Prognose: Weltweite Pleitewelle durch Coronapandemie

Euler Hermes rechnet für die Weltwirtschaft mit der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Euler Hermes zufolge wird die Coronakrise sich dramatisch auf den Welthandel auswirken. (Foto: Kamonrat / Fotolia)
Euler Hermes zufolge wird die Coronakrise sich dramatisch auf den Welthandel auswirken. (Foto: Kamonrat / Fotolia)
Therese Meitinger

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie dürften bei der Weltwirtschaft nach einer am 11. Mai veröffentlichten Studie von Euler Hermes zu einer tiefen Rezession bei Welthandel und Weltwirtschaft führen – und in der Folge zu einer weltweiten Pleitewelle. Der Kreditversicherer geht davon aus, dass die globalen Insolvenzen 2020 damit zum vierten Mal in Folge steigen – allerdings mit +20 Prozent in bisher ungekanntem Ausmaß. Im Vergleich: 2019 lag der Zuwachs noch bei acht Prozent.

Beim Welthandel drohen laut der Studie Verluste von 3,5 Billionen US-Dollar. Das bedeutet ein Minus beim Volumen der gehandelten Waren und Dienstleistungen von 15 Prozent, beim Wert der Waren ist der Rückschlag mit -20 Prozent sogar noch schwerer. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) steckt in diesem Szenario durch die Coronapandemie mit voraussichtlich -3,3 Prozent in der größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. 

 „2020 versprach ursprünglich eigentlich ein eher ruhiges Jahr zu werden", sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes. „Doch dann kam Corona. Ein schwarzer Schwan wie aus dem Lehrbuch – und plötzlich war alles anders."

 2020 breche die Weltwirtschaft nach den aktuellen Prognosen von Euler Hermes voraussichtlich doppelt so stark ein wie in der Finanzkrise. Die Verluste seien darin doppelt so hoch wie die Wirtschaftskraft (BIP) von Deutschland und Japan zusammen, so Subran weiter.

Diese Entwicklung bleibt auch für die Unternehmen nicht folgenlos. Noch nie gab es der Studie zufolge zeitgleich in so vielen Ländern und in so vielen Branchen einen so heftigen Einbruch. Insofern ist es laut Euler Hermes aktuell in den meisten Fällen nicht möglich, alternative Abnehmer oder alternative Absatzmärkte zu finden, um den Einbruch abzufedern.

Deutscher Schutzschirm sichert gute Ausgangslage nach der Krise

 „Auf die Unternehmen rollt weltweit eine regelrechte Pleitewelle zu", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Man gehe weltweit 2020 aktuell von rund 20 Prozent mehr Insolvenzen aus – damit sei der Anstieg mehr als drei Mal so hoch wie vor der Coronapandemie erwartet (+6 Prozent). Neben den USA (+25 Prozent) ist laut van het Hof insbesondere Europa im Auge des Sturms (+19 Prozent).

„In dieser Situation ist es extrem wichtig, für Unternehmen und Wirtschaft Vertrauen zu schaffen“, so Ron van het Hof weiter. „Deshalb ist der nun vereinbarte gemeinsame Schutzschirm für die deutsche Wirtschaft, Unternehmen und ihre Mitarbeiter elementar – insbesondere auch für den Mittelstand. Der Handel wird dadurch stabilisiert. Das ist eine wichtige Grundlage dafür, dass die deutschen Unternehmen in einer verhältnismäßig guten Ausgangslage sind für einen Aufschwung nach der Krise."

Aktuell wird unter anderem in Deutschland die Wirtschaft nach dem Stillstand durch die Eindämmungsmaßnahmen zwar wieder hochgefahren, aber die Schwierigkeiten sind damit laut der Studie längst nicht vorbei. Mit einer Kontraktion des deutschen BIP von -8,9 Prozent rutsche auch die deutsche Wirtschaft in eine Rezession, so der Kreditversicherer. Vor diesem Hintergrund prognostizieren die Euler Hermes-Volkswirte auch in Deutschland mindestens zehn Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr.

Ohne die staatlichen Maßnahmen in vielen Ländern würden die Volkswirte nach Unternehmensangaben von einem noch wesentlich höheren Anstieg der Insolvenzen ausgehen. In Deutschland profitierten Unternehmen neben dem Schutzschirm auch von zahlreichen Liquiditätsmaßnahmen – vieles davon in Form von Krediten.

Corona bringt das Fass zum Überlaufen

 „Die Liquiditäts- und Stabilisierungsmaßnahmen sind ein enorm wichtiger erster Schritt, um die Wirtschaft schnell zu stabilisieren", sagt Van het Hof. „Die Kehrseite dieser Medaille ist allerdings, dass die Schuldenlast für viele Unternehmen deutlich größer sein wird als vorher.“

Damit die Unternehmen von diesen Schuldenbergen nicht erdrückt würden, müssten in einem zweiten Schritt deshalb Lösungen gefunden werden, wie und in welchem Zeitraum die Unternehmen diese Schulden anschließend wieder abbauen oder sie restrukturieren können, so van het Hof weiter.

Für Unternehmen, die schon vor Corona in finanziellen Schwierigkeiten waren, wird es laut der Studie durch die Coronapandemie indes immer schwieriger, sich aus dem Abwärtsstrudel zu befreien. Allein in der Eurozone gibt es Euler Hermes zufolge schätzungsweise 13.000 sogenannte „Zombie-Unternehmen“ mit Gesamtumsätzen von rund 500 Milliarden Euro. Sie hätten sich durch die andauernde Niedrigzinsphase noch über Wasser halten können. Doch durch Corona könnte es für viele eng werden.

Viele Unternehmen im textilen Einzelhandel hängen beispielsweise seit Jahren am seidenen Faden und die Elektronikbranche kämpft ebenfalls schon lange mit zahlreichen Problemen. Auch in der Metall- oder Automobilbranche war die Lage durch strukturelle Herausforderungen schon vor Corona vielerorts schlecht.

Printer Friendly, PDF & Email