Schienengüterverkehr: ÖBB Rail Cargo investiert weiter in Digitalisierung

Die Digitale Automatische Kupplung wird von Februar an in Österreich getestet.

Der Demonstratorzug für die Digitale Automatische Kupplung macht ab Februar 2022 in Österreich Halt. (Foto: DB AG)
Der Demonstratorzug für die Digitale Automatische Kupplung macht ab Februar 2022 in Österreich Halt. (Foto: DB AG)
Sandra Lehmann

Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) wird im laufenden Jahr weiterhin in die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs in Österreich investieren. Das gab das Unternehmen mit Sitz in Wien am 5. Januar in einer Pressemitteilung bekannt. Ziel sei es demnach, das System Schiene grundlegend zu transformieren und die Zukunftsfähigkeit des Güterverkehrs sicherzustellen. Neben höherer Effizienz und Flexibilität solle vor allem der Zugang zum System Schiene vereinfacht werden, um für neue Kundengruppen leicht zugänglich zu sein – all dies stets mit dem Klimaschutz vor Augen. Aus Sicht der RCG sind Klimaziele nur erreichbar, wenn auch mehr Güter mit der Bahn transportiert werden. Clemens Först, RCG-Vorstandssprecher, betont:

„Die Digitalisierung ist ein ganz wichtiges Element, um den Gütertransport schneller, moderner und ökologischer gestalten zu können.“

Derzeit laufen nach RCG-Angaben umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf europäischer wie auf nationaler Ebene, um die Serienreife der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) zu erlangen. Sie soll von 2026 bis 2030 schrittweise in Europa die herkömmliche Schraubenkupplung komplett ablösen. Anfang 2022 wird die DAK laut dem Bahnunternehmen nun auch erstmals nach Österreich kommen und zu besichtigen sein. Von Anfang Februar bis Anfang März 2022 wird der sogenannte „DAK Demonstratorzug“ des Projekts „DAC4EU“ an vier verschiedenen österreichischen Stationen Halt machen und einem umfangreichen Testprogramm unterzogen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in die erforderliche Weiterentwicklung der DAK ein. Dies sei auch in Zusammenhang mit der Beteiligung der ÖBB als Gründungsmitglied an „Europe‘s Rail Joint Undertaking“ zu bringen.

Die DAK wird den europäischen Schienengüterverkehr aus Sicht der RCG in mehrfacher Weise verbessern. Zum einen, weil Europa mit ihr einen technologischen Rückstand aufholt – neben Europa verwenden derzeit nur noch Nordkorea und Nordafrika die ineffiziente Schraubenkupplung. Zum anderen, leitet sie die Digitalisierung im Schienengüterverkehr ein, da mit ihr gleichzeitig auch eine Strom- und Datenversorgung in den gesamten Güterzug integriert werden kann. Das sei die Voraussetzung für zukünftige Innovationen im Bereich des intelligenten Güterverkehrs und in weiterer Folge für die automatisierte Betriebsführung.

Telematiklösung in der Umsetzung

Gemeinsam mit A1 Digital hat die RCG nach eigenen Aussagen die Telematiklösung „SmartCargo“ entwickelt, die Güterwagen intelligent machen soll. Das Gerät zeichne Bewegungen der Wagen auf, übermittele deren aktuelle Position und könne Stöße erkennen. Für die Zukunft ergeben sich interessante Anwendungsgebiete für Zusatzsensorik – insbesondere im Bereich der Erkennung defekter Radsätze, der Türsensorik und der Verwiegung von Güterwagen, so RCG. Insgesamt verbessere SmartCargo Kundeninformationen und optimiere auch interne Abläufe. Das Ziel: In Österreich sollen insgesamt 11.800 Güterwagen mit SmartCargo ausgestattet werden. Die 10.000er-Marke wurde bereits geknackt, wie es aus dem Unternehmen heißt. Unterdessen wurde auch schon in Ungarn mit der Aufrüstung der Flotte begonnen.

DAK in der Kooperation vorantreiben

Das Konsortium DAC4EU, bestehend aus dem Konsortiumsleader DB AG, den Güterbahnen ÖBB Rail Cargo Group, DB Cargo und SBB Cargo sowie den Wagenhaltern Ermewa, GATX Rail Europe und VTG, setzt sich dafür ein, Züge in ganz Europa mit der Digitalen Automatischen Kupplung auszustatten. Mit Juni 2020 hat das Konsortium seine Arbeit aufgenommen. Bis 2030 sollen Züge in ganz Europa mit der neuen Technologie ausgestattet sein und dazu beitragen, dass der Schienengüterverkehr eine wesentliche Rolle im europäischen Mobilitätssystem der Zukunft spielt. Das deutsche Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) finanziert das Projekt in der Projektlaufzeit von zweieinhalb Jahren mit rund 13 Millionen Euro, so RCG in der Pressemeldung.

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