Schienengüterverkehr: Ukraine-Krieg führt zu Unwägbarkeiten auf der Eisernen Seidenstraße

Auch Routen für den Güterbahnverkehr sind vom Konflikt bedroht und zwingen Unternehmen dazu, umzuplanen.

Noch verlaufen die Güterbahntransporte vom Duisburger Hafen aus ohne Zwischenfälle. Jedoch planen auch die Hafenbetreiber bereits für den Notfall. (Foto: DWS Werbeagentur)
Noch verlaufen die Güterbahntransporte vom Duisburger Hafen aus ohne Zwischenfälle. Jedoch planen auch die Hafenbetreiber bereits für den Notfall. (Foto: DWS Werbeagentur)
Sandra Lehmann

Neben der Sperrung von Lufträumen sowie Einschränkungen im Schiffs- und Lkw-Verkehr hat der Krieg in der Ukraine auch ernste Auswirkungen auf Schienentransporte entlang der neuen Seidenstraße. So haben einige Logistikdienstleister ihre Services von und nach Russland auf der Schiene bereits eingestellt. Dazu zählen unter anderem Kühne+Nagel, die zum 1. März alle Transportaufträge, die durch das Gebiet der Russischen Föderation führen, eingestellt haben. Gleiches gelte für den Schienengüterverkehr durch die Ukraine. Stattdessen setzt man den Aussagen des Dienstleisters zufolge auf die Umbuchung von Güterbahntransporten auf den Wasserweg.

Verkehr durch die Ukraine eingestellt

Ähnlich verfährt der Logistik- und Transportdienstleister DB Schenker. Hier heißt es in einem Statement des Unternehmens, dass bis auf Weiteres der Zugverkehr durch die Ukraine eingestellt sei und man ebenfalls versuche so viele Aufträge wie möglich über Seefracht abzuwickeln. Darüber hinaus hat das Unternehmen seine Mitarbeiter in der Ukraine gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben und seine Terminals vor Ort abgesichert.

Sorgen bereitet diese Entwicklung auch der Duisport AG, dem Betreiber des Duisburger Hafens. Nach Angaben des Unternehmens sei Duisburg der Endpunkt der neuen Seidenstraße in Europa und damit entsprechend relevant für Duisport. Wöchentlich verkehren dem Hafenbetreiber zufolge bis zu 60 Züge zwischen der Ruhrpottmetropole und verschiedenen Zielen in China. Die Transporte führen in der Regel durch Russland und Belarus. Wie es vonseiten des Unternehmens heißt, verkehrten derzeit zwar noch alle Güterbahnen planmäßig, jedoch zwinge die Situation auch die Duisport-Verantwortlichen dazu, für den Notfall umzuplanen.

„Einige Kunden haben bereits angekündigt, ihre Transporte auf dem Landweg durch Russland vorerst einstellen zu wollen und entsprechend Buchungen zu stornieren beziehungsweise auf den Seeverkehr umzustellen. Hinzu kommen Einschränkungen durch Sanktionen, wodurch manche Waren und Industriegüter nicht mehr transportiert werden dürfen. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass es auf der Route zwischen China und Duisburg zu Verzögerungen oder Unterbrechungen kommt, und dass internationale Versicherer den Versicherungsschutz für Transporte durch Belarus und Russland kündigen“, so ein Sprecher des Unternehmens gegenüber LOGISTIK HEUTE.

Eine seriöse Prognose zur weiteren Entwicklung in den kommenden Wochen ist aus Sicht der Hafenbetreiber zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht möglich.

In einer früheren Version des Textes hieß es, dass DB Schenker den Zugverkehr durch Russland eingestellt hat. Das ist nicht der Fall.

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