Schienengüterverkehr: Finanzierung der Digitalen Automatischen Kupplung unklar

(dpa) Politik und Deutsche Bahn fordern klare Signale aus Brüssel.

Die Digitale Automatische Kupplung könnte nach einer zweijährigen Testphase in Serie gehen. Wichtige Fragen seien aus Sicht der Deutschen Bahn und der Politik jedoch ungeklärt. (Foto: Sina Schuldt/dpa)
Die Digitale Automatische Kupplung könnte nach einer zweijährigen Testphase in Serie gehen. Wichtige Fragen seien aus Sicht der Deutschen Bahn und der Politik jedoch ungeklärt. (Foto: Sina Schuldt/dpa)
Sandra Lehmann

Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) soll den europäischen Schienengüterverkehr revolutionieren. Weil sie das aufwendige und mitunter gefährliche Kuppeln von Güterwaggons per Hand überflüssig macht, können Züge schneller zusammengestellt werden. Der Transport soll dadurch effizienter und günstiger werden. Eine zweijährige Testphase von mehreren europäischen Bahnunternehmen ist inzwischen vorbei.

„Nun sollen erste Kunden im Schienengüterverkehr von der neuen Technik profitieren“, teilte Sigrid Nikutta, Chefin der Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, der Deutschen Presse-Agentur mit.

Doch aus Sicht des Konzerns und der Bundesregierung sind wichtige Fragen ungeklärt, vor allem was die Finanzierung angeht.

„Derzeit werden in ganz Europa Waggons noch tausendfach per Hand gekuppelt“, teilte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) der Deutschen Presse-Agentur mit. „Das muss sich endlich ändern.“ Die DAK sei dafür die richtige Technik. Es brauche aber ein Signal aus Brüssel.

„Denn die Umrüstung von Hunderttausenden Güterwagen und Loks können die Branche und die Mitgliedstaaten nicht allein stemmen.“

Vor rund zwei Jahren wurde ein erster Testzug mit der neuen Kupplung ausgestattet und mit einer Sonderzulassung quer durch Europa geschickt. Der Zug habe die Tests erfolgreich absolviert, betonte Nikutta. Nun sollen weitere Testphasen folgen, auch im Realbetrieb. Unter anderem die Stahlindustrie melde bereits großes Interesse an.

Wenn die DAK als neuer Systemstandard kommt, müssen rund eine halbe Million Güterwaggons in Europa entsprechend umgerüstet werden. Allein dafür schätzt die EU-Kommission die Kosten auf rund 13 Milliarden Euro, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Hinzu kommen demnach rund 230 Millionen Euro für den Betrieb von Testfahrzeugen im Kundeneinsatz sowie für den Aufbau einer Managementeinheit, die den Betrieb überwacht. Laut Kommission kommt die DAK auch der Gesellschaft zugute, etwa aufgrund geringerer Umwelt-Folgekosten, weil mit der Kupplung die Verlagerung des Güterverkehrs auf der Schiene gefördert werde.

„Es ist jedoch sehr schwierig, im Rahmen des derzeitigen mehrjährigen Finanzrahmens neue EU-Mittel für die DAK bereitzustellen“, teilte die Kommission mit und verweist auf die Branche und die Länder. „In Anbetracht des Umfangs der erforderlichen Unterstützung wird sicherlich ein erheblicher Beitrag der einzelnen Mitgliedstaaten und des Sektors, soweit möglich, erforderlich sein.“

Bahn und Bund sehen hingegen Brüssel in der Pflicht. Cargo-Chefin Nikutta wird am 2. April gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Wissing bei einer Veranstaltung der Kommission in der belgischen Hauptstadt erwartet, um für eine EU-Beteiligung zu werben. Für die Weiterentwicklung des Projekts würde der Konzern Bahnkreisen zufolge aber auch in Vorleistung gehen, um den Vertrieb anzuschieben. Ein einstelliger Millionenbetrag sei dafür bislang eingeplant, hieß es.

Frage der technischen Zulassung ungeklärt

Neben der Finanzierung ist auch die Frage einer EU-weiten Zulassung für die Technik ungeklärt. Laut EU-Kommission sind die technischen Voraussetzungen für eine standardisierte DAK zwar weitgehend definiert. "Es muss jedoch noch an der Fertigstellung der elektrischen und kommunikationstechnischen Schnittstellen und an der Entwicklung harmonisierter Betriebsverfahren für den Einsatz von DAK gearbeitet werden", hieß es. Offen ist demnach etwa die Zulassung von rund 100 geplanten Testzügen im Realeinsatz sowie die technische Umrüstung der bestehenden Güterwagenflotte. Die Kommission schätzt, dass der Zulassungsprozess insgesamt noch bis Ende 2025 dauert.