Recycling: Verbände und Kunststoffproduzenten legen Vorschläge für Kreislaufwirtschaft vor

In einem gemeinsamen Positionspapier präsentieren der BDE, PlasticsEurope sowie der VCI ein Leitbild für die Umsetzung geschlossener Kunststoffkreisläufe.

Der BDE, PlasticsEurope und der VCI haben ein Leitbild für geschlossene Kunststoffkreisläufe entworfen. (Symbolbild: Itestro/AdobeStock)
Der BDE, PlasticsEurope und der VCI haben ein Leitbild für geschlossene Kunststoffkreisläufe entworfen. (Symbolbild: Itestro/AdobeStock)
Sandra Lehmann

In der Diskussion um die geplante nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie gehen die Wirtschaftsakteure chemische Industrie sowie Kunststoff- und Recyclingwirtschaft gemeinsam vor. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, PlasticsEurope Deutschland e.V. und VCI Verband der chemischen Industrie haben hierzu am 6. September in Berlin ein Leitbild zu einer Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen in Deutschland präsentiert. Mit ihrem Leitbild positionieren sich die Fachverbände nach Eigenangaben gemeinsam und geben Empfehlungen zur Verbesserung der heute noch nicht befriedigenden Recyclingsituation bei Kunststoffen.

Kernaussage des Papiers ist demnach das klare Bekenntnis der Industrie sowohl zur Priorität für das mechanische Recycling als auch zu angemessenen Rahmenbedingungen für das chemische Recycling. Mechanisches, physikalisches und chemisches Recycling müssen sich aus Sicht der drei Partner dahingehend ergänzen, dass quantitativ und qualitativ besser recycelt wird und Umweltbelastungen reduziert werden können. Sämtliche Kunststoffabfälle, die mechanisch recycelt werden können, sollen dem Positionspapier zufolge auch mechanisch recycelt werden.

Material reduzieren, Abfall vermeiden

In ihrer Vorlage mahnen die Branchenverbände unter anderem an, bereits beim Design der Produkte auf eine mechanische Recyclingfähigkeit sowie auf eine Reduzierung des Materialeinsatzes im Sinne der Abfallvermeidung zu achten. Bei der Sammlung und Sortierung von Kunststoffabfällen aus Privathaushalten, Industrie und Gewerbe müssen noch weitere Anstrengungen unternommen werden. Erneut machen sich die drei Verbände für ein schnellstmögliches Deponierungsverbot von Kunststoffabfällen innerhalb der EU stark und plädieren für eine thermische Abfallverwertung von Kunststoffabfällen, bei der die Abscheidung und Verwendung des dabei entstehenden CO₂ (CCU, Carbon Capture and Utilization) in die Kreislaufwirtschaft integriert werden. Ferner wollen die Verbände das globale Abkommen gegen Plastikmüll in der Umwelt aktiv unterstützen, so deren Vertreter im Zuge einer Pressekonferenz.

„Wir unterstützen die Erarbeitung einer nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Wir verstehen sie auch als Impuls, dass sich die Wirtschaftsakteure um gemeinsame, ambitionierte und praxistaugliche Vorschläge bemühen. Es ist der Kunststoff- und der Recyclingwirtschaft in dem Konzept gelungen, nicht nur die eigenen Vorstellungen für die Verbesserung des Recyclings zu formulieren, sondern auch die Positionen der Partner zu verstehen und mit den eigenen Ideen zu verzahnen. Niemandem hilft, wenn mechanisches und chemisches Recycling nur gegeneinander ausgespielt werden. Beide Verwertungswege müssen sinnvoll verknüpft werden. Priorität für das mechanische Recycling ist eine gemeinsame Überzeugung, aber auch die Entwicklung von Rahmenbedingungen, die chemisches Recycling für die Abfallströme sinnvoll ermöglicht, die nicht mechanisch recycelt werden können“, sagte Peter Kurt, Präsident des BDE.

Dazu sollen nach dem Willen der drei Verbände auch die bislang anvisierte Quote von 63 Prozent für das mechanische Recycling nicht nur erfüllt, sondern langfristig auch ausgebaut werden.

„Wir sind derzeit in Deutschland bei unter 40 Prozent und müssen Wege finden, 50 bis 60 Prozent zu erreichen. Wenn wir bei 63 Prozent angelangt sind, müssen wir uns auf die langsame Erhöhung auf 68 Prozent und mehr vorbereiten“, so Kurt in Berlin.

Alle drei Partner weisen im Rahmen des Positionspapiers daraufhin, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe nur funktioniere, wenn es Unterstützung aus der deutschen Politik sowie der EU gäbe. In diesem Sinne müssten Politik und Industrie gelichermaßen zu einem Schulterschluss bereit sein, so die drei Verbände. In diesem Zusammenhang wies Norbert Theihs, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter des VCI Hauptstadtbüros auch auf die Relevanz wirtschaftlicher Anreize zur Umsetzung einer Kreislaufstrategie hin. Dazu zählen aus seiner Sicht wettbewerbsfähige Strompreise.

„Für eine erfolgreiche Transformation ist ein Industriestrompreis unverzichtbar“, erläuterte Theihs.

Der Vertreter der Chemischen und pharmazeutischen Industrie kann sich auch einen „Brückenstrompreis“ von vier bis sechs Cent vorstellen.

Das Positionspapier auf einen Blick:

  • 1. Produktdesign für eine Kreislaufwirtschaft
  • 2. Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft
  • 3. Nachweis von und Verbraucherkommunikation zu Rezyklateinsatzquoten beim chemischen Recycling
  • 4. Alternativen zu fossilen Rohstoffen vorantreiben
  • 5. Europaweites Verbot der Deponierung von Kunststoffabfällen
  • 6. Konsequente Sammlung und Sortierung
  • 7. Unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen
  • 8. Innovationen bei Recyclingtechnologien vorantreiben
  • 9. Einheitliche Standards und Qualitätsanforderungen
  • 10. Mehr Forschung für zukunftsorientierte Produkte
  • 11. Unterstützung für das globale Abkommen gegen Plastikmüll in der Umwelt 12. Rohstoffpartnerschaften für den Aufbau von Kreislaufwirtschaft