Retouren: Mehrheit lehnt Vernichtung von Rücksendungen ab

Das eigene Kaufverhalten im Internet inklusive der Vermeidung von Retouren sehen die Befragten der Postbank Digitalstudie davon allerdings nicht berührt.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Vernichtung von Retouren ab und wünscht sich mehr Nachhaltigkeit im Onlinehandel. (Symbolbild: Africa Studio/AdobeStock)
Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Vernichtung von Retouren ab und wünscht sich mehr Nachhaltigkeit im Onlinehandel. (Symbolbild: Africa Studio/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Mehr als 80 Prozent der Deutschen unterstützen ein Verbot der Retourenvernichtung. Online-Händler sollen so zu mehr Nachhaltigkeit angehalten werden. Ihr eigenes Kaufverhalten im Internet möchten die befragten Personen allerdings nicht ändern – weder durch einen geringeren Umfang, noch durch vermiedene Retouren. Besonders den über 40-Jährigen fällt eine Reduzierung des Interneteinkaufs schwer. Das geht aus der repräsentativen Postbank Digitalstudie 2022 hervor, die das Bankhaus kürzlich veröffentlichte.

Weniger Verpackungsmaterial gewünscht

Demnach sieht ein Großteil der Bundesbürger nicht nur die Vernichtung von Rücksendungen kritisch, viele wenden sich auch in anderen Aspekten gegen Verschwendung. So bevorzugen drei Viertel der Deutschen Anbieter, die möglichst wenig oder nachhaltiges Verpackungsmaterial verwenden.

„Die Kunden achten mittlerweile in sehr vielen Bereichen auf das Thema Nachhaltigkeit. Das betrifft im Online-Handel insbesondere die Frage nach Verpackungsmüll und ökologischem Versand. Wer als Unternehmen darauf achtet und hier nachhaltig handelt, der wird bei den Verbrauchern punkten“, sagt Thomas Brosch, Leiter Digitalvertrieb der Postbank.

Immerhin die Hälfte der Befragten wäre bereit, Bestellungen bei einer zentralen Abholstation in der Nähe des Wohnorts abzuholen. Dies wird als nachhaltiger angesehen, als die Ware zu jedem Käufer nach Hause zu bringen.

Aus ökologischen Gründen die eigenen Online-Käufe zurückzufahren beziehungsweise ganz darauf zu verzichten, das versuchen aktuell lediglich zehn Prozent der Umfrageteilnehmer. 27 Prozent der Online-Käufer bestellen Waren, von denen sie wissen, dass sie diese zurückschicken werden, beispielsweise Kleidung in verschiedenen Größen. Jeder Siebte macht sich beim Einkauf im Internet keine Gedanken über ökologische Aspekte. Gleichwohl geben vier von zehn Deutschen an, bei einer Online-Bestellung darauf zu achten, die gewünschten Produkte zu sammeln und in einer Lieferung zu erhalten.

Jüngere wollen weniger bestellen

Die Gruppe der Unter-40-Jährigen zeigt der Studie zufolge widersprüchliche Tendenzen. Hier werde vergleichsweise häufig versucht, wegen ökologischer Faktoren die Einkäufe im Internet zu reduzieren. Konkret: 17 Prozent möchten in Zukunft weniger online bestellen und verstärkt auf ökologische Merkmale achten. Damit liegen sie deutlich über dem Bundesschnitt von zehn Prozent. Auf der anderen Seite bestellt mehr als jeder Zweite der Digital Natives häufig in Restaurants oder beim Lieferservice. Sie nehmen damit Einwegverpackungen für die Mahlzeiten in Kauf. Bei den Älteren sind das nur 19 Prozent. Mehr als vier von zehn der Unter-40-Jährigen nutzen zudem Einwegverpackungen wie Coffee-to-Go-Becher.

Für die „Postbank Digitalstudie 2022 – Die digitalen Deutschen“ wurden im Januar und Februar dieses Jahres 3.050 Deutsche befragt. Die Postbank untersucht mit der Studie im achten Jahr in Folge, welche Entwicklungen sich in den verschiedenen Lebensbereichen der Bundesbürger in Bezug auf Digitalisierung allgemein und insbesondere zu Finanzthemen abzeichnen. Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht. Als Referenzdatei wurde der Zensus 2011 des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen in den Summen lassen sich durch Rundungsdifferenzen erklären.

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