Schiene: Bahnstreik könnte Auswirkungen auf die Wirtschaft haben

(dpa) Die Industrie in Bremen und Niedersachsen steht ob der Einschränkungen vor Herausforderungen.

Der Streik der GDL könnte auch die Wirtschaft in Deutschland beeinträchtigen. (Foto: Robert Michael/dpa)
Der Streik der GDL könnte auch die Wirtschaft in Deutschland beeinträchtigen. (Foto: Robert Michael/dpa)
Sandra Lehmann

Am 6. März um 18:00 Uhr hat der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im Güterverkehr begonnen, seit Donnerstagmorgen 2:00 Uhr gilt der Ausstand auch im Personennah- und -fernverkehr der Deutschen Bahn. Wie die GDL im Vorfeld mitteilte, sollen die Arbeitsniederlegungen im Schienengüterverkehr bis Freitag 5:00 Uhr andauern, im Personenverkehr werde bis Freitag 13:00 Uhr gestreikt.

Müssen Zugreisende und Berufspendler sich auf lange Wartezeiten oder auf alternative Verkehrswege einstellen, befürchtet die Wirtschaft in Deutschland massive Beeinträchtigungen durch den GDL-Streik. Von der Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn, der DB Cargo, werden rund 40 Prozent des Schienengüterverkehrsvolumens in Deutschland abgewickelt. Insbesondere der Einzelwagenverkehr nimmt bei dem Unternehmen einen großen Stellenwert ein, über den Industriebetriebe, Stahlwerke, Hochöfen sowie Fabriken beliefert werden. Zudem handelt es sich bei DB Cargo um eine Netzwerkbahn, die länderübergreifend sowie im Zusammenspiel mit anderen Logistikpartnern agiert. Der Rest des Schienengüterverkehrs entfällt auf private Bahnunternehmen, die vom Streik nicht betroffen sind.

Sorge aufseiten der Wirtschaft

Dennoch macht sich insbesondere die Industrie in Bremen und Niedersachsen Sorgen wegen des Stillstands auf dem Gleis. Zumindest jene Unternehmen, die regelmäßig den Schienengüterverkehr nutzen, bereite der Ausstand Kopfzerbrechen. Das geht aus einer stichprobenartigen Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei großen Unternehmen hervor.

Volkswagen teilte der dpa mit, die wiederholten Streiks stellten den Konzern vor Herausforderungen. Das Unternehmen stehe im engen Austausch mit Logistikpartnern, passe sich an die Situation an und verlege Transporte unter anderem auf die Straße. Störungen in den Produktionsabläufen seien allerdings nicht auszuschließen - auch nach dem Ende des Ausstands, sagte ein Sprecher. Im VW-Werk in Emden wird in dieser Woche unter anderem wegen Problemen bei Zulieferern ohnehin nicht produziert.

Die Salzgitter AG berichtet, im engen Austausch mit DB Cargo zu sein. „In einer derzeit eh angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation bringt der Streik weitere Belastungen mit sich“, sagte ein Sprecher des Stahlwerkes. Vom Automobilzulieferer Continental aus Hannover hieß es, das Unternehmen setze ohnehin meist nicht auf Güterzüge.

Bremenports von Streik betroffen

Die genauen Auswirkungen könnten noch nicht abgeschätzt werden, hieß es vom Betreiber des Bremerhavener Containerhafens Bremenports. Mit regulär bis zu 500 Zügen pro Woche sei Bremerhaven allerdings der deutsche Eisenbahnhafen, sagte ein Sprecher. Mehr als die Hälfte aller landseitigen Anlieferungen an das Terminal komme mit dem Zug. Generell sei der Hafen aber streikerprobt. Vermutlich würden Waren mit anderen Eisenbahn-Unternehmen oder per Lastwagen angeliefert. Einen Stau bei den Frachtschiffen als Folge von Verzögerungen erwartet der Sprecher nicht.

Wie die Deutsche Bahn am Mittwochabend mitteilte, werde der Konzern alles dafür tun, dass es für Industrie und Wirtschaft in Deutschland nicht zu Einschränkungen kommt. Der GDL-Streik könnte sich schnell auf gesamteuropäische Lieferketten auswirken, denn 60 Prozent der Züge von DB Cargo fahren über mindestens eine EU-Grenze, heißt es vonseiten des Unternehmens. Nach Angaben von DB Cargo fährt das Unternehmen bis zu 20.000 Güterzüge pro Woche. Ein Streik, insbesondere, wenn er sich über mehrere Tage erstreckt, könnte aus Sicht des Dienstleisters vor allem die Stahl-, Automobil- und Chemieindustrie sowie die deutschen Seehäfen treffen.

Furcht vor Wellenstreiks

Besorgt zeigt sich der DB-Konzern auch über die von GDL-Chef Claus Weselsky angekündigten Wellenstreiks. Diese bedeuten, dass Arbeitsniederlegungen nicht mehr mehrere Tage vorher angekündigt werden. Die Erstellung eines Notfallfahrplans oder die alternative Disposition von Güterzügen ist dann aus Sicht der Deutschen Bahn nicht mehr möglich. Mit den Wellenstreiks wolle die GDL nach Aussagen von Weselsky nach Beendigung des aktuellen Streiks starten.