Robotik: Automationsbranche verzeichnet Nachfrageboom

Der Wirtschaftszweig leidet jedoch unter den Auswirkungen gestörter Lieferketten.

Gaben Auskunft über die Entwicklung der Robotik- und Automationsbranche (v.l.n.r.): Patrick Schwarzkopf, VDMA R+A; Frank Konrad, Hahn Automation und Dr. Reinhard Pfeiffer, Messe München. (Foto: Lehmann)
Gaben Auskunft über die Entwicklung der Robotik- und Automationsbranche (v.l.n.r.): Patrick Schwarzkopf, VDMA R+A; Frank Konrad, Hahn Automation und Dr. Reinhard Pfeiffer, Messe München. (Foto: Lehmann)
Sandra Lehmann

Die Robotik- und Automationsbranche freut sich über volle Auftragsbücher. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres sind die Auftragseingänge um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das teilte der Fachverband Robotik und Automation des VDMA am 21. Juni 2022 anlässlich Leistungsschau automatica mit, die an diesem Tag ihre Pforten auf dem Münchner Messegelände geöffnet hat. Nach Verbandsangaben hatte sich die dynamische Marktentwicklung bereits 2021 angekündigt. Der Branchenumsatz sei mit 13,6 Milliarden Euro und einem Plus von 13 Prozent im vergangenen Jahr stärker gestiegen als erwartet.

Lieferkettenprobleme belasten

Allerdings profitiere der Wirtschaftszweig nur bedingt von dieser Entwicklung, da gestörte Lieferketten einen Teil des positiven Effekts zunichtemachten. Insbesondere der Mangel an Elektrotechnik- und Elektronikkomponenten verlängere die Lieferzeiten.

„Die Robotik- und Automationsbranche hat Hochkonjunktur. Die in den Büchern stehenden Aufträge werden die Anbieter jedoch nicht so schnell wie gewohnt abarbeiten können. Jetzt gilt es, Engpässe in den Lieferketten zu managen“, sagte Frank Konrad, Vorsitzender des VDMA Robotik + Automation anlässlich der Vorstellung des Zahlenwerks.

Trotz der momentan angespannten Situation in den Lieferketten fällt die Umsatzprognose des Wirtschaftszweigs für 2022 mit einem Plus von sechs Prozent positiv aus. Der Verband erwarte demnach, dass die Umsätze im laufenden Jahr auf 14,4 Milliarden Euro steigen.

Unterschiedliche Entwicklung

Die drei Teilbranchen des Bereichs Robotik und Automation entwickelten sich dem VDMA zufolge 2021 unterschiedlich. Die Sparte Industrielle Bildverarbeitung legte um 16 Prozent zu: Der Branchenumsatz erreichte 3,1 Milliarden Euro. Der Umsatz der Robotik stieg um 13 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Integrated Assembly Solutions verzeichnete einen Umsatzzuwachs von elf Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. VDMA Robotik + Automation prognostiziert für 2022 in den Integrated Assembly Solutions ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. In der Robotik wird ein Zuwachs von fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro erwartet. In der Industriellen Bildverarbeitung wird ebenfalls mit einem Plus von fünf Prozent gerechnet, das entspricht einem Umsatz von 3,2 Milliarden Euro.

„Die Robotik und Automation steuert 2022 damit nahezu das starke Vorkrisenniveau von 14,7 Milliarden Euro aus dem Jahr 2019 an“, so Konrad.

Als Themen und Trends für das laufende sowie das kommende Jahr sieht der Verband nachhaltige Produktion, die Arbeitswelt der Zukunft, den Boom der mobilen Robotik in der Intralogistik sowie den Fachkräftemangel. „Der Arbeitskräftemangel lässt sich durch Robotik und Automation allein nicht lösen“, sagte Konrad.

„Die Unternehmen bemühen sich nach Kräften, dem Mangel an Nachwuchskräften zu begegnen. Allerdings brauchen wir ein stärkeres Engagement von der Politik: Der Personalmangel droht nach den Disruptionen in den Lieferketten der nächste große Engpassfaktor insbesondere für die deutsche Industrie zu werden.“

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