Schienengüterverkehr: Baustart für Betuwe-Linie in Deutschland

Dreigleisiger Ausbau zwischen Oberhausen und niederländischer Grenze.
Das sind die einzelnen Abschnitte des Ausbaus der Betuwe-Linie in Deutschland. Die Grafik gibt eine Übersicht über den Stand der Planfeststellungsverfahren der einzelnen Abschnitte. (Zur Vergrößerung des Bildes auf das Bild klicken, Quelle Grafik: Deutsche Bahn)
Das sind die einzelnen Abschnitte des Ausbaus der Betuwe-Linie in Deutschland. Die Grafik gibt eine Übersicht über den Stand der Planfeststellungsverfahren der einzelnen Abschnitte. (Zur Vergrößerung des Bildes auf das Bild klicken, Quelle Grafik: Deutsche Bahn)
László Dobos

Die Ausbauarbeiten der Bahnstrecke Emmerich-Oberhausen haben Ende vergangener Woche offiziell begonnen. Der Abschnitt ist der deutsche Teil der sogenannten Betuwe-Linie zwischen Rotterdam und Oberhausen. Die Kosten belaufen sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verkehrsministeriums auf 1,5 Milliarden Euro.

Ausbau auf drei Gleise

Im Mittelpunkt des Projekts steht der dreigleisige Ausbau der Strecke. Dies soll die Kapazität der Strecke erhöhen. Zudem sollen laut Deutsche Bahn viele Züge schneller vorankommen. Denn mit dem zusätzlichen Gleis sollen schnelle und langsame Züge auf getrennten Gleisen fahren und sich somit seltener behindern. Neben dem Ausbau auf drei Gleise wird auch die Leit- und Sicherungstechnik ausgebaut. Nach dem Ausbau soll der grenzüberschreitende Verkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland deutlich effektiver abgewickelt werden. Die Betuwe-Linie ist Teil des Güterverkehrskorridors zwischen Rotterdam und Genua. Im Zuge der Arbeiten werden auch 47 Brücken neu gebaut oder umgebaut und 55 Bahnübergänge beseitigt.

Zeitpunkt der Fertigstellung noch nicht klar

Weder die Deutsche Bahn, noch das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium gaben an, wann der Ausbau fertig sein sollte. Von den nötigen zwölf Planfeststellungsverfahren ist nach Angaben des Ministeriums lediglich eines abgeschlossen. Die Stadt Oberhausen hat sogar gegen das Projekt geklagt. Kritikpunkte sind der Lärmschutz sowie Uneinigkeiten bei der Löschwasserversorgung für Feuerwehren, die auf der Strecke löschen müssten.

Maßnahmen für den Bürgerdialog

Im Zuge des Ausbaus soll für die Anwohnerinnen und Anwohner an der Strecke ein wirksamer Schallschutz errichtet werden, wie der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek erläuterte: „Ganz wichtig ist es mir, dass die Menschen entlang der Strecke vor dem Bahnlärm geschützt werden. Deswegen werden insgesamt 75 Kilometer Schallschutzwände errichtet. Außerdem werden bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern schallschutzsichere Fenster eingebaut.“ Zudem will die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben die Umrüstung der Güterzüge mit Flüsterbremsen vorantreiben. Darüber hinaus sollen dreidimensionale Bilder bereits in der Planungsphase den Bürgern zeigen, wie die zukünftige Ausbaustrecke aussehen wird. Von dieser Art der Darstellung erhofft sich die Deutsche Bahn einen besseren Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. Zudem hat die Deutsche Bahn ein Informationszentrum in Wesel eingerichtet, um die Bürger über den Ausbau zu informieren.

Deutschland zehn Jahre hinter den Niederlanden

Bereits 1992 beschlossen die deutsche und die niederländische Regierungen den Ausbau der Betuwe-Linie. Die Niederlande verpflichteten sich, zwischen Rotterdam und der Grenzstadt Emmerich zum größten Teil eine komplett neue Strecke zu bauen. Deutschland sagte zu, den 73 Kilometer langen Abschnitt zwischen Emmerich und Oberhausen von zweigleisig auf dreigleisig auszubauen. Während Königin Beatrix den fertigen niederländischen Abschnitt bereits 2007 offiziell eröffnet hatte, fangen die Bauarbeiten in Deutschland jetzt an. Der Hafen Rotterdam schreibt auf seiner Homepage, dass derzeit 70 Prozent aller Güterzüge zwischen den Niederlanden und Deutschland über die Betuwe-Linie fahren. Im Jahr 2023 sollen nach der Prognose des Hafens dann 160 Züge pro Tag über die deutsche Grenze rollen.

Printer Friendly, PDF & Email