SAF: Lufthansa Cargo und Kühne+Nagel kooperieren zu CO2-neutralem Kraftstoff

Die beiden Logistikdienstleister wollen den Produktionsstandort für synthetisches Rohöl in Werlte/Emsland durch den Kauf von umgerechnet 20 Tonnen jährlich unterstützen.

Sustainable Aviation Fuels (SAF) gelten als wesentliche Säule auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen. (Foto: Lufthansa Cargo)
Sustainable Aviation Fuels (SAF) gelten als wesentliche Säule auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen. (Foto: Lufthansa Cargo)
Therese Meitinger

Kühne+Nagel und Lufthansa Cargo haben eine exklusive Partnerschaft zur Förderung und Nutzung von Power-to-Liquid-Flugkraftstoff vereinbart. Die Logistikdienstleister haben sich laut einer Pressemitteilung vom 4. Oktober gemeinsam darauf verpflichtet, den nach Firmenangaben weltweit ersten Produktionsstandort für synthetisches Rohöl in Werlte/Emsland in Deutschland durch den Kauf von umgerechnet 20 Tonnen, also 25.000 Liter, jährlich zu unterstützen. Der darauf basierende synthetische Kraftstoff solle den CO2-Fußabdruck von Flugzeugtriebwerken künftig weiter reduzieren, so die Mitteilung. Betrieben wird der Produktionsstandort in Werlte durch die Klimaschutzorganisation Atmosfair.

„Wir sehen den Schlüssel zu einer nachhaltigen Reduktion unserer Emissionen im Flugbetrieb ganz klar in der Erforschung und Nutzung von synthetischen, nachhaltigen Flugkraftstoffen“, erläuterte Dorothea von Boxberg, CEO Lufthansa Cargo, die strategischen Hintergründe zur Partnerschaft mit Kühne+Nagel.

Dass man nun zusammen mit Kühne+Nagel Pionierarbeit bei der Power-to-Liquid-Technologie leiste, mache das Unternehmen besonders stolz.

Yngve Ruud, Mitglied der Geschäftsleitung der Kühne+Nagel International AG, verantwortlich für den Bereich Luftfracht, kommentierte:

„Zusammen mit unserem Partner Lufthansa Cargo ermöglichen wir die weltweit erste Power-to-Liquid-Kraftstoffproduktion und senden ein starkes Signal des Engagements und der Kooperation. Wir laden unsere Marktbegleiter und Kunden dazu ein, gemeinsam und heute die Voraussetzungen für klimaneutrales Handeln zu schaffen.“

Auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen

CO2-neutrale Kraftstoffe beziehungsweise Sustainable Aviation Fuels (SAF) sind eine wesentliche Säule auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen. Diese Kraftstoffe können auf verschiedene Arten produziert werden. Bisher nutzen Lufthansa Cargo und Kühne+Nagel nach Eigenangaben Sustainable Aviation Fuels biogenen Ursprungs, also synthetisches Kerosin, das beispielsweise auf gebrauchten Speiseölen basiert. Bei synthetischem Kerosin, das auch als Power-to-Liquid-Kraftstoff bekannt ist, entsteht das synthetische Rohöl hingegen aus regenerativ erzeugtem Strom, Wasser und CO2.

Aufgrund dieses Verfahrens, gilt PTL basierter Flugkraftstoff als CO2-neutral. Die strombasierten Kraftstoffe befänden sich aktuell noch in der Entwicklung hin zu einer industriellen Herstellung, sie gelten aber schon heute als langfristige Alternative zu herkömmlichem Kerosin oder biogenem SAF, da sie theoretisch ohne Verfügbarkeitsgrenzen produziert werden sollen, gibt Lufthansa Cargo an.

Atmosfair, eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation mit Sitz in Berlin, hat eine eigene Anlage zur Herstellung von sogenanntem „syncrude“ gebaut. Syncrude ist die mittels Power-to-Liquid hergestellte Alternative zu fossilem Rohöl. Dieses Rohöl wird anschließend in der Raffinerie Heide nördlich von Hamburg zu fertigem Treibstoff Jet A1 für Flugzeuge veredelt, in das Gesamtvolumen der Raffinerie eingespeist und an den Flughafen Hamburg geliefert. Diese erste industrielle Anlage ist Firmenangaben zufolge bislang einzigartig in Deutschland. Den Regelbetrieb plant Atmosfair für das erste Quartal 2022.

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