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Schifffahrt: Forschung untersucht neues Transportkonzept

Gibt es bald keine Lkw-Kolonnen mehr im Ruhrgebiet?
So könnten sie aussehen, die kleinen, elektrisch angetriebenen Containerschiffe auf einem Kanal. (Foto: DST)
So könnten sie aussehen, die kleinen, elektrisch angetriebenen Containerschiffe auf einem Kanal. (Foto: DST)
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Redaktion (allg.)

Die beiden Johannes-Rau-Forschungsinstitute RIF (Institut für Forschung und Transfer) und DST erarbeiten im Rahmen des Forschungsprojekts DeConTrans ein neues Transportkonzept auf Basis von kleinen, elektrisch angetriebenen Schiffen, die in „Schwärmen“ neue dezentrale Märkte bedienen. Die dafür notwendigen Gelder hat die EU gerade erst bewilligt.

Freie Fahrt auf der Autobahn – eine ferne Utopie?

„Freie Fahrt auf den Autobahnen des Ruhrgebiets: Statt Lkw-Kolonnen auf rechten Spuren sind jetzt Schwärme kleiner Schiffe auf den Kanälen der Region unterwegs. Emissionsfrei und leise bringen sie Container mit Waren aller Art zu kleinen automatisierten Umschlagplätzen und Stadthäfen der Metropole Ruhr“, beschreibt das RIF die des Projekts in einer Pressemitteilung. Was wie eine ferne Utopie klinge, stehe zumindest virtuell kurz vor der Realisierung.

Entwurf für ein alternatives Güterverkehrssystem

Die beiden involvierten Forschungsinstitute entwickeln und entwerfen ein alternatives Güterverkehrssystem. Es basiert auf den realen Daten der Güterströme im Ruhrgebiet sowie bereits existenten technischen Innovationen in Schifffahrt, Logistik, Fahrzeugindustrie und Automatisierungstechnik. Bis 2021 soll dann sogenanntes virtuelles Testbed entstehen, in dem die Innovationen getestet werden können.

Kostengünstiger, umweltfreundlicher und effizienter

Die Forscher rechnen damit, dass eine moderne Schwarm-Binnenschifffahrt kostengünstiger, umweltfreundlicher und effizienter als der Lkw-Verkehr auf der Straße sein kann. Das Ruhrgebiet liegt für beide Forschungspartner vor der Haustür. Als Anwendungsfall für eine innovative, dezentrale Binnenschifffahrt bietet es sich mit seinen vielen Wasserstraßen und kleinen Häfen, die noch aus der Montanära stammen, an. Zudem erhöhen aktuelle Verkehrsprobleme – Staus, Emissionen, gesperrte Rheinbrücken und schleppender Schienenausbau – den Problemdruck. Daher sehen DST und RIF hier gute Realisierungschancen für eine grundlegende Systeminnovation, die „Made in NRW“ gute Chancen für weitere Entwicklungen bietet.

60 Prozent weniger Energie

„Binnenschiffe benötigen 60 Prozent weniger Energie beim Warentransport als der Lkw und derzeit sind kleine Häfen und Kanäle im Ruhrgebiet kaum ausgelastet. Während bisher zumeist auf die Entwicklung großer Schiffe fokussiert wurde, könnten neue Technologien für eine Sprunginnovation sorgen“, beschrieb DST-Vorstand Rupert Henn die Lage. „Saubere Antriebe für kleine standardisierte Schiffe auf Basis elektrischer Energie und eine Automatisierung vieler Prozesse im Betrieb, von Festmachsystemen, über Krananlagen bis zum autonomen Fahren in intelligent integrierten Transportsystemen sind in der Entwicklung. Die beteiligten Komponenten sind gut bekannt, aber ihr Zusammenspiel ist äußerst komplex.“ Henn erwartet von der Zusammenarbeit mit RIF einen entscheidenden Schub für die Weiterentwicklung des Gesamtsystems.

Gesamte Logistikkette in die virtuelle Plattform

Bis Ende 2021 arbeiten acht Mitarbeiter in den beiden Johannes- Rau-Instituten nun daran, die komplette Logistikkette von der Umladung im Hafen auf die kleinen Schiffe bis zur Verladung für die letzte Meile an regionalen Umschlagstellen realistisch in einer virtuellen Plattform abzubilden, sodass unterschiedliche Logistikketten, variable Schiffstypen und verschieden konzipierte Umschlagplätze miteinander verglichen werden können. Schon während der Projektlaufzeit werden Reedereien, Spediteure, Verlader, Gewerbeverbände, Hafenbetreiber, Politik und Verwaltung auf allen Ebenen mit einbezogen. „Das Projekt kann nicht nur zu einer nachhaltigen, umweltverträglichen und gesellschaftlich akzeptierten Mobilität beitragen. Es nutzt auch vorbildlich die Kompetenz am Forschungsstandort NRW. Für den Wirtschaftsstandort NRW hat das Vorhaben als technologische Innovationsplattform zudem eine Schlüsselrolle“, sagt Michael Saal, Geschäftsführer des RIF.

(ha/me)

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