Rohstoffstudie: Lieferketten-Engpässe verlieren an Bedeutung

Rohstoffpreise wirken sich laut einer Studie von Inverto massiver als andere Kostentreiber auf das Geschäftsergebnis aus.

Hohe Energiekosten - beispielsweise für die Materialbearbeitung - bleiben für Unternehmen laut einer Inverto-Studie ein Thema. (Symbolbild: Parilov / AdobeStock)
Hohe Energiekosten - beispielsweise für die Materialbearbeitung - bleiben für Unternehmen laut einer Inverto-Studie ein Thema. (Symbolbild: Parilov / AdobeStock)
Therese Meitinger

Hohe Rohstoff- und Energiepreise belasten Unternehmen auch in 2023, weitere Preissteigerungen werden zukünftig kaum noch erwartet. Doch nicht nur die Preise machen den Firmen Sorgen, auch rückläufige Absatzmengen und Personalknappheit sind große Herausforderungen. Zu diesen zentralen Ergebnissen gelangt die aktuelle Rohstoffstudie der Kölner Unternehmensberatung Inverto. Eine Pressemitteilung vom 13. September berichtet darüber.

Knapp 100 Entscheider aus Geschäftsführung und Einkauf, überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum und Großbritannien, nahmen demnach an der diesjährigen Rohstoffstudie teil. Die Hälfte der Befragten stammt aus dem produzierenden Gewerbe. Darüber hinaus beteiligten sich Ansprechpartner aus den Bereichen Dienstleistung, Logistik und dem Handel. 70 Prozent der befragten Unternehmen haben Inverto zufolge ein Einkaufsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro. Umfragezeitraum war März bis Juni 2023.

Keine starken Preisanstiege erwartet

Laut 78 Prozent der Studienteilnehmer wirken sich die Rohstoffpreise massiver als andere Kostentreiber auf das Geschäftsergebnis aus. Auch die hohen Energiepreise belasten der Studie zufolge weiterhin 70 Prozent der befragten Unternehmen. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Bedeutung beider Faktoren jedoch abgenommen, heißt es. Mit starken Preisanstiegen rechnen demnach nur noch sieben Prozent der Befragten, ein deutlich geringerer Anteil als in 2022 (49 Prozent). Auch die Versorgungslage hat sich laut der Erhebung bei vielen Rohstoffen deutlich entspannt. So nehmen nur noch 28 Prozent der Unternehmen eine Knappheit wahr. 78 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine bedarfsdeckende Rohstoffverfügbarkeit in den nächsten zwölf Monaten für alle beziehungsweise die meisten Rohstoffe.

Schwindender Absatz wird zum Problem

Rückläufige Absatzmengen sind nach Angaben von Inverto für Unternehmen eine zusätzliche Herausforderung. 43 Prozent der befragten Unternehmen geben in der Studie an, dass Auftragsrückgänge ihr Geschäftsergebnis maßgeblich beeinflussen. Dies sind deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Knappe personelle Ressourcen im Einkauf haben demnach auch weiterhin eine hohe Relevanz und führen zu internen Belastungen.

„Die rückläufigen Absatzmengen und der damit geringere Beschaffungsbedarf können zu einer Entlastung der knapp besetzten Einkaufsabteilungen beitragen“, erklärt Justus Brinkmann, Senior Project Manager und Rohstoffexperte bei Inverto. „Dennoch bleiben agile Zusammenarbeit, Anpassungsvermögen an aktuelle Gegebenheiten sowie optimale Priorisierung essenziell für die Teams“, führt Brinkmann weiter aus.

Er empfiehlt die Nutzung von Business Intelligence Tools. Diese haben seiner Einschätzung nach das Potenzial, Prozesse effizienter zu gestalten und damit knapp besetzte Abteilungen zu entlasten.

Near- und Friendshoring als Option mit Herausforderungen

Near- und Friendshoring gewinnen laut der Inverto-Erhebung an Bedeutung. 51 Prozent der Befragten sehen Friendshoring als Option, um Probleme durch Preisschwankungen sowie Verfügbarkeit zu lösen beziehungsweise zu mildern. Jedoch sehen einige Studienteilnehmer Schwierigkeiten in der Umsetzung, weil Rohstoffe nicht überall verfügbar sind: Für 38 Prozent der Befragten ist die Anwendbarkeit von Nearshoring daher nicht gegeben. Mit Blick auf Friendshoring-Optionen liegt dieser Anteil bei 27 Prozent. EU-Staaten und andere westliche Nationen stehen im Fokus bei Near-und Friendshoring Partnerschaften. 61 Prozent der Befragten halten Partnerschaften innerhalb der EU für möglicher als Partnerschaften außerhalb der EU (37 Prozent).

Die Relevanz des „Critical Raw Materials Act“ der Europäischen Union (EU) wird von den Teilnehmern der Studie unterschiedlich beurteilt. 39 Prozent der von Inverto befragten Unternehmen erwarten mittel- bis langfristig eine Verbesserung der Rohstoffversorgung durch den Raw Materials Act. Für die Mehrheit von 61 Prozent hingegen führt das Gesetz kurzfristig zu keiner Verbesserung der Rohstoffversorgung. Um die Versorgungssicherheit zukünftig gewährleisten zu können, wünscht sich die Mehrheit der Befragten, dass die EU für stabile und niedrige Energiepreise sorgt (76 Prozent), den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt (71 Prozent) und komplexe Genehmigungsverfahren vereinfacht (67 Prozent).