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Schweiz: Starker Franken verteuert Exporte

Global aufgestellte Intralogistikhersteller reagieren aber gelassen.
Redaktion (allg.)

Mitte Januar hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) entschieden, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufzuheben. Er war 2011 nach einer „massiven Überbewertung des Frankens“ eingeführt worden, um die Schweizer Exportwirtschaft zu schützen. Sie habe sich inzwischen auf diese Überbewertung einstellen können, begründet die SNB.

Aus Sicht des Industrieverbands Swissmem gefährdet die Entscheidung nun die Existenz vieler Firmen der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), darunter auch Hersteller von Intralogistikprodukten. Die Branche ist laut dem Verband „außerordentlich“ abhängig vom Wechselkurs. Sie exportiere annähernd 80 Prozent ihrer Güter, davon rund 60 Prozent nach Europa.

Ein Drittel teurer

Die erneute Aufwertung des Franken habe zu einem schockartigen Margenverlust der Unternehmen von fast 20 Prozent für die Geschäfte im Euroraum geführt. Kumuliert habe der Euro gegenüber dem Franken innerhalb weniger Jahre einen Drittel an Wert verloren. Die Produkte der Exporteure haben sich für ausländische Kunden laut Swissmem um den gleichen Wert verteuert.

In einer Blitzumfrage von LOGISTIK HEUTE unter Schweizer Herstellern von Intralogistikprodukten zeigt sich ein differenziertes Bild. „Unternehmen, die hauptsächlich in Schweizer Franken produzieren und dann zum Beispiel in den Euroraum exportieren, werden der Frankenstärke entgegenwirken müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, etwa durch die Steigerung ihrer Produktivität oder die Verlagerung von Prozessen ins Ausland“, sagt Paul Zumbühl, CEO der Interroll Holding AG im schweizerischen Sant'Antonino.

Produktion im Ausland

Interroll produziere jedoch zu mehr als 90 Prozent vor Ort für lokale Märkte. Umsatz und Kosten fallen in den entsprechenden Währungen an. „Es ergeben sich hauptsächlich Translationsrisiken bei der Umrechnung der Abschlüsse der weltweiten Konzerngesellschaften in die Konzernwährung CHF. Daher sehen wir keine wesentlichen Folgen für unser Unternehmen. Und unsere Auftragsbücher sind zurzeit gut gefüllt“, betont Zumbühl. Auch die Swisslog Holding AG, Buchs, sieht hauptsächlich „überschaubare Umrechnungsrisiken“ auf sich zurollen. „Der Umsatz in der Schweiz betrug 2013 übrigens lediglich rund fünf Prozent des Gruppenumsatzes“, ergänzt Unternehmenssprecher Reto Sidler. Konkrete Auswirkungen könne Sidler noch nicht nennen, da die Umrechnungskurse noch recht volatil seien.

Auch bei der Denipro AG in Weinfelden spürt man „momentan keine konkreten Auswirkungen“, wie Jens Kirchhoff, Leiter Vertrieb und Marketing des Schweizer Unternehmens, betont. Als Teil des zu 100 Prozent selbstfinanzierten Familienunternehmens Walter Reist Holding AG (WRH) in Hinwil (CH) müsse Denipro aber keine finanziellen Lasten an Kunden weitergeben, so Kirchhoff.

Preis nicht entscheidend

Zudem sei es nicht das erste Mal, dass Schweizer Unternehmen mit einer solchen Währungsschwankung umgehen müssen. „Allein zwischen 2008 und 2012 stieg der Franken von einem Wechselkurs von 1,6 auf das Niveau von 1,2 zum Euro. Rückblickend haben wir diese Herausforderung erfolgreich bewältigt“, erklärt Kirchhoff.

„Auch vor der Freigabe des Wechselkurses haben Schweizer Unternehmen in den seltensten Fällen ihre Produkte über den Preis verkauft“, ergänzt Jürg Möckli, CEO der Ferag AG in Hinwil bei Zürich, wie Denipro ein WRH-Unternehmen. Kirchhoff von Denipro betont: „Langfristig müssen Schweizer Unternehmen der Intralogistikbranche ohne den Vorteil von ‚Währungsrabatten‘ den Markt durch originelle und effizientere Lösungen überzeugen.“

(akw)
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