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Pharmalogistik: Berliner Unternehmen entwickeln Supply Chain für Cannabis

Technische Hochschule Wildau testet dabei Möglichkeiten der Blockchain-Technologie.

Michael Müller, Dozent an der Technischen Hochschule Wildau, sieht in der Blockchain-Technologie große Potenziale für die Dokumentation von Cannabis-Transporten. (Foto: TH Wildau)
Michael Müller, Dozent an der Technischen Hochschule Wildau, sieht in der Blockchain-Technologie große Potenziale für die Dokumentation von Cannabis-Transporten. (Foto: TH Wildau)
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Therese Meitinger

In Berlin und Brandenburg kooperieren Pharmahersteller mit Logistik- und IT-Experten zur Entwicklung sicherer Lieferketten für Betäubungsmittel (BtM) wie etwa Medizinalcannabis. Dabei gilt es eine Besonderheit gegenüber pharmazeutischen Produkten zu berücksichtigen: Hier sind nicht die Hersteller, sondern die Pharmalogistiker in der Haftung. Jeder, der an der Supply Chain für BtM beteiligt ist, muss die Auflagen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfüllen. So müssen zertifizierte Pharmalogistiker jeden Warenein- und -ausgang an die Bundesopiumstelle melden. Hinzukommt, dass Cannabis erst seit 2017 den Status der Verkehrsfähigkeit hat.

Die Aurora Deutschland GmbH aus Berlin, ehemals Pedanios, ist laut Eigenangaben eines der ersten pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland, das sich auf medizinisches Cannabis spezialisiert hat. „Als wir 2015 starteten, war Cannabis als Arzneimittel noch nicht verkehrsfähig und somit in vielen Fachkreisen nicht anerkannt“, erinnert sich Patrick Hoffmann, Mitgründer von Pedanios. „Wir hatten zwar die Lizenzen für den Vertrieb, benötigten aber außerdem eine adäquate Logistik.“ Der Pharmalogistiker UNITAX aus Berlin-Schönefeld, erfahren im Umgang mit BtM, erwirkte bei der Bundesopiumstelle eine Ausnahmegenehmigung für die nicht verkehrsfähige Ware – und übernimmt seitdem Wareneingang, Lagerung und Versand der Cannabis-Produkte von Aurora.

Nach der offiziellen Marktfreigabe stiegen die Mengen rasant, von wenigen Hundert pro Jahr auf 60.000 Verordnungen im ersten Quartal 2019. Angesichts der kürzlich erteilten Erlaubnis, Cannabis auch in Deutschland anzubauen, rechnen die Kooperationspartner mit einem weiteren Anstieg. Allerdings lehnen viele Spediteure und – bei Luftfracht – auch Flugkapitäne den Transport der „Droge“ Cannabis ab. Um das Risiko zu senken, sind BtM-Sendungen generell äußerlich nicht gekennzeichnet; bis zum Transport werden sie in alarmgesicherten „Bunkern“ gelagert.

Manipulationssichere Dokumentation via Blockchain

Für die vorgeschriebene Meldung an die Bundesopiumstelle verfügt der Pharmalogistiker UNITAX nach Eigenangaben über eine validierte Datenschnittstelle. Bei der Auslieferung an Apotheken wird den Betäubungsmitteln demnach ein Formular der Bundesdruckerei beigelegt. Eine elektronische Dokumentation steht dafür noch nicht zur Verfügung. Die Alternative zu diesem Verfahren könnte nach Ansicht der Technischen Hochschule (TH) Wildau die Blockchain-Technologie bieten.

„Wenn es um Sicherheit geht, ist die Blockchain mit ihrer vollständigen und unveränderlichen Transaktionshistorie nicht zu toppen“, sagt Michael Müller, Dozent an der TH Wildau in Brandenburg. „Denn dabei wird die Zustimmung aller Beteiligten – inklusive der Apotheken – zwingend vorausgesetzt.“

Für eine „Blockchain zum Anfassen“ hat die TH Wildau zusammen mit dem Berliner IT-Unternehmen Disruptive Elements ein Format entwickelt: In den Praxislaboren Logistik und auf Roadshows können sich Interessierte laut den Kooperationspartnern darüber informieren, wie sich die besonders sensiblen Supply Chains der Pharma- oder Luftfahrtindustrie oder der Nuklearmedizin via Blockchain transparent und sicher abbilden lassen.  

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