Prognose: Versorgungslage für Automotive-Chips bleibt kritisch

Der ZVEI sieht generell eine anhaltend starke Nachfrage für Halbleiter und erwartet eine Verdopplung des Markts bis 2030.

Bei den Halbleiter-Strukturgrößen, die im Automotove-Sektor besonders gefragt sind, bleibt die Versorgungslage heraufordernd. (Symbolbld: JPIX)
Bei den Halbleiter-Strukturgrößen, die im Automotove-Sektor besonders gefragt sind, bleibt die Versorgungslage heraufordernd. (Symbolbld: JPIX)
Therese Meitinger

Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hat am 28, Februar im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs seine Einschätzung zum Stand und zur Entwicklung des europäischen Halbleitermarkts gegeben.  

Robert Kraus, Vorsitzender der ZVEI-Fachgruppe Halbleiter und CEO Inova Semiconductors, ging dabei von einem deutlichen Nachfragezuwachs aus:

„Der globale Halbleitermarkt wird sich bis 2030 auf rund eine Billion US-Dollar verdoppeln. Obwohl der Halbleitermarkt derzeit ein typisch zyklisches Verhalten zeigt, bei dem kurzfristig Überkapazitäten aufgebaut werden, steht die Chip-Rallye der vergangenen Jahre noch nicht vor ihrem Ende.“

Weiterhin sind nach Einschätzung des Verbands die Lieferzeiten von Chips für einzelne Produktgruppen wie beispielsweise die Automobilindustrie kritisch und die Nachfrage hoch. Daran wird sich aus Sicht des ZVEI langfristig nichts ändern, denn der Bedarf an Chips - besonders in den für die Märkte Auto und Industrie relevanten Strukturgrößen - bleibt ungebrochen hoch.

„Sowohl die weitere Digitalisierung als auch die grüne Transformation mit ihrer großen Nachfrage nach CO2-mindernden Technologien treiben dieses hohe Wachstum langfristig“, so Robert Kraus. 2022 wurden nach ZVEI-Angaben weltweit Chips im Wert von etwa 580 Milliarden US-Dollar produziert, doch nur knapp zehn Prozent davon in Europa.

„Europa droht abgehängt zu werden“

Sämtliche Regionen der Welt, in denen Teile der Halbleiterindustrie beheimatet sind, stellen laut dem Verband heute die Weichen richtig, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu verbessern.

„Europa läuft dagegen Gefahr, abgehängt zu werden, weil unter anderem die Auswirkungen des EU Chips Act zu spät erfolgen. Fakt ist, dass sich Europa als Halbleiter-Region nicht wird halten können, wenn nicht umgehend die notwendigen Rahmenbedingungen für Investitionen in Europa installiert werden“, befürchtet Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.

Bereits im Herbst 2021 wurde der „EU Chips Act“ angekündigt, der das Ziel hat, den Anteil Europas am globalen Halbleitermarkt auf 20 Prozent bis 2030 zu verdoppeln und so einen Beitrag zur technologischen Souveränität Europas zu leisten. Im Trilog zwischen EU-Kommission, Rat der Europäischen Union und Europäischem Parlament soll das Gesetz dieses Jahr verabschiedet werden. Wichtig ist dabei nach Überzeugung des ZVEI, den EU Chips Act stark an der Halbleiter- und Anwenderindustrie auszurichten und seinen Bedarfen an Chips aller Strukturgrößen

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