Schienengüterverkehr: Ceneri-Basistunnel eröffnet

Verlagerung auf die Schienenstrecke soll täglich 3.000 Lkw-Fahrten ersetzen.

Der Ceneri-Basistunnel, hier am Streckenabschnitt Camorino, ist am 4. September 2020 offiziell eröffnet worden. (Foto: AlpTransit AG)
Der Ceneri-Basistunnel, hier am Streckenabschnitt Camorino, ist am 4. September 2020 offiziell eröffnet worden. (Foto: AlpTransit AG)
Sandra Lehmann

Der Ceneri-Basistunnel, ein im Tessin gelegener 15,4 Kilometer langer zweigleisiger Zubringer zum Gotthard Basistunnel, ist am 4. September 2020 am Streckenabschnitt in Camorino offiziell eröffnet worden. Damit ist nach Angaben der AlpTransit Gotthard AG, die für die Fertigstellung des Tunnels verantwortlich war, nach 28 Jahren Bauzeit das Projekt Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) vollendet. Mit dem Bauvorhaben, das 1992 im Rahmen einer Volksabstimmung beschlossen wurde, soll die Verlagerungspolitik der Schweiz von Pkw und Lkw auf Güterbahn und öffentliche Verkehrsmittel sowie der Schutz des Naturraums Alpen vorangetrieben werden.

Fahrtzeit und CO2 gespart

Wie die jetzige Betreiberin des Ceneri-Basistunnels, die Schweizerische Bundesbahnen (SBB), mitteilte, wird durch die für Dezember 2020 geplante Inbetriebnahme insbesondere der Güterverkehr auf Nord-Süd-Korridor zwischen Rotterdam und Genua gestärkt. Auf dieser Strecke könnten ab Ende des Jahres rund zwei Stunden Fahrzeit eingespart werden. Bis zu 170 Güterzüge und 180 Passagierbahnen sollen die Strecke dann nutzen können. Zudem sei geplant, bei voller Auslastung des Tunnels täglich bis zu 3.000 Lkw-Fahrten von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Damit, so Vincent Ducrot, Generaldirektor der SBB, könnten bis zu 900 Tonnen CO2 eingespart werden. Geführt werden können der SBB zufolge Sattelauflieger mit einer Eckhöhe von bis zu vier Metern sowie Züge mit einer maximalen Länge von 750 Metern.

„Die NEAT war der Anstoß für eine intelligente Verlagerungspolitik, auf die wir bis heute stolz sein können“, sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in ihrer Rede anlässlich der Eröffnung. „Dieser Entscheid war mutig, und er war weitsichtig: für unser Land und für den Alpenschutz. Dank dem Ceneri erhält unsere Verlagerungspolitik neuen Schub.“

Der 1996 in einem Staatsvertrag festgelegte deutsche Teil des Rhein-Alpen-Korridors zu dem die Strecken Karlsruhe-Basel und Emmerich-Oberhausen gehören, ist indes noch nicht fertig. Sommaruga wies am Rande der Eröffnungszeremonie darauf hin, dass der Güterverkehrskorridor, zu dem der Ceneri- und der Gotthard-Basistunnel zählen, nur dann sein volles Potenzial entfalten könne, wenn alle beteiligten Partner an einem Strang zögen.

„Am Schluss funktioniert dieser Güterverkehrskorridor nur, wenn wirklich alle Staaten mit dabei sind. Und da hoffen wir und drücken Deutschland die Daumen, dass sie da jetzt ganz rasch vorwärtskommen“, sagte die Bundesratspräsidentin am 4. September der Rundfunkanstalt ARD gegenüber.

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