Robotik-Trends: Warum AMR die Zukunft gehört

Laut IFR eignen sich Industrieroboter auch, um Lieferketten abzusichern und die Klimabilanz zu verbessern

Kombinierte Robotik-Lösungen liegen aut IFR im Trend. Hier ist etwa "LARA" (Lightweight Agile robotic assistant) auf einem MAV ("Multi-Sensing Autonomous vehicle") befestigt - und palettiert Produkte. (Foto: Neura Robotics)
Kombinierte Robotik-Lösungen liegen aut IFR im Trend. Hier ist etwa "LARA" (Lightweight Agile robotic assistant) auf einem MAV ("Multi-Sensing Autonomous vehicle") befestigt - und palettiert Produkte. (Foto: Neura Robotics)
Therese Meitinger

Die Zahl der weltweit installierten Industrieroboter hat sich innerhalb von zehn Jahren (2010-2019) mehr als verdreifacht und erreichte zuletzt eine Stückzahl von 381.000 Einheiten per annum. Das berichtete am 17. Februar die International Federation of Robotics. Sie benennt fünf Toptrends, die die industrielle Fertigung rund um den Globus derzeit prägen.

„Die Industrieroboter befinden sich in einer Poleposition, wenn es darum geht die traditionelle Produktion mit 'Digitalstrategien' zu verbinden“, sagt Dr. Susanne Bieller, Generalsekretärin des IFR.

Roboter lernen neue Tricks: Industrieroboter werden laut IFR zunehmend mit KI-Software, Bildverarbeitung und anderen Sensorsystemen ausgestattet, um neue anspruchsvolle Aufgaben zu meistern. Ein Beispiel dafür sei das Sortieren von Abfällen auf einem Förderband, das bisher nur von menschlichen Händen erledigt werden konnte, so der Verband. Die neuen Roboter-Generationen seien einfacher zu installieren und programmieren und sie seien vernetzbar. Fortschritte bei den Kommunikationsprotokollen ermöglichen inzwischen die nahtlose Integration von Robotern in Automatisierungs- und Industrie-4.0-Strategien.

Roboter arbeiten in intelligenten Fabriken: Die Automobilindustrie ist laut IFR Vorreiter für Smart-Factory-Lösungen und nutzt Industrieroboter an Stelle von Fließbändern, die die traditionelle Automobilproduktion seit mehr als 100 Jahren dominierten. Die Zukunft gehöre dem vernetzten Zusammenspiel von Robotern und autonom fahrenden Fahrzeugen - oder besser gesagt autonomen mobilen Robotern (AMRs), ist der Verband überzeugt. Ausgestattet mit moderner Navigationstechnik sind diese mobilen Roboter wesentlich flexibler als herkömmliche Fertigungsstraßen. Karosserien werden mittels fahrerloser Transportsysteme befördert. Sie können von der Fließbandfertigung abgekoppelt und zu Montagestationen umgeleitet werden, an denen sich individuell ausgestattete Varianten montieren lassen. Bei vollständigen Modellwechseln müssen nur die Roboter und AMRs neu programmiert werden, statt die gesamte Produktionslinie ab- und umzubauen. Gleichzeitig nimmt laut IFR die Integration von Arbeitsplätzen mit Mensch-Roboter-Kollaboration an Fahrt auf, und Roboter arbeiten zunehmend Hand in Hand mit Menschen zusammen, ganz ohne Schutzzaun.

Roboter für neue Märkte: Die Durchbrüche bei der Vernetzung tragen der IFR zufolge dazu bei, dass Roboter vermehrt in Fertigungssektoren eingesetzt werden, die Automation erst kürzlich für sich entdeckt haben. Dazu zählen beispielsweise die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Textilindustrie sowie Holzverarbeitungs- und Kunststoffwirtschaft. Die fortschreitende digitale Transformation werde zu völlig neuen Geschäftsmodellen führen, da die Produzenten leichter denn je diversifizieren können, so die IFR. In der smarten Fabrik ließen sich verschiedene Produkte im schnellen Wechsel nacheinander auf derselben Anlage montieren - die starre traditionelle Fertigungsstraße habe bald ausgedient.

Roboter helfen beim Klimaschutz: Die Anforderung an die Industrie, künftig möglichst CO2-neutral zu produzieren, fördert Investitionen in moderne Robotertechnologie, argumentiert die IFR. Moderne Roboter arbeiteten energieeffizient und reduzierten mit ihrem Einsatz unmittelbar den Energieverbrauch der Produktion. Aufgrund ihrer Präzisionsarbeit wird laut IFR zudem weniger Ausschuss und fehlerhafte Ware produziert, was sich positiv auf den Ressourceneinsatz und Output auswirkt. Darüber hinaus sind Roboter auch bei der kosteneffizienten Produktion von Anlagen für erneuerbare Energien im Einsatz. Dazu zählt beispielsweise die Herstellung von Fotovoltaikmodulen oder Wasserstoff-Brennstoffzellen.

Roboter sichern Lieferketten: Die Pandemie hat Schwächen in den globalisierten Lieferketten sichtbar gemacht. Für Hersteller besteht laut IFR jetzt die Möglichkeit, Versorgungswege mit einer völlig neuen Perspektive zu denken. Wenn Automatisierung die Produktionsbedingungen angleiche, gewännen Hersteller eine neue Flexibilität, die in Hochlohnregionen wie den meisten Ländern der Europäischen Union, Nordamerika, Japan oder Südkorea bisher vielleicht nicht zur Verfügung stand. Die Automation mit Robotern bietet dem Verband zufolge Produktivität, Flexibilität und Sicherheit.

„Die Fortschritte bei den Robotertechnologien tragen zu einem steigenden Robotereinsatz bei", sagt Dr. Susanne Bieller, Generalsekretärin der IFR. „Die Covid-19-Pandemie hat selber keine neuen Trends ausgelöst, aber sie hat den Einsatz von Robotik über die etablierte Praxis hinaus beschleunigt. In dieser Hinsicht erweist sich die Pandemie als die größte Triebkraft für Veränderungen in der Industrie.“

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