Pilotprojekt: Wasserstoff dezentral aus Abfällen erzeugen

Der Göppinger Recyclingspezialist ETG will mit Technologie von Green Hydrogen Technology (GHT) ab 2025 jährlich bis zu 100 Tonnen Wasserstoff herstellen.

Wasserstofftechnologien haben enormes Potenzial für die Dekarbonisierung von Logistik und Industrie. Doch die geringe Verfügbarkeit des Energieträgers gilt als limitierender Faktor. (Symbolbild: Deemerwha studio / AdobeStock)
Wasserstofftechnologien haben enormes Potenzial für die Dekarbonisierung von Logistik und Industrie. Doch die geringe Verfügbarkeit des Energieträgers gilt als limitierender Faktor. (Symbolbild: Deemerwha studio / AdobeStock)
Therese Meitinger

Das Augsburger Unternehmen Green Hydrogen Technology (GHT) und ETG Entsorgung + Transport mit Hauptsitz in Göppingen haben eine strategische Partnerschaft vereinbart, um klimaneutrale Energie aus Abfällen herzustellen. Das berichtet eine Pressemitteilung vom 28. November. Das Start-up GHT entwickelte demnach in den vergangenen zwei Jahren ein patentiertes Verfahren, das auf lokal verfügbare Rohstoffe zurückgreift und keine Anbindung an größere Infrastrukturen benötigt. Der Recyclingspezialist ETG will mit dieser Technologie ab 2025 bis zu 100 Tonnen Wasserstoff pro Jahr herstellen. Die Produktionsanlage soll im kommenden Jahr an einem ETG-Standort in Baden-Württemberg errichtet werden.

Wasserstoff statt Müllverbrennung

Die Produktionskosten des Wasserstoffs liegen Firmenangaben zufolge mit der GHT-Technologie bei bis zu 1,5 Euro pro Kilogramm und unter den Kosten des Wasserstoffs, der mithilfe der Elektrolyse gewonnen wird. Die Anwender des Verfahrens erhielten somit Zugang zu wettbewerbsfähiger erneuerbarer Energie, wirbt GHT. Gleichzeitig könne das Verfahren die heute übliche Müllverbrennung ersetzen, ohne CO2 freizugeben.

„Mit der Partnerschaft überführen wir unsere Technologie in den operativen Dauerbetrieb und legen die Grundlage für unseren kommerziellen Markteintritt. Hierfür stehen wir in fortgeschrittenen Gesprächen mit Unternehmen und Investoren aus dem Recycling-, Industrie- und Transportsektor“, sagt Robert Nave, Geschäftsführer von Green Hydrogen Technology. „Mit ETG setzen wir auf einen erfahrenen Partner aus der Abfallwirtschaft, mit dem wir das Potenzial der Branche erschließen.“

„Die Partnerschaft mit GHT sichert uns eine technologische Neuheit, mit der wir unsere Energieversorgung zukunftsfähig ausrichten und nachhaltig gestalten“, sagt Beate Schwarz, Geschäftsführerin von ETG Entsorgung + Transport. „Wasserstoff ist ein Energieträger der Zukunft, den wir uns mit der GHT-Technologie für unsere eigenen Verarbeitungsprozesse erschließen. Das ist eine echte Lösung, die uns die Energie genau dort bereitstellt, wo wir sie benötigen.“

GHT will der Mitteilung zufolge die Technologie im operativen Dauerbetrieb kontinuierlich weiterentwickeln. Das bei der Wasserstoffproduktion entstehende CO2 soll teilweise in den Prozess zurückgeführt werden. Das verbleibende CO2 werde als technisches Gas für verschiedene industrielle Anwendungsbereiche wie die Getränke- oder Chemieindustrie nutzbar gemacht, heißt es.

Das 2020 gegründete Technologie-Start-up GHT hat nach Eigenangaben ein Verfahren entwickelt, um aus nicht-recycelbaren Kunststoffabfällen und Biomasse klimaneutral Wasserstoff, Methanol oder Methan zu erzeugen. Das Produktionsverfahren basiert auf der einer neuartigen Flugstromvergasung bei Temperaturen von bis zu 1.600 Grad Celsius und nutzt lokal verfügbare Rohstoffe als Ausgangsmaterial, um Wasserstoff zu Kosten von bis zu 1,5 Euro pro Kilogramm bereitzustellen. Das in Augsburg ansässige Unternehmen betreibt im österreichischen Leoben eine Pilotanlage, die die Technologie im industriellen Maßstab erprobt.