenoptimierung auch die Finanzierungsmodalitäten für die Zulieferer verbessern – wurde dabei aber nach eigenen Angaben von eben diesen ausgebremst. „Etwas, dass grundsätzlich unterschätzt wird, ist der Stolz vieler Unternehmen. Keiner unserer Zulieferer wollte sich gern Geld von uns „leihen“ und damit den Eindruck erwecken, auf eine Finanzspritze angewiesen zu sein“, so Jungclaus. Zudem hatte Freudenberg nach eigenen Aussagen mit den hohen Startkosten eines solchen Finanzierungsprogramms und der Implementierung in unterschiedlichen Ländern zu kämpfen. „Wir haben sehr schnell festgestellt, dass unser Konzept bei vielen Lieferanten nicht funktioniert, weil sie mit einem komplett anderen Systemen arbeiten“, erläuterte SCM-Experte Jungclaus. Die Folge: Ein eigenes Finanzierungsmodell steht für den Hersteller mit Sitz in Weinheim erst einmal nicht mehr zur Debatte.

Kommunikation im Fokus

Wer einem verbesserten Geldfluss in seiner Lieferkette von Beginn an gute Chancen einräumen möchte, sollte vor allem Kommunikation setzen, riet Dr. Sebastian Hölker, Head of SCF Structuring & Implementation bei UniCredit. Der Finanzexperte betonte in seinem Podiumsvortrag und der anschließenden Diskussion, dass egal in welchem Wirtschaftszweig man sich bewege, eines immer von entscheidendem Vorteil sei: Kollegen, Mitarbeiter und Geschäftspartner gleichermaßen mit ins Boot zu holen. „Auch die Finanzierung von Lieferketten wird letztlich von Menschen gesteuert. Deshalb sollte man zuerst das Gespräch suchen und sich im zweiten Schritt auf Punkte wie Finanzen und IT konzentrieren“, so Hölker.

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