Prognose: Klimawandel, Proteste und Corona dominieren Lieferketten 2020

Ein Bericht der Standardisierungsorganisation BSI skizziert mögliche SCRM-Trends für das laufende Jahr.

Wo drohen 2020 Stresstests für die Lieferkette? (Foto: Ilkercelik, Fotolia)
Wo drohen 2020 Stresstests für die Lieferkette? (Foto: Ilkercelik, Fotolia)
Therese Meitinger

Am 17. März hat die BSI Group ihren Bericht „Supply Chain Risk Insights 2020“ vorgestellt. Er soll die Trends und damit verbundenen Risiken aufzeigen, die die globalen Lieferketten im kommenden Jahr beeinflussen könnten, und basiert auf Daten aus der Plattform-Lösung „Supply Chain Risk Exposure Evaluation Network“ (SCREEN) der Standardisierungsorganisation. Davon ausgehend prognostiziert BSI die folgenden Trends als dominante SCRM-Faktoren für 2020: das Coronavirus und die Bekämpfung eines globalen Ausbruchs; die Verschiebung der Lieferketten in Asien; Menschenhandel und die Ausbeutung von Migranten; politische Proteste und globale ideologische Verschiebungen; Auswirkungen des Klimawandels auf die Unternehmenskontinuität; die globale Gefahr von Terrorismus und Spannungen im Nahen Osten.

Bekämpfung eines globalen Ausbruchs

Der Ausbruch der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) hat BSI zufolge die derzeitige Anfälligkeit der globalen Lieferketten deutlich gemacht, in denen das Versagen eines Gliedes in der Kette zu umfangreichen Störungen führen kann. Während sich Unternehmen auf die Auswirkungen der Ausfallzeiten und der verlangsamten Wiederaufnahme der chinesischen Produktion auf ihre Lieferketten einstellten, argumentiert das Unternehmen, werde die weltweite Verbreitung von COVID-19 zu komplexen und unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Regierungen führen, um das Virus einzudämmen, was weitere Unterbrechungen zur Folge habe und die Unternehmen dazu zwinge, anpassungsfähige Maßnahmen zur Geschäftskontinuität zu ergreifen. Der Ausbruch unterstreicht laut BSI die Notwendigkeit einer umfassenden Planung der Geschäftskontinuität, die alle Arten von potenziellen Naturkatastrophen, einschließlich Krankheitsausbrüchen, berücksichtigt.

Verschiebung der Lieferketten in Asien

Während sich die USA und China in ihrem anhaltenden Handelsstreit engagierten, arbeiteten der Standardisierungsorganisation zufolge andere Länder in der gesamten Region wie Vietnam, Myanmar, Kambodscha, Malaysia, Thailand und Bangladesch daran, ein attraktiveres Geschäftsumfeld zu schaffen. Jetzt, da die Unternehmen angesichts des Coronavirus-Ausbruchs über ihre Lieferketten in Asien besorgt seien und andere Möglichkeiten verfolgten, müssten die Industrien die Risiken der sozialen Verantwortung der Unternehmen berücksichtigen, die in China und in der gesamten Region immer noch weit verbreitet sind, so BSI. Neben dem Coronavirus haben laut dem Bericht Naturkatastrophen, invasive Arten und Krankheiten den Kontinent im Jahr 2019 verwüstet und eine weitreichende Zerstörung der Infrastruktur und der Landwirtschaft verursacht, was die Notwendigkeit für Unternehmen unterstreicht, umfassende Reaktionspläne zu entwickeln.

Politische Proteste

Im vergangenen Jahr stellte BSI erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten fest, die durch die weltweiten politischen Proteste verursacht wurden. Viele dieser politischen Bewegungen hätten sich bereits bis ins Jahr 2020 hinein ausgeweitet und hätten das Potenzial, zu wachsen und sich über das ganze Jahr auszubreiten, so das Unternehmen. Da die Protestbewegungen laut dem Bericht an Dynamik gewinnen und sich das Ausmaß der Missstände ausweitet, kämpfen die Regierungen darum, die Unruhen wirksam anzugehen und zu unterdrücken. Im Jahr 2020 ist es BSI zufolge für Unternehmen entscheidend, sich über mögliche Ausbrüche sozialer Unruhen bewusst zu sein und detaillierte Pläne zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zu erstellen, die für Transportverzögerungen, Straßenblockaden und ein erhöhtes Sicherheitsumfeld verantwortlich sind.

Auswirkungen des Klimawandels

Schwere Wetterereignisse haben Indien im vergangenen Jahr wohl mehr als jedes andere Land betroffen; bis Juli 2019 verzeichnete BSI bereits einen Anstieg der Naturkatastrophenvorfälle in Indien um 28 Prozent im Vergleich zu unseren Daten des Vorjahres. Bei der Bewertung der Lieferketten von Unternehmen ist es dem Unternehmen zufolge unerlässlich, nicht nur das Risiko von Naturkatastrophen selbst zu verstehen, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des Landes und seine Fähigkeit, sich von solchen Katastrophen zu erholen.

Die rekordverdächtigen Wetterereignisse des letzten Jahres hätten die Lieferketten in Mitleidenschaft gezogen, argumentiert BSI, und infolgedessen könnten die Unternehmen weiterhin mit einer Verknappung von landwirtschaftlichen Produkten, der Zerstörung und Beeinträchtigung der Infrastruktur sowie einer erhöhten Anfälligkeit für Diebstähle und Plünderungen in den von den Unwettern betroffenen Gebieten im Jahr 2020 rechnen.

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