Projekt AuToRail OWL: 2,3 Millionen Euro für automatisiertes Transportkonzept auf Schiene und Straße

Der Fahrwegwechsel zwischen Straße und Schiene soll so automatisiert werden, dass er mit möglichst geringem Zeitverlust vonstattengeht.

Die Regierungspräsidentin überreichte die Förderbescheide den vier Kooperationspartnern (v.l.n.r.): Prof. Dr. Rainer Rasche von der TH OWL, Prof. Dr. Rolf Naumann von der Hochschule Bielefeld (Projektleitung), Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling, Robin Rieksneuwöhner als Bürgermeister der Stadt Verl, Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur an der Universität Bielefeld. (Foto: P. Pollmeier/HSBI)
Die Regierungspräsidentin überreichte die Förderbescheide den vier Kooperationspartnern (v.l.n.r.): Prof. Dr. Rainer Rasche von der TH OWL, Prof. Dr. Rolf Naumann von der Hochschule Bielefeld (Projektleitung), Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling, Robin Rieksneuwöhner als Bürgermeister der Stadt Verl, Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur an der Universität Bielefeld. (Foto: P. Pollmeier/HSBI)
Matthias Pieringer

Im Projekt „AuToRail OWL – Automated Transport of Road and Rail Goods OWL“ wird ein Konzept für ein ressourcenschonendes Zweiwegefahrzeug zum Transport von Gütern und perspektivisch auch von Personen auf Schiene und Straße entwickelt. Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling übergab jetzt den Förderbescheid, wie die Hochschule Bielefeld (HSBI) kürzlich der Presse meldete. Das Projektvolumen liegt bei rund 2,3 Millionen Euro. Neben der Hochschule Bielefeld als Konsortialführerin sind die Universität Bielefeld, die Technische Hochschule OWL, der RailCampus OWL und die Stadt Verl sowie deren Wirtschaftsförderungsgesellschaft an dem Projekt beteiligt.

Ein automatisiertes Schienenfahrzeug, das auch auf der Straße fahren kann, könnte einen Beitrag zur Lösung des „Letze-Meile-Problems“ leisten, hieß es, und die ressourceneffiziente Infrastruktur der Schiene auch für Ziele ohne unmittelbaren Gleisanschluss erschließen: Lange Strecken werden auf der Schiene zurückgelegt, Streckenabschnitte ohne Gleise auf der Straße.

Vorteile von Schiene und Straße verbinden

Im Kern geht es den Projektbeteiligten darum, den Fahrwegwechsel zwischen Straße und Schiene und umgekehrt so zu automatisieren, dass dieser mit möglichst geringem Zeitverlust erfolgt. Durch den Verzicht auf Infrastrukturmaßnahmen soll eine spätere Einbindung in das bestehende Schienennetz ermöglicht werden. Somit sollen den Angaben zufolge die Vorteile der Straße, unter anderem die gute Anbindung von Betrieben, mit den Vorteilen der Schiene, wie staufreier und klimaschonender Transport, ohne zeitaufwändiges Umladen von Fracht kombiniert werden. Die Hauptanwendung des Fahrzeugs liegt laut den Projektpartnern besonders auf eingleisigen Bahnstrecken in ländlichen Regionen. Das Zweiwegefahrzeug könne hier einen erheblichen Beitrag für die Reaktivierung von nicht genutzten Bahnstrecken leisten. Doch vor der konkreten Anwendung stehe zunächst die Entwicklungsarbeit, so die Partner.

Rangierfahrzeug als Entwicklungsbasis

Der Plan: Als Entwicklungsbasis soll ein kommerzielles Rangierfahrzeug angeschafft und umgebaut werden. Derartige Rangierroboter können ferngesteuert auf Straße und Schiene fahren, um in Bahnhöfen Güterwagen zu bewegen. Auf Basis solch eines Rangierroboters wollen die Projektpartner durch Umbauten und Erweiterungen ein fahrerloses Fahrzeug entwickeln, das automatisiert auf der Straße und der Schiene fahren kann. Kerninnovation ist der automatisierte Wechsel von Straße auf Schiene und umgekehrt. Hier soll unter anderem eine Schienenerkennung mit optischen Systemen zum Einsatz kommen.

Versuchsfeld im Ortsteil Kaunitz der Stadt Verl

Getestet wird auf einem Versuchsfeld im Ortsteil Kaunitz der Stadt Verl im Kreis Gütersloh. Auf dem Gelände am ehemaligen Bahnhof Kaunitz wird ein Labor mit einem Bürocontainer und einer Werkstatt aufgebaut. Die Versuche finden auf einem 200 Meter langen Teilstück der Bahnstrecke zwischen Verl und Hövelhof statt. Die Bahnstrecke ist in Besitz der Teutoburger Wald Eisenbahn GmbH und wird den Beteiligten für die dreijährige Laufzeit des Projekts zur Verfügung gestellt. Daher ist auch die Verler Immobilien- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein Partner im Projekt. Während des Testbetriebs werden auf den Fahrzeugen allerdings weder Personen noch Güter transportiert. Es geht in dem Projekt laut den Partnern im Wesentlichen um die Entwicklung und Realisierung des automatisierten Ein- und Ausgleisvorgangs, also um die technische Machbarkeit.

Ziel dieses Initialprojektes ist den Angaben zufolge ein Demonstrationsbetrieb, um die technische Machbarkeit des Konzepts für ein wirtschaftliches, ressourcenschonendes und effizientes Zweiwegefahrzeug aufzuzeigen. Das Fahrzeug werde im Rahmen des RailCampus OWL zukünftig als Versuchsplattform zur Verfügung stehen, hieß es weiter.

Über das Projekt AuToRail OWL

Das Projekt „AuToRail OWL - Automated Transport of Road and Rail Goods OWL“ wird über eine Laufzeit vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 gefördert im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW, REGIONALE Ostwestfalen-Lippe: Vernetzte Mobilität und digitale Anwendungen.

Das Projektvolumen beträgt rund 2,3 Millionen Euro, von denen circa 1,3 Millionen Euro auf die Hochschule Bielefeld als Konsortialführerin entfallen. Weitere Projektpartner sind die Technische Hochschule OWL, die Universität Bielefeld und die Verler Immobilien- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH.