Robotik: ZF schickt SOTO von Magazino in den Testlauf

Mit dem Pilotprojekt möchte der Konzern die Nachschubversorgung für die Produktionslinie automatisieren.

Der Roboter teilt sich die Verkehrswege mit Gabelstaplern, Flurförderfahrzeugen, FTS und Routenzügen. | Bild: Magazino
Der Roboter teilt sich die Verkehrswege mit Gabelstaplern, Flurförderfahrzeugen, FTS und Routenzügen. | Bild: Magazino
Sandra Lehmann
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Mithilfe des Münchener Robotikunternehmens Magazino will der Technologiekonzern ZF die Materialversorgung zwischen Lager und Montagelinie optimieren. Der mobile Roboter SOTO soll Kleinladungsträger vollständig autonom transportieren. Der Roboter operiere in einer sehr verkehrsreichen Arbeitsumgebung, wie es heißt. Zahlreiche weitere Verkehrsteilnehmer wie Gabelstapler, Flurförderfahrzeuge, FTS und Routenzüge teilen sich dort die Verkehrswege.

„ZF sieht in mobilen Robotern wie SOTO ein elementares Element, um Logistik-Prozesse in der Produktion vollständig zu automatisieren, die Mitarbeiter zu unterstützen und Kosten zu reduzieren. Die Ziele des Pilotprojektes sind: Beide Seiten sammeln Erfahrung für den späteren Livebetrieb, ZF kann eigene Anforderungen in die Entwicklung einbringen, Magazino kann den Roboter weiter optimieren und dessen Prozesse robuster gestalten“, so Dr. Hermann Becker, Produktionsleiter bei ZF am Standort Friedrichshafen.

Ein entsprechender Pilotbetrieb startete im September 2021 am Standort Friedrichshafen in der Getriebemontage für Nutzfahrzeuge. Der auf ein Jahr Laufzeit ausgelegte Live-Test soll beiden Seiten die Möglichkeit bieten, Erfahrung mit dem Roboter zu sammeln. In diesem Zeitraum wird ein Vorserienmodel des Roboters in mehreren Präsenzphasen in der Produktionsumgebung eingesetzt.

Erstmals werde dabei die VDA 5050 Schnittstelle bei einem Robotersystem von Magazino implementiert. Die branchenübergreifende Schnittstelle hilft vor allem bei der übergeordneten Verkehrssteuerung in der Werkshalle.

„Der Roboter SOTO übernimmt den Transport von durchschnittlich mehr als 10 KLT mit Material vom Auslagerstich bis an die Montagelinie. Hier übergibt der Roboter die KLT in Schrägschachtregale. Gleichzeitig wird dabei auch der Rücktransport von Leergut übernommen. Die VDA-Behälter können dabei ein Gewicht von bis zu 20 Kilogramm erreichen und eine Grundfläche von bis zu 600 mal 400 Millimeter betragen. Kameras und Sensoren erlauben den sicheren Betrieb parallel zum Menschen – über Data Matrix Codes (DMC) werden mit den Kameras auch die korrekten Aufnahme- und Abgabeschächte identifiziert“, so Markus Ruder, der verantwortliche Projektmanager bei Magazino.

Zwischen ZF und Magazino besteht bereits eine Entwicklungspartnerschaft. Dabei wurde unter anderem der Prototyp des Roboters sowie der Greifmechanismus für unterschiedliche Kleinladungsträger (KLT) getestet.

Während Montagelinien in der produzierenden Industrie heute hochgradig automatisiert sind, findet die Versorgung mit Nachschub überwiegend noch manuell statt. Bisherige Lösungen wie Routenzüge oder einfache Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTS) automatisieren den Prozess nicht vollständig, da beim Be- oder Entladen jeweils wieder manuelle Arbeit erforderlich wird. Der Roboter SOTO soll diese Prozessschritte in einer einzigen, vollständig autonomen Lösung kombinieren.

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