Schienengüterverkehr: Coronapandemie hat wenig negative Auswirkungen

Laut dem VDV ist der Schienengüterverkehr bislang gut durch die Krise gekommen, muss aber daran arbeiten, die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen.

Die Güterbahnen in Deutschland stehen laut dem VDV wegen steigender Energiepreise und dem Infrastrukturausbau vor großen Herausforderungen. (Symbolbild: Marco2811/AdobeStock)
Die Güterbahnen in Deutschland stehen laut dem VDV wegen steigender Energiepreise und dem Infrastrukturausbau vor großen Herausforderungen. (Symbolbild: Marco2811/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Die Coronapandemie hat das Geschäft der Güterbahnen in Deutschland bislang kaum negativ beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen in seiner Rückschau auf das Jahr 2021. Trotz dessen weißt die Interessenvertretung in einer entsprechenden Pressemeldung daraufhin, dass der notwendige Netzausbau, der Personalmangel sowie die steigenden Energiepreise die Wachstumsziele der Güterbahnen in Gefahr bringen könnten.

„Der Schienengüterverkehr ist unter dem Strich bis jetzt glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Die Branche hat gegenwärtig bessere Zahlen als noch vor der Pandemie. Gleichwohl sind diese für den notwendigen Aufwuchs und das Erreichen der Klimaschutzziele 2030 noch zu wenig“, hebt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff in einem Statement hervor. „Es gibt zahlreiche Stellschrauben beim Netzausbau, bei der Energiepreisentwicklung, wie auch beim Fachkräftemangel, an denen wir arbeiten müssen, um in eine deutlich verbesserte Entwicklung zu kommen - sowohl die Branche selbst als auch die Politik sind dabei gefordert.“

Zudem gäbe es äußere Faktoren, wie etwa beim Infrastrukturausbau, die steigenden Bau- und Materialkosten, die man als Wirtschaftszweig akzeptieren müsse.

„Unser Gutachten zum Schienengüterverkehr hat sachlich fundiert aufgezeigt, dass ein Marktanteil von 25 Prozent bis 2030 sehr ambitioniert aber auch realistisch erreichbar ist. Politik und Branche müssen umgehend die notwendigen Voraussetzungen schaffen, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, so Wolff.

Doch mit dem aktuellen und zukünftig gewollten Zuwachs im Schienengüterverkehr steige auch die Sorge der Güterbahnen um die Leistungsfähigkeit. Vor allem die zunehmenden Baumaßnahmen im deutschen Schienennetz könnten die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Transporte unter Umständen massiv beeinflussen. Aus Sicht des VDV ein notwendiges Übel:

„Die vermehrten Baustellen sind zunächst einmal ein hervorragendes Zeichen, dass es im Land vorangeht, dass wir Strecken modernisieren, ausbauen, digitalisieren. Gleichwohl brauchen wir stabilere Netze auch in Bauphasen, selbst wenn dies den finanziellen Aufwand steigert. Denn auch während der Bautätigkeiten muss die Schiene ein verlässlicher Verkehrsträger sein. Und das geht nur, wenn trotz Baumaßnahmen Trassen genutzt und Fahrpläne eingehalten werden“, sagt Wolff.

Dies erfordere Einsicht und Abstimmung auf allen Seiten. Man brauche einen strukturellen Wandel bei Bauvorhaben im Schulterschluss mit der Politik. Die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung sei laut VDV nicht kundenfreundlich genug. Hier müsse die Politik nachsteuern, damit nicht nur das wirtschaftlichste Angebot gewinne, sondern auch das gesamtwirtschaftlichste, indem zu jedem Zeitpunkt möglichst viel auf der Schiene transportiert werden könne. Das politisch wie branchenweit ins Auge gefasste Wachstum des Marktanteils im Schienengüterverkehr auf 25 Prozent könnte sonst verfehlt werden, so der Branchenverband. Die betriebliche Qualität war zuletzt infolge von Bautätigkeiten, Starkwettersituationen und weiteren Gründen teilweise erheblich gesunken.

„Wenn das Streckennetz nicht ausreichend zur Verfügung steht, steigt der Aufwand für die kapitalintensiven Transportmittel, für Personal sowie für die Netznutzung und für die Energie“, unterstreicht der VDV-Hauptgeschäftsführer.

Fahrstrom- und Dieselpreise seien außerdem ein wesentlicher Posten bei der Kalkulation von Personenbeförderungen wie Gütertransporten auf der Schiene.

„Diese Entwicklung wird nicht alle gleichermaßen treffen, wir müssen uns jedoch große Sorgen gerade um einzelne Eisenbahnunternehmen in allen Bereichen machen. Denjenigen, die das unter dem Stichwort Marktbereinigung diskutieren sei gesagt, dass es genau diese Unternehmen und ihre Kapazitäten sein werden, die uns fürs Erreichen der Ziele bei der Verkehrswende am Ende schmerzlich fehlen werden“, so Wolff.

Der VDV rät zu einer sachgerechten Reaktion des Bundes, um die angespannte Situation für die Branche zu lindern. Beispielsweise müsse darüber nachgedacht werden, die Trassenpreisförderung für den Fernverkehr auf der Schiene – gegenwärtig rund 50 Prozent Ermäßigung als ‚Coronahilfe‘ – auf einem maßvollen Niveau auch für 2022 weiterzuführen.

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