Schutzschirmverfahren: Ludwig Görtz begründet Kaufzurückhaltung der Kunden mit hohen Energiekosten

Der Schuhhändler Görtz will sich in Eigenverwaltung sanieren, nachdem es zuletzt eine Kaufzurückhaltung der Kunden durch den Ukraine-Krieg gab. Zuvor hatte die Gruppe bei ihrer Transformation zum Omnichannel-Händler bereits ihre Logistik verbessert und digitalisiert.

Der Omnichannel-Händler Görtz hat die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens beantragt. Er begründet dies mit einer Kaufzurückhaltung der Kunden aufgrund gestiegener Energiekosten und einer hohen Inflation. (Bild: Görtz)
Der Omnichannel-Händler Görtz hat die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens beantragt. Er begründet dies mit einer Kaufzurückhaltung der Kunden aufgrund gestiegener Energiekosten und einer hohen Inflation. (Bild: Görtz)
Gunnar Knüpffer

Die Görtz-Geschäftsführung hat für die Muttergesellschaft Ludwig Görtz GmbH am 6. September 2022 beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens und für die beiden operativen Tochterunternehmen Görtz Retail GmbH und Görtz Logistik GmbH jeweils Anträge auf Anordnung einer Eigenverwaltung gestellt. Mit den gerichtlichen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung will sich die Görtz-Gruppe konsequent restrukturieren und zukunftssicher aufstellen, teilte das Unternehmen am selben Tag auf seiner Website mit. Das Gericht hat mit Beschluss vom 6.September 2022 das Schutzschirmverfahren bewilligt und auch die Eigenverwaltungsverfahren der Tochtergesellschaften angeordnet.

Der Hamburger Omnichannel-Händler für Fashion und Lifestyle mit rund 160 Filialen in Deutschland und Österreich begründete die Restrukturierung damit, dass der Ukraine-Krieg mit den gestiegenen Energiekosten und der starken Inflation zu einer erheblichen Verunsicherung der Kunden geführt habe. Die dadurch verursachte Kaufzurückhaltung habe deutliche Umsatzrückgänge zur Folge gehabt. Der Schuhhändler Görtz will nun die Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen.

„Görtz ist eine starke und bekannte Marke, die weiterhin viel Potenzial in sich trägt“, sagte Frank Revermann, CEO von Görtz.

Als Omnichannel-Händler seien sie überzeugt, dass sie nach der Sanierung eine erfolgreiche Zukunft erwarten können und ein nachhaltiges Wachstum erzielen werden.

Die Geschäftsführung um Frank Revermann (CEO) und Tobias Volgmann (CFO) bleibt im Amt und ist weiterhin handlungs- und weisungsbefugt. Das Gericht hat Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der vorläufige Sachwalter wird im Auftrag des Gerichts die Geschäftsführung im Rahmen des Sanierungsverfahrens beaufsichtigen und dieses konstruktiv im Interesse der Gläubiger begleiten. Ziel ist es, die gerichtlichen Sanierungsverfahren von Görtz jeweils zügig mit einem Sanierungsplan abzuschließen.

Görtz will in drei Monaten Sanierungsplan erstellen

Die Geschäftsführung will in den kommenden drei Monaten den Plan erarbeiten und dem Gericht vorlegen. Wenn die Gläubiger diesem Plan zustimmen und das Gericht ihn bestätigt, werde der Erhalt und die Fortführung von Görtz gesichert, teilte der Omnichannel-Händler mit.

Der Geschäftsbetrieb in den Filialen, der Zentrale in Hamburg und den beiden Zentrallagern läuft uneingeschränkt weiter. Alle Stores haben geöffnet. Die Löhne und Gehälter der circa 1.800 Mitarbeiter sind für die Monate September, Oktober und November 2022 durch die Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Ab Dezember 2022 will Görtz die Löhne und Gehälter wieder aus eigenen Mitteln zahlen.

Bereits im April 2021 hatte die Görtz-Gruppe Beihilfen im Rahmen des Stabilisierungspaketes seitens des Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhalten, wie sie im April 2022 mitteilte. Die gewährten Mittel wurden überwiegend zur Betriebsmittelfinanzierung verwendet, um das laufende Geschäft zu sichern und die Liquiditätsengpässe, die durch die Covid-19-Pandemie entstanden seien, auszugleichen. Der Großteil wurde für den Wareneinkauf und die Begleichung der Mieten der stationären Geschäfte aufgewandt.

Darüber hinaus wurden drei Millionen Euro in immaterielles Anlagevermögen investiert, um den Ausbau und das Wachstum digitaler Vertriebskanäle voranzutreiben.

Görtz setzte auf Digitalisierung der Logistik

Während der vor Pandemie-Beginn begonnenen Transformation zum Omni-Channel-Händler im Schuhbereich konnte Görtz neue Partner vor allem im Marktplatzsegment gewinnen. Des Weiteren wurde ein Schwerpunkt auf die Optimierung und Digitalisierung der Logistik der Gruppe gelegt. Hierzu gehören unter anderem die Ausstattung des Fuhrparks mit Elektro-Autos, die Verbesserung des Zusammenspieles zwischen Hard- und Software zur Beschleunigung der Prozesse und die Überprüfung der Dimensionierung der Versandkartons zur Vermeidung des Transportes von unbefüllten Volumina.

Weiterhin setzte Görtz LED- Lampen ein, um Energie zu sparen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu erbringen. Zu diversen Themen wurden Sonderprojekte gestartet, um zum Beispiel die Retourenquote zu verringern, damit der CO2-Ausstoß für den Transport reduziert werden kann. Im Bereich Einkauf achtete das Unternehmen laut eigenen Angaben mehr auf den Einkauf nachhaltiger Artikel und gewann neue Lieferanten. Insgesamt seien die Beihilfen im Einklang mit den Zielen der EU, insbesondere im Hinblick auf die Klimaziele und die steigende Digitalisierung, verwendet worden.

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