Prognose: Deutschland droht tiefe Rezession durch Corona-Pandemie

Auch im Geschäftsbereich Logistik erwarten die Logistikweisen schwerwiegende Belastungen.   

Wie schnell wird sich die deutsche Wirtschaft von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholen? (Foto: Apops, Fotolia)
Wie schnell wird sich die deutsche Wirtschaft von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholen? (Foto: Apops, Fotolia)
Therese Meitinger

Die Corona-Pandemie soll eine schwerwiegende Rezession in Deutschland auslösen. Das ist eines der Ergebnisse des am 8. April präsentierten gemeinsamen Frühjahrsgutachtens der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, ifo Institut, IfW, IWH und RWI.  Die Wirtschaftsleistung wird nach ihrer Ansicht in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen. Für das kommende Jahr sagen sie eine Erholung und ein Wachstum von 5,8 Prozent voraus.

Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das Bruttoinlandsprodukt laut dem Gremium um 1,9 Prozent geschrumpft sein. Im zweiten Quartal bricht es in dem Szenario dann als Folge des Shutdowns um 9,8 Prozent ein. Dies ist der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland; er ist mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009.

„Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „In der Spitze wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen.“

Im Durchschnitt sollen die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr laut der Prognose um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen steigen.

Deutschland für Krisenbewältigung gut aufgestellt

„Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte“, sagt Wollmershäuser. Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen, so das Expertengremium. Diese führten in diesem Jahr zu einem Rekorddefizit beim Gesamtstaat (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung) von 159 Milliarden Euro. Der Bruttoschuldenstand des Staates soll demnach in diesem Jahr auf 70 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt steigen.

Die mit dieser Prognose verbunden Abwärtsrisiken sind den Experten zufolge erheblich. So könnte sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen als angenommen. Auch das Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivität könnte schlechter gelingen und eine erneute Ansteckungswelle auslösen. Zudem könnten weitere Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung in Kraft treten, die die Produktion länger oder in größerem Umfang stilllegen. Verwerfungen im Finanzsystem als Folge zunehmender Unternehmensinsolvenzen würden wahrscheinlicher, die durch staatliche Schutzschilde nicht verhindert werden könnten.

Bereits zuvor hatten die Logistikweisen sich in ihrem offenen Brief an die Politik besorgt über die wirtschaftlichen Verwerfungen im Zuge der Krise gezeigt. Sie forderten, die Expertendiskussion über eine Lockerung der wirtschaftlichen Beschränkungen unverzüglich aufzunehmen. Dies sei vor allem angesichts der prekären Lage vieler Unternehmen im Geschäftsfeld Logistik dringend geboten.

„[D]er Wirtschaftsbereich Logistik wird aus unserer Sicht weitaus stärker in Mitleidenschaft gezogen, als der Sachverständigenrat es für die gesamte Wirtschaft prognostiziert. Aus diesem Grund sehen wir besonderen Handlungsbedarf“, hieß es in dem offenen Brief,

Übrigens: Wer sich selbst einen Eindruck über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie verschaffen möchte, kann dies etwa bei Destatis tun. Statistisch belastbare Daten stellt das Statistische Bundesamt ab sofort in einer kostenlosen Sonderseite zur Verfügung: https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/_inhalt.html

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