Roboterdichte: Deutschland bleibt Automatisierungs-Europameister

371 Industrieroboter kamen in der Bundesrepublik 2020 auf 10.000 Mitarbeiter, so die International Federation of Robotics.

Weltweit hat sich die durchschnittliche Roboterdichte laut der IFR innerhalb der vergangenen fünf Jahre fast verdoppelt. (Symbolbild: Style Photography / Fotolia)
Weltweit hat sich die durchschnittliche Roboterdichte laut der IFR innerhalb der vergangenen fünf Jahre fast verdoppelt. (Symbolbild: Style Photography / Fotolia)
Therese Meitinger

Deutschland ist die am stärksten automatisierte Volkswirtschaft in Europa: Die Roboterdichte – also die Zahl der Industrieroboter pro 10.000 Mitarbeiter – steigt auf einen neuen Rekord von 371 Einheiten (2020). Mit insgesamt 230.600 Einheiten hat Deutschland einen Anteil von 38 Prozent am gesamten operativen Industrieroboter-Bestand in Europa. Das meldete die International Federation of Robotics (IFR) am 14. Dezember. Sie bezog sich dabei auf den „World Robotics 2021 Report“, der von ihr herausgegeben wird.

„Die Roboterdichte ist eine sehr wichtige Kennzahl, um die Unterschiede im Automationsgrad verschiedener Volkswirtschaften nachzuvollziehen", sagt Milton Guerry, Präsident der International Federation of Robotics.

Weltweit hat sich die durchschnittliche Roboterdichte laut der IFR innerhalb der vergangenen fünf Jahre fast verdoppelt und stieg 2020 auf 126 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter (2015: 66 Einheiten).

Aufgeschlüsselt nach Regionen beträgt demnach die durchschnittliche Roboterdichte in Westeuropa 242 Einheiten, in Nordamerika 167 und in Asien/Australien 134. Die fünf weltweit automatisiertesten Länder sind: Südkorea, Singapur, Japan, Deutschland und Schweden.

Frankreich hat laut IFR-Angaben eine Roboterdichte von 194 Einheiten (Platz 16 weltweit). Damit liegen die deutschen Nachbarn deutlich über dem globalen Durchschnitt von 126 Robotern und sind ähnlich aufgestellt wie andere EU-Länder, beispielsweise Spanien (203 Einheiten), Österreich (205) oder die Niederlande (209 Einheiten). EU-Mitglieder wie Schweden (289 Einheiten), Dänemark (246 Einheiten) oder Italien (224 Einheiten) erreichen dagegen durch den Einsatz von Industrierobotern noch einen deutlich höheren Automatisierungsgrad.

Brexit treibt Automatisierung in Großbritannien

Großbritannien liegt in dem IFR-Ranking als einziges G7-Land mit einer Roboterdichte von 101 Einheiten unter dem Weltdurchschnitt (126 Einheiten) und belegt damit Platz 24. Der Trend zeigt aber auch hier nach oben: Vor fünf Jahren lag die von dem Verband ermittelte Roboterdichte im Vereinigten Königreich noch bei 71 Einheiten. Die Abwanderung ausländischer Arbeitskräfte nach dem Brexit habe die Nachfrage nach Robotern im Jahr 2020 erhöht, so die IFR. Diese Entwicklung dürfte sich in naher Zukunft fortsetzen. Die Modernisierung des verarbeitenden Gewerbes wird von der Regierung durch einen massiven Steueranreiz, die „Super Deduction", gefördert: Von April 2021 bis März 2023 können Unternehmen 130 Prozent Kapitalfreibetrag als Steuererleichterung für Investitionen in Anlagen und Maschinen geltend machen.

Weltweit gesehen entwickelt sich China am dynamischsten: Aufgrund der sehr starken Installationszahlen stieg die Roboterdichte von 49 Einheiten im Jahr 2015 laut IFR auf 246 im Jahr 2020. Damit rangiert China heute weltweit auf Platz 9 – ein großer Sprung im Vergleich zu Platz 25, den das Reich der Mitte noch vor fünf Jahren innehatte.

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