Robotik: Diskussionspanel nimmt Nachhaltigkeit in den Fokus

Ein Round Table anlässlich der automatica 2022 diskutierte über geeignete Nachhaltigkeitsmaßnahmen in automatisierten Wirtschaftszweigen.

Ein Round Table mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutierte auf der automatica 2022 wie Roboter dabei helfen können, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. (Foto: Lehmann)
Ein Round Table mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutierte auf der automatica 2022 wie Roboter dabei helfen können, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. (Foto: Lehmann)
Sandra Lehmann

Das Thema Nachhaltigkeit ist längst auch in vielen Wirtschaftsbereichen angekommen, die bereits über einen hohen Automatisierungsgrad verfügen. Wie der Einsatz von Robotik dazu beitragen kann, die globalen Ziele in Bezug auf Umwelt- und Ressourcenschutz zu erreichen, war Thema eines Round Table mit dem Titel „Sustainable! How robots enable a green future“ mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik, der am 21. Juni anlässlich der Fachmesse automatica stattfand und von der International Federation of Robotics (IFR) ausgerichtet wurde. Insbesondere für Bereiche wie die Automobilbranche bestehe in Sachen Nachhaltigkeit Handlungsbedarf, erläuterte Gwenole Cozigou, Director Construction and Machinery der Europäischen Kommission. Er wies daraufhin, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Neufahrzeuge innerhalb der EU angeboten werden dürfen. Dazu müssten nicht nur die Modelle selbst, sondern auch die Produktionsbedingungen und Lieferketten angepasst werden. Möglich werde das Stephen Travers, Director Digitization & Production System bei Mercedes Benz, zufolge vor allem durch Technologieeinsatz in Fertigung und Logistik.

„Insbesondere in der Automobilwirtschaft könnten stetige Weiterentwicklungen der Robotik mit entsprechender Software und Komponenten dazu beitragen, Energie einzusparen und Produktionszyklen zu verkürzen.“

Ein Weg das von Travers genannte Ziel zu erreichen, ist aus Sicht von Dr. Joachim Döhner, Senior Director Global Sales, Business Unit Battery der Kuka Systems GmbH sowie Vorsitzender der VDMA Fachabteilung Batterieproduktion, Roboter bereits in der Designphase so zu gestalten, dass diese mit weniger Material auskommen sowie einen geringeren Energieverbrauch haben. Darüber hinaus müsse am Lebenszyklus der Anwendungen gearbeitet werden, wie Döhner betonte.

„Wir müssen Automationslösungen möglichst langlebig gestalten, um wertvolle Ressourcen einzusparen. Besonders in Europa ist dafür noch sehr viel Potenzial vorhanden.“

Aus Sicht von Christophe Coulongeat, Executive Preseident von Stäubli Robotics, spreche man in diesem Zusammenhang von Modellen, die 20 bis 40 Jahre eingesetzt werden könnten.

„Dazu müssen Roboter leichter werden, besser handhabbar sein und außerdem effizienter zu warten sein“, sagte Coulongeat. Zudem schlug der Experte vor, Robotern wenn möglich ein zweites Leben zu schenken, indem diese aufgearbeitet und in anderen Bereichen eingesetzt würden.

Ergänzend dazu wies Cozigou darauf hin, dass auch die Recyclingfähigkeit von Robotern eine bedeutende Rolle in Sachen Nachhaltigkeit spiele.

„Die Lösungen müssen zukünftig Teil einer Kreislaufwirtschaft werden. Wir müssen uns überlegen, wie wir Materialien wiederverwenden und Komponenten weiternutzen können.“

Marc Segura, Robotics Division President beim Anbieter ABB, sieht beim Thema Nachhaltigkeit in der Robotikindustrie auch eine Optimierung der Wertschöpfungskette als unerlässlich an.

„Wir müssen darüber nachdenken, woher wir das Material für Roboter und insbesondere für die Batterietechnik beziehen. Aber auch wo wir letztendlich fertigen.“

Dazu zähle für den Experten eine noch engere Verschmelzung von Produktion und Logistik, die nicht nur dabei helfe unnötige Wege einzusparen, sondern auch resilienter gegenüber Lieferkettenstörungen zu werden, von denen die Automationsbranche laut Segura besonders stark betroffen ist.

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