Schienengüterverkehr: Kombi-Terminal in Horb unterstützt Verlagerung auf die Schiene

Im Horber Industriegebiet fand der Spatenstich für ein Kombi-Terminal statt. Dieses soll dazu beitragen, dass mehr Gütertransporte in dem Einzugsgebiet zwischen Stuttgart und Bodensee auf die Schiene verlagert werden.

Spatenstich für das neue Kombi-Terminal im Horber Industriegebiet Heiligenfeld: Die Umschlagsfläche soll direkt an der Gleisanlage entstehen. (Bild: Wolfgang Schlumberger)
Spatenstich für das neue Kombi-Terminal im Horber Industriegebiet Heiligenfeld: Die Umschlagsfläche soll direkt an der Gleisanlage entstehen. (Bild: Wolfgang Schlumberger)
Gunnar Knüpffer

Für ein Kombi-Terminal (KTH) im Horber Industriegebiet, das der Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene dient, hat am 25. Mai der erste Spatenstich stattgefunden. Anwesend waren Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und Investoren sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik, kommunizierte der Investor Plathe Grundbesitz am 26. Mai.

Die Horber Verladestation liegt in der Mitte der Schienenverbindung zwischen den deutschen Nordhäfen und dem Seehafen an der italienischen Adriaküste. Der Bau des Terminals soll zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Dazu wird die Gleisanlage zu großen Teilen erneuert und reaktiviert. Die moderne Infrastrukturanlage für das Einzugsgebiet zwischen Stuttgart und Bodensee soll bisher unerschlossene Logistikströme über die Schiene ermöglichen, teilte Plathe Grundbesitz mit. Logistikketten sollten dadurch nachhaltiger und effizienter gestaltet werden können.

Logistikweg als Alternative zur seeseitigen Umfahrung von Europa

Mit dem neuen Logistikweg, den es laut Investor in dieser Form im südlichen Baden-Württemberg bisher noch nicht gebe, könne eine seeseitige Umfahrung von halb Europa eingespart werden. Pro Containerschiff werden rund 4000 Kilometer Wegstrecke vermieden, was eine Lieferzeitverkürzung von bis zu acht Tagen bedeute. Rechnerisch würden dadurch nach Angaben von Plathe pro Schiffstransport auf dem Weg von Port Said am Suez-Kanal bis nach Hamburg knapp 8000 Tonnen CO2 eingespart.

Später soll das KTH durch das Intermodale Servicezentrum Horb ergänzt werden. Auf dieser Depotfläche, auf der es auch Reparatur- und Serviceeinrichtungen geben wird, können dann Container zwischengelagert werden.

Die entscheidenden Schritte zur Finanzierung der digitalen Zufahrtsweiche als Grundvoraussetzung für die Einschleusung der bis zu 500 Meter langen Containerzüge in den Bahnverkehr zu allen Tageszeiten habe zweifellos der frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel unternommen, sagte Investor Kurt Plathe. Fuchtel habe dafür gesorgt, dass der Bund über die DB Netze AG die Kosten übernimmt.

Der Impuls für das KTH sei von den Industrie- und Handelskammern gekommen, die vor über zehn Jahren nach einem Standort suchten, sagte Plathe. Auf die Fläche im Industriegebiet Heiligenfeld habe ihn dann der Haiterbacher Logistik-Unternehmer Horst Schuon aufmerksam gemacht, nachdem zuvor ähnliche Pläne in der Nachbargemeinde Eutingen gescheitert seien.

Das Terminal Horb komme genau zur richtigen Zeit, meinte Sebastian Doderer aus Bremen. Der Geschäftsführer von Necoss, Anbieter von Schienengüter-Verkehrsleistungen, sagte, dass der Anteil der Schiene an den landseitigen Verkehren in den vergangenen Jahren auf über 50 Prozent gewachsen sei.

„Diese Entwicklung ist bei weitem noch nicht abgeschlossen“, prognostizierte Doderer, zumal der Welthandel massiv unter Störungen der globalen Lieferketten und dem Fehlen wichtiger Rohstoffe durch Konflikte leide.

Angesichts geschlossener Häfen sowie übervoller Terminals in Stuttgart und Kornwestheim werde dringend weitere Kapazität gebraucht, meinte der Geschäftsführer. Necoss plant zum Start des Terminal-Betriebs zwei feste Zugumläufe pro Woche in die deutschen Nordseehäfen, zwei weitere wöchentliche Zugumläufe in den Hafen von Triest seien geplant. Je nach Bedarf seien weitere Abfahrten und die Einbindung zusätzlicher Hafenstandorte möglich.

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