Schienengüterverkehr: München ist jetzt digitales Testfeld

In München-Nord eröffnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den ersten digitalen Rangierbahnhof.

Die Modernisierung des Schienengüterverkehrs mit Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI), Sensorik und der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) nimmt Gestalt an. (Symbolbild: PBombaert/Adobe Stock)
Die Modernisierung des Schienengüterverkehrs mit Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI), Sensorik und der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) nimmt Gestalt an. (Symbolbild: PBombaert/Adobe Stock)
Sandra Lehmann
(erschienen bei Transport von Daniela Kohnen)

Am 7. Juni haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und DB Cargo Vorstandsvorsitzende Dr. Sigrid Nikutta das Testfeld für den ersten digitalen Rangierbahnhof in München eröffnet. Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V. begrüßte den Startschuss. VDB-Hauptgeschäftsführer Dr. Ben Möbius:

„Effizienter Rangierbetrieb ist ein Hidden Champion der sauberen Logistik der Zukunft. Nur wenn der klimafreundliche Schienengüterverkehr noch flexibler und schneller wird, kann sein Anteil massiv steigen – und nur so kann die EU ihre Klimaziele erreichen. Die Bahnindustrie liefert Technologien für den digitalen Rangierbetrieb, etwa Künstliche Intelligenz (KI), Sensorik und die Digitale Automatische Kupplung (DAK). Dieses Testfeld wird enorme Strahlkraft haben.“

Dieser Zeitpunkt für die Modernisierung der Schienenlogistik müsse nun gehalten werden, so Möbius. Für eine erfolgreiche Migration der DAK müssten rund 450.000 Güterwagen und 17.000 Lokomotiven in Europa umgerüstet werden. Diese Grundlageninvestition in die intelligente Logistik der Zukunft müsse ab 2022 eine Priorität europäischer Finanzplanung sein. Weiterhin müsse der Runde Tisch Schienengüterverkehr im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur seine essenzielle Arbeit weiterführen. Das Gremium hatte bereits vergangenes Jahr das Bundesprogramm „Zukunft Schienengüterverkehr“ verabschiedet, zu dessen Maßnahmen auch der Pilot München-Nord zählt.

Mit Recht setze sich die EU das Ziel, den Schienenanteil am europäischen Güterverkehr bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Doch um seiner Rolle für Clean Mobility gerecht zu werden, müsse der Schienengüterverkehr noch attraktiver werden, so Möbius weiter:

„Die Digitalisierung der Schienenlogistik schafft disruptiv mehr Kapazität, erhöht die Prozesseffizienz, verbessert den Einzelwagenverkehr und vernetzt verschiedene Verkehrsträger in einer nahtlosen Lieferkette intelligent miteinander - und das über europäische Grenzen hinweg.“

Die Schlüsseltechnologie für die nächste Generation der Bahnlogistik sei die DAK. Im Zusammenspiel mit dem digitalen Leit- und Sicherungssystem ETCS steigere die DAK enorm die Zuverlässigkeit und Flexibilität des Schienengüterverkehrs und verkürze Standzeiten in der Instandhaltung, wodurch sich die Zahl verfügbarer Güterwagen erhöhe. Besonders in automatisierten Rangierbahnhöfen, wie dem in München-Nord, könne die DAK ihr volles Potenzial entfalten und zudem die Arbeitssicherheit im Rangierbetrieb deutlich erhöhen.

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